Narren in Kostümen sammeln sich auf der Straße (Foto: SWR, Boeller und Brot)

Vorfreude auf närrische Tage wächst

Fastnacht: Was planen die Zünfte nach den Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg?

STAND

Vor kurzem noch undenkbar, nun mit 3G-Regel möglich: Närrinnen und Narren in Baden-Württemberg freuen sich auf Fastnachtsveranstaltungen. Das ist möglich - das planen die Zünfte.

Baden-Württemberg hat mit der neuen Corona-Verordnung die Corona-Maßnahmen gelockert. In der Warnstufe sind nun auch Fastnachtsveranstaltungen möglich. Die neuen Regeln kommen für die Närrinnen und Narren im Land gerade noch rechtzeitig. Denn am Donnerstag läutet der Schmutzige Donnerstag oder die Weiberfastnacht die närrischen Tage ein.

Was ist zur Fastnacht 2022 erlaubt?

Für Stadt-, Volksfeste und damit auch für Fastnachtsveranstaltungen gilt in der aktuellen Warnstufe:

  • im Freien: 3G-Regel und maximal 75 Prozent Auslastung, aber nicht mehr als 25.000 Besucherinnen und Besuchern - Hygienekonzept und Absprache mit den lokalen Behörden vorausgesetzt
  • in Innenräumen: 3G-Regel und maximal 60 Prozent Auslastung, aber nicht mehr als 6.000 Besucherinnen und Besuchern - Hygienekonzept und Absprache mit den lokalen Behörden vorausgesetzt

Was planen die Fasnets-Zünfte in Baden-Württemberg?

Für viele Zünfte kommen die Lockerungen zu spät. "Herr Kretschmann hat uns da schon ein bisschen einen Bärendienst erwiesen", sagt Florian Angele, Zunftmeister der oberschwäbischen Narren in Aulendorf (Landkreis Ravensburg).

"Es ist wirklich schwierig, den Narren jetzt zu sagen, was sie dürfen und was nicht. Und hinter der Fasnet steckt ja ein Haufen Arbeit."

Seit Monaten bereitet sich der Zunftmeister mit den Narren im oberschwäbischen Aulendorf auf die Hochphase der schwäbisch-alemannischen Fasnacht vor. Unter welchen Bedingungen gefeiert werden kann, erfuhren die Narren aber sehr kurzfristig aus Stuttgart - fünf Tage vor dem Start in Aulendorf mit einer Maskenbeschwörung am Mittwochabend (23. Februar). Zur Unklarheit hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) - nach eigener Aussage "leidenschaftlicher Fastnachts-Narr" - zuletzt seinen Teil beigetragen.

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Nachdem er in der vergangenen Woche zunächst erklärt hatte, Fastnachtsumzüge würden nicht erlaubt sein, betonte er einen Tag später im Landtag: "Veranstaltungen zur Pflege des örtlichen Fasnet-Brauchtums sind in Absprache mit den zuständigen Behörden unter der 3G-Regel möglich." Die Reaktionen der Narren auf diese Ankündigung fielen in etwa so unterschiedlich aus wie die Aussagen Kretschmanns selbst.

Region Stuttgart: Närrinnen und Narren von Neuhausen bis Bad Cannstatt

Fasnet könne man nicht aus dem Kalender streichen, sagte Roland Witt, Präsident des Narrenbundes Neuhausen (Landkreis Esslingen), "da steht ja auch Weihnachten und Ostern drin und so ist es auch mit der Fasnet". Also werden die Waschlappen-Glunker aus Neuhausen am Schmutzigen Donnerstag um 4:30 Uhr durch die Straßen ziehen und die Menschen wecken. Große Veranstaltungen mit Publikumsverkehr werde es aber nicht geben. Auch in Bad Cannstatt (Stuttgart) fallen das große Kübelesrennen und der Kinderumzug aus, das traditionelle Brunniwecken wurde im Januar kurzerhand aufs Feld verschoben.

