Kind spielt in einer Kita. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Coronavirus in Baden-Württemberg

Delta-Variante breitet sich rasant aus

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Noch bewegt sich die Delta-Variante des Coronavirus auf niedrigem Niveau. Doch die Zahlen steigen rasant an. Fachleute warnen vor den Gefahren - auch in Bezug auf junge Menschen im Land.

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Baden-Württemberg stetig aus: Am Montag wurden zwei weitere Fälle in einer Kindertagesstätte in Freiburg bekannt, drei weitere wurden aus Heilbronn gemeldet. In einer Kindertagesstätte in Waiblingen sind seit einem Ausbruch mit der Variante Anfang des Monats 150 Kinder und 45 Mitarbeitende in Quarantäne.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sind derzeit 368 Menschen mit dieser Variante infiziert (Stand 21. Juni, 16 Uhr). Das sind vergleichsweise noch nicht viele. Aber die Zahlen steigen schnell an: In den vergangenen zwei Wochen trugen rund 6,7 Prozent der gemeldeten Infizierten die Delta-Variante in sich, nach gut 2,7 Prozent in den ersten beiden Juniwochen - eine Steigerung um 146 Prozent. Dabei sind die Fälle, die nicht ganz sicher der Delta-Variante zugeordnet werden können, noch nicht mitberechnet.

Wissenschaftler: Inzidenz unter Kindern und Jugendlichen hoch

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Besonders junge Leute sind von der Delta-Variante des Coronavirus im Land betroffen, erklärt Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie im SWR. Denn bereits in der dritten Welle der Alpha-Variante habe man gesehen, dass die Inzidenz unter den Kindern und Jugendlichen sehr hoch gewesen sei. "Deshalb muss man für den Herbst schon gewappnet sein dafür, dass sich diese Variante auch bei den Kindern und Jugendlichen durchsetzen kann," so Watzl.

Hinzu kommt, dass junge Menschen von einer großen Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus - den Impfstoffen von Biontech und Astrazeneca - auch in Baden-Württemberg derzeit nur wenig profitieren. Die Impfstoffe schützen zwar laut einer Studie nach der Zweitimpfung zwischen 60 und 88 Prozent. Vor schweren Verläufen schützen beide sogar sehr gut. Wenig geschützt ist aber, wer gar nicht oder nur einmal geimpft ist - und zu dieser Gruppe gehören auch hierzulande viele Kinder und Jugendliche, bestätigt Watzl.

Problematisch an der Delta-Variante seien zwei ihrer Eigenschaften: Zum einen sei sie ansteckender. "Sie ist sogar noch ansteckender als die Alpha-Variante," so Watzl. Was sie außerdem noch gefährlicher mache, sei, dass sie dem Immunschutz entgehe.

Politiker blicken skeptisch auf den Herbst

Wie sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter ausbreitet, hängt von einer Reihe von Faktoren ab: neben dem eigenverantwortlichen Handeln der Menschen im Land auch von der Entwicklung im Ausland und von der Politik. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) erklärte schon am Montag, sie könne neue Corona-Maßnahmen an den Schulen im Herbst nicht ausschließen.

Viele Fachleute sind sich aber heute schon einig mit Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts. Er warnte in der vergangenen Woche, die Pandemie sei nicht vorbei. Insofern sei es wichtig, weiter nur "behutsam und kleinschrittig" zu öffnen.

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