Eine 15-Jährige wird gegen Corona geimpft. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sina Schuldt; Symbolbild)

Interesse an Immunisierung steigt wieder

Deutlich mehr Corona-Erstimpfungen in Baden-Württemberg - Impfungen auch an Schulen

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Die Zahl der Menschen, die sich gegen Corona impfen lassen, steigt in Baden-Württemberg wieder. Nach den Ferien können auch Schulen mobile Impfteams für 12- bis 17-Jährige anfordern.

Die Zahl der Erstimpfungen in Baden-Württemberg steigt wieder deutlich an. Das geht aus neuen Zahlen des Gesundheitsministeriums hervor, die dem SWR vorliegen. Demnach gab es in Baden-Württemberg in der vergangenen Woche 79.000 Erstimpfungen - 15.000 oder 20 Prozent mehr als in der Vorwoche. Die aktuelle Erstimpfquote in Baden-Württemberg liegt damit bei 62 Prozent.

Mobile Impfangebote und Ende der kostenfreien Schnelltests

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums führte das gegenüber dem SWR auf die mobilen Impfangebote vor Ort zurück. Auch der Beschluss von Bund und Ländern, dass Schnelltests nur noch bis 11. Oktober kostenfrei sind, könne eine Rolle spielen.

Corona-Impfungen nach den Sommerferien auch an Schulen

Nach den Sommerferien sind für die 12- bis 17-Jährigen auch Impfungen an den Schulen möglich. Laut Gesundheits- und Kultusministerium können die Schulen mobile Impfteams anfordern oder für Schulklassen feste Termine in den Impfzentren reservieren. Der Besuch einer Schule ist im kommenden Schuljahr aber nicht abhängig von einer Impfung. "Es muss sich niemand Sorgen machen, von der Schule ausgeschlossen zu werden, wenn er oder sie nicht geimpft ist", sagte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne).

Wenn die Eltern vor der Impfung aufgeklärt wurden und schriftlich einwilligen, können Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auch dann geimpft werden, wenn die Eltern nicht dabei sind. Schülerinnen und Schüler, die 16 Jahre oder älter sind, können selbst über eine Impfung entscheiden. Die Ständige Impfkommission hatte vergangene Woche Impfungen gegen das Coronavirus auch für die 12- bis 17-Jährigen empfohlen. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums sind aktuell rund 27 Prozent dieser Altersgruppe in Baden-Württemberg mindestens einmal geimpft.

GEW kritisiert Organisationsaufwand für Schulen

Die Verantwortlichen der Schulen können laut Kultusministerium selbst entscheiden, ob sie ein mobiles Impfteam anfordern möchten. Das ist allerdings einer der Knackpunkte, den die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert. Der organisatorische Aufwand dürfe nicht den Schulleitungen zugeschoben werden, die derzeit zudem oft im Urlaub seien, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. "Hier muss das Land organisieren, aber auch die Kommunen sind gefragt."

Außerdem schließen die größeren Impfzentren bereits Ende September, zudem gibt es nach den Planungen des Landes lediglich 18 mobile Impfteams. "Es kann nicht sein, dass sich die Schulleiter darüber streiten müssen, bei wem das mobile Impfteam vorbeikommt", sagte Stein. Die Zahl der Teams müsse erhöht werden, forderte sie. Es gebe ausreichend Personal aus den Impfzentren, die geschlossen würden.

"Das Impfen von Minderjährigen ist keine Aufgabe der Schulen"

"Das ist eine weitere zusätzliche Aufgabe für Schulleitungen, und das zu Beginn eines neuen, nicht ganz unproblematischen Schuljahres", kritisierte auch Werner Weber, der Landeschef der Schulleitervereinigung. Der Zeitdruck komme hinzu. Die letzten Tage der Sommerferien seien geprägt durch intensive Vorbereitungen auf den Schuljahresbeginn und die Organisation des kommenden Schuljahres. "Die umfangreiche Vorbereitung einer schulinternen Impfaktion käme on top zu all den anderen Aufgaben noch mit dazu", sagte Weber. "Es ist aber nicht die elementare Aufgabe von Schule, Impfungen von Minderjährigen, mit allem was dazugehört, zu organisieren."

Kritik kam auch aus der Opposition: SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch sprach laut einer Mitteilung von einer "Politik des Wegduckens". Nun sollten es die Schulen richten, das Land versuche, diese Aufgabe "nach unten zu schieben". "Dass man jeder Schülerin und jedem Schüler ab 12 eine Impfung anbietet, ist ein Muss - aber es ist nicht die Aufgabe der Schulen, das auch noch zu organisieren", sagte er.

Baden-Württemberg bei Impfungen unter Bundesschnitt

Deutschlandweit sind mittlerweile mehr als 100 Millionen Impfdosen gespritzt worden. Dies sei "eine der größten logistischen Leistungen in der Geschichte unseres Landes", so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch via Twitter. Vollständig geimpft sind demnach inzwischen 49,4 Millionen Menschen oder 59,4 Prozent der deutschen Bevölkerung. Für Baden-Württemberg weisen die Statistiker den Wert mit 58,8 Prozent aus.

Bundesweit mindestens eine erste Impfung erhalten haben 53,5 Millionen Menschen oder 64,4 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner. Auch hier bewegt sich Baden-Württemberg unter dem Bundesschnitt (62,0 Prozent). Die Zahl der Neuinfektionen in Baden-Württemberg ist zuletzt wieder stark angestiegen. Am Dienstag meldete das Landesgesundheitsamt so viele Neuinfektionen binnen eines Tages wie seit Ende Mai nicht mehr.

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