Stuttgart

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Region Ulm: Närrinnen und Narren von Gmünd bis Munderkingen

Im Ostalbkreis und im Alb-Donau-Kreis hatten die Zünfte ihre Veranstaltungen und Umzüge bereits abgesagt oder online für Ersatz gesorgt. Die Kehrtwende am vergangenen Donnerstag ließe nun zwar Umzüge zu - die Zünfte bleiben aber bei ihren Plänen, also vorsichtig. Der organisatorische Aufwand wäre einfach zu groß. Und auch die Frage, wie 3G-Kontrollen bei einem Fastnachtsumzug geregelt werden sollen, ist nicht einfach zu beantworten. Ein "bissl baff" sei er gewesen, sagte etwa der Präsident der Schwäbisch Gmünder Fasnet, Eberhard Kucher, dem SWR, als er erfahren habe, dass ein Umzug jetzt doch möglich sei. "Es ist keine Veranstaltung, die man g'schwind ab- und zusagen kann. Es geht um eine Tradition, bei der man nichts dem Zufall überlassen kann." Er frage sich, was sich die Politiker manchmal so denken. Auch in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) wird es keinen Umzug geben. Der historische Brunnensprung soll aber unter Auflagen stattfinden.

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Region Karlsruhe: Närrinnen und Narren von Rastatt bis zum Enzkreis

Auch in Rastatt, Karlsruhe oder im Enzkreis wird es keine großen Veranstaltungen geben. Ein paar Fastnachtsevents finden aber trotzdem statt. In Bühl (Kreis Rastatt) werden die Bühler Hexen ihr Unwesen treiben, in Waldbronn (Kreis Karlsruhe) gibt es erst Sekt vom scheidenden Bürgermeister und dann digital seine "Entmachtung". In Iffezheim soll am Fastnachtssonntag ein Umzug mit 1.300 Männern und Frauen im Häs stattfinden. Es gilt 2G-Plus und Zuschauerinnen und Zuschauer haben feste Plätze auf einer Tribüne.

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Rhein-Neckar-Region und Odenwald: Närrinnen und Narren von Mannheim bis Buchen

Der große gemeinsame Fasnachtsumzug mit Ludwigshafen mit bis 250.000 Besucherinnen und Besuchern wird 2022 nicht stattfinden. Das hatten die Zünfte schon im November bekannt gegeben. Ihre Hoffnungen liegen auf dem gemeinsamen Narrenumzug 2023 in Mannheim. Die beiden Nachbarstädte wechseln sich seit Jahren mit den Fasnachtsumzügen ab. In Heidelberg hat man sich für eine Online-Fastnachtsshow entschieden. Unter dem Motto "Wir sind mit Humor geimpft" gibt es am Fastnachtssamstag (26. Februar) ab 19:11 Uhr einen Livestream der Aufführung.

Auch im Odenwald fällt ein Klassiker flach: Die Buchener Faschenacht wird es 2022 wieder nicht in gewohnter Form geben. So wird kein Ausscheller den Start der tollsten Tage in der ganzen Stadt verkünden und auch eine offizielle Ausgrabung der Faschenacht findet nicht statt. Die Kolping-Faschenacht zieht ins Internet um. Allerdings bieten etliche Lokale in den Buchener Altstadtgassen Außenbewirtung unter Corona-Regeln an.

Ludwigshafen

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Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Region Tübingen: Närrinnen und Narren in Neckar-Alb und Nordschwarzwald

