Der Daimler-Stern auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof zusammen mit einer Abgas-Messstation (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Aktionäre haben es in der Hand

Hauptversammlung in Stuttgart: Daimler will sich aufspalten

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Daimler entlässt die Nutzfahrzeugsparte in die Unabhängigkeit. Damit geht im Konzern eine Ära zu Ende. Management und Aktionäre setzen große Hoffnungen in die Spaltung.

Was hat der Konzern genau vor?

Aus eins mach zwei - das ist der Kern des Plans, der bei Daimler den Codenamen "Fokus" trägt: Die Nutzfahrzeugsparte von Daimler soll aus dem Konzern herausgelöst und als eigenständiger Betrieb an der Börse platziert werden. In Zukunft soll es also nicht mehr die eine Daimler AG geben, sondern zwei Unternehmen: die Mercedes Benz Group AG für Autos und Vans und die Daimler Truck AG für Lkw und Busse. Beide Unternehmen sollen unabhängig voneinander an der Börse gelistet sein.

Der Plan soll den Aktionärinnen und Aktionären am 1. Oktober 2021 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Sollten sie, wie allgemein erwartet, zustimmen, soll die Trennung in den kommenden Monaten vollzogen werden. Noch vor Weihnachten könnte Daimler Trucks an die Börse gebracht werden. Den genauen Zeitpunkt hat der Konzern noch nicht mitgeteilt. Im kommenden Februar soll die bisherige Dachmarke "Daimler AG" dann für immer erlöschen. Von diesem Zeitpunkt an würde der traditionsreiche Name für die Pkw mit dem Stern also keine Rolle mehr spielen.

Ein elektrisch betriebener Mercedes Concept EQ steht am 29.03.2017 in Berlin während der Hauptversammlung der Daimler AG auf einem Podium.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Soeren Stache/dpa | Soeren Stache)
Auf einer außerdordentlichen Hauptversammlung soll die Daimler-Spaltung beschlossen werden. picture alliance / Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Zum großen Stühlerücken an der Spitze soll die Aufspaltung dagegen nicht führen: Vorstandsvorsitzender der neuen Mercedes Benz Group AG soll der amtierende Daimler-Chef Ola Källenius werden, bei Trucks soll Martin Daum das Ruder übernehmen, der aktuell bereits das Nutzfahrzeuggeschäft bei Daimler leitet.

Was sind die Gründe für die Trennung?

Das wesentliche Argument von Management und Aufsichtsrat lautet: Die beiden Geschäftsfelder, also Auto auf der einen und Lastwagen auf der anderen Seite, haben unterschiedliche Kunden. Auch die technologischen Entwicklungen gehen in verschiedene Richtungen: Für die Autos setzt Daimler auf Fahrzeuge mit Batterie, bei den Lkw vor allem auf die Brennstoffzelle. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die beiden Unternehmensbestandteile als Einzelunternehmen schneller und flexibler werden - und damit erfolgreicher handeln können.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Sie sollen in Zukunft in verschiedenen Unternehmen arbeiten - rechtlich, aber auch räumlich: Die neue Zentrale von Daimler Trucks soll in Leinfelden-Echterdingen sein, Hauptsitz der Mercedes Benz AG bleibt Stuttgart-Untertürkheim. Wie stark die Folgen für die Beschäftigten im Einzelnen sind, hängt vor allem von deren Funktion im Unternehmen ab:


Für die Mitarbeitenden der Produktion - in Untertürkheim, in Sindelfingen, Rastatt oder Gaggenau zum Beispiel - ändert sich vergleichsweise wenig. Diese Beschäftigten sind schon derzeit klar dem Lkw oder Pkw-Geschäft zugeordnet - je nachdem, was in ihrem Werk hergestellt wird. Anders ist die Lage für die Mitarbeitenden in der Verwaltung, im Personalbereich zum Beispiel: Hier gibt es Beschäftigte, die bislang beiden Unternehmensbereichen zugearbeitet haben. Diese werden jetzt "aufgeteilt", gehören also künftig nur noch zu Mercedes Benz oder Daimler