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Im Corona-Lockdown nutzten Universitäten in Baden-Württemberg technische Möglichkeiten, um Prüflinge bei Onlineklausuren zu kontrollieren. Teilweise zu Unrecht, so der Landesdatenschutzbeauftragte.

Als erster Datenschützer bundesweit geht der baden-württembergische Landesbeauftragte gegen den Einsatz von Überwachungssoftware bei Online-Prüfungen in Hochschulen vor.

Bei einer Reihe von Examen mit Fernaufsicht über das Internet sei an Hochschulen in Baden-Württemberg in der Zeit des Corona-Lockdowns gegen Recht und Gesetz verstoßen worden, erklärte der Datenschutzbeauftragte Stefan Brink am Samstag in Stuttgart. "Dauerhafte Kontrolle von Studierenden in Prüfungssituationen durch technische Tools, die zu stark ins Private gehen, ist nicht akzeptabel." Bei dem Versuch, Betrugsversuche von Prüflingen am heimischen Rechner zu verhindern, seien manche Lehrkräfte über das Ziel hinausgeschossen.

Prüfungen dürfen nicht aufgezeichnet werden

Brink hat einen ab sofort geltenden Vorgabenkatalog erarbeitet, um künftig Verstöße gegen den Datenschutz und die IT-Sicherheit zu verhindern. Zwar soll Videoaufsicht erlaubt sein, aber es soll ein Aufzeichnungsverbot gelten. Auch der Einsatz von Plattformen zur Fernaufsicht, die den Rechner des Prüflings scannen und damit auch Zugang zu persönlichen Daten erhalten, ist künftig nicht mehr erlaubt. Damit dürfen Unis und Fachhochschulen fortan praktisch keine Online-Tools des US-Anbieters Proctorio mehr anwenden. Mit der Software können Geräte "durchforstet" werden, ob sich Hilfsmittel darauf befinden.

Stefan Brink, Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz am 4.2.2019 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Marijan Murat/dpa)
Der oberste Datenschützer in Baden-Württemberg, Stefan Brink Foto: Marijan Murat/dpa

"Mimik-Kontrolle ist Hokuspokus"

Zahlreiche Studenten mussten eine Software auf ihren Rechner spielen, um an einer Prüfung von zuhause teilnehmen zu können. Damit soll zum Beispiel verhindert werden, dass die Prüflinge Suchmaschinen benutzen oder etwas aus der Zwischenablage in die Klausur hineinkopieren. Während des Examens mussten sie dann Kamera und Mikrofon anlassen und durften ihren Platz vor dem Rechner nicht verlassen. "Man wollte an der Mimik erkennen, ob jemand betrügt", sagte Brink. "Das halten wir für Hokuspokus. Das sind massive Eingriffe in die Freiheit der Studentinnen und Studenten."

Es könne auch nicht sein, dass sich manche Hochschulen vor Klausuren eine unzulässige Einwilligung von den Prüflingen einholen. "Es gab an den Hochschulen keine einheitlichen, sondern sehr unterschiedliche Lösungen für Online-Prüfungen - zum Teil auch waghalsige."

Baden-Württemberg

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