In Rottweil bastelten die Verantwortlichen in kürzester Zeit ein Konzept zusammen, um am Fastnachtsmontag und -dienstag ihre traditionellen Narrensprünge veranstalten zu können. Teile der Innenstadt sollen abgesperrt, die Zugänge durch einen Sicherheitsdienst kontrolliert werden. Besucherinnen und Besucher sowie Närrinnen und Narren müssen nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sowie negativ auf das Coronavirus getestet worden sind. Trotz der Auflagen ist das Interesse laut Stadtsprecher Tobias Hermann enorm: Am Montag, dem ersten Tag im freien Verkauf, seien sämtliche Karten für die beiden Umzüge mit je höchstens 4.500 Zuschauern ausverkauft gewesen. Anderswo lässt sich die Innenstadt für Umzüge mit Zugangskontrollen dagegen nicht so leicht absperren. In Rottenburg am Neckar (Kreis Tübingen) wurde deshalb eine Fasnetsarena am Marktplatz eingerichtet, wo 400 Zuschauerinnen und Zuschauer unter 2G-Bestimmungen erlaubt sind. In Hechingen (Zollernalbkreis) gibt es einen Fasnets-Drive-In inklusive frisch gebackener Fasnetsküchle durch das Autofenster.

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Südbaden: Närrinnen und Narren vom Schwarzwald bis Villingen-Schwenningen

Zugangskontrollen und Zäune - bei den Narren in Schramberg im Schwarzwald stößt diese Vorstellung auf wenig Begeisterung. Die "Da-Bach-na-Fahrt", bei der sich wagemutige Narren in Zubern normalerweise vor tausenden Zuschauern den Kirchbach hinuntertreiben lassen, falle deshalb erneut aus, sagte Zunftmeister Tobias Dold. "Wir wollen nichts Abgesperrtes." Große Massen könne man sich zur Fastnacht ebenfalls nicht vorstellen, stattdessen werde man in kleineren Runden feiern - und nicht öffentlich dafür werben. In Freiburg hab die Närrinnen und Narren den traditionellen Rathaussturm bereits eine Woche im Voraus abgedreht. Er wird als Video am Schmutzigen Donnerstag (23. Februar) online gezeigt.

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Bodensee und Oberschwaben: Närrinnen und Narren von Konstanz bis Ravensburg

In Weingarten (Landkreis Ravensburg) sollen die Narren am Fastnachtssonntag (27. Februar) nicht durch Straßen und Gassen ziehen, sondern über die Aschebahn des örtlichen Fußballstadions. Bis zu 1.500 Zuschauer dürften so den "Narrenmarsch" hinter dem Geländer verfolgen, sagte die Pressesprecherin der Plätzlerzunft Altdorf-Weingarten, Bettina Haider. "So gibt es eine kleine närrische Meile, im Stadion können wir die Zugangskontrollen gewährleisten."

In Ravensburg will die lokale Schwarze Veri Zunft traditionsgemäß durch die Innenstadt ziehen. Auch in Konstanz hält man es so, will aber auf größere Züge verzichten, so die Blätzlebuebe. Kleinere Bräuche wie das Wecken der Narren oder das Laternenfest am "Schmutzigen Donnerstag" sollen demnach mit 2G-Regeln stattfinden. Die Stadt Konstanz sieht die Veranstaltungen kritisch, rechnet aber damit, dass viele Menschen sich das Feiern in diesem Jahr nicht nehmen lassen. Deshalb werde die Einhaltung der Corona-Verordnung verstärkt kontrolliert, so ein Sprecher der Stadt.

Fastnacht mag anders werden - aber "echt" soll sie sich anfühlen

In einem sind sich viele Narren aber einig: Die Fastnacht mag anders werden als vor Corona, eine "echte" wird es dennoch. "Man merkt schon, dass sich die Leute darauf freuen, mal wieder Leute im 'Häs' zu sehen", sagte der Zunftmeister Roland Scherer von den Konstanzer Blätzlebuebe über die Aussicht auf Narren-Kostüme in den Straßen.

"Es fühlt sich wie echte Fasnet an", sagte auch der Aulendorfer Zunftmeister Florian Angele. Verhindern lasse sich die Fastnacht ohnehin nicht: "Das ist ein Fest, das sich das Volk nimmt." Deshalb sollten auch am Mittwochabend in Aulendorf bei Feuerschein und Tanz wieder die Masken beschworen und danach am Rathaus das Regiment über die Stadt eingefordert werden - wenn auch mit Zäunen und Kontrollen.

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