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Der Bundesverband der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst fordert, an Weihnachten keine Präsenz-Gottesdienste zuzulassen. Baden-Württembergs Ministerpräsident hält dagegen.

Unmittelbar vor den Feiertagen dauert die Debatte um die Corona-Ansteckungsgefahr bei Weihnachtsgottesdiensten an. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appellierte wegen der weiterhin hohen Zahl der Neuinfektionen an die Politik, Präsenz-Gottesdienste an den Feiertagen zu verbieten. "Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen", sagte Teichert.

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Kretschmann verteidigt Öffnung der Kirchen an Weihnachten

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte dagegen den Beschluss des Landes bestärkt, dass man zum Besuch eines Gottesdienst die Wohnung trotz Corona-Ausgangsbeschränkung verlassen dürfe. Für Gläubige sei das Fest wichtig, gerade auch in Pandemie-Zeiten. "Es geht um existenzielle Fragen für die Menschen, die den Gottesdienst besuchen", sagte Kretschmann. Zudem stünden Sonn- und Feiertage unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes.

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Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Karin Maag, äußerte sich zur Debatte und sprach sich gegenüber dem SWR für ein Verbot der Präsenz-Gottesdienste aus, zweifelt aber an einer tatsächlichen Umsetzung. "Ich würde es in diesem Fall tatsächlich verbieten, weil wir in einer ganz schwierigen Lage sind." Sie gehe allerdings nicht davon aus, dass ein solches Verbot kommen wird. Eine Gottesdienst-Variante mit wenigen Gläubigen, viel Abstand, zugewiesenen Plätzen und keinem Gesang könne sie nachvollziehen, sagte Maag.

Evangelische Kirche verweits auf Hygienekonzepte

Unterdessen verwies der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, auf die Hygienekonzepte und Abstandsregeln. Für ihn gibt es "keine generelle Absageempfehlung". Es werde in den Kirchen sehr genau darauf geachtet, dass keine Risiken entstünden. "Für Weihnachten heißt es, dass nur sehr wenige Leute in die Kirchen können, mit großen Abständen, mit Gesichtsmasken, es wird nicht gesungen."

Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenz-Gottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer, auch nicht in Baden-Württemberg. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Kirchen finden kreative Alternativen

In einigen Kirchengemeinden werden die Weihnachtsgottesdienste live über das Internet gesendet oder zeitversetzt abrufbar gemacht. Besonders kreativ zeigen sich folgende Gemeinden: In der Peterskirche in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) wurde der Gottesdienst zur Heiligen Nacht mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen. In Poppenweiler (Ludwigsburg) fährt das Krippenspiel auf dem Traktor durch den Ort, hält an zwei Stationen und erzählt die Weihnachtsgeschichte mit Stabpuppen.

Baden-Württembergs Bischöfe setzen auf Videobotschaften, wie zum Beispiel der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst. Er liest in seinem privaten Wohnzimmer die Weihnachtsgeschichte für ein Internetpublikum. Der badische evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh bereitet eine Andacht für die Netzgemeinde vor.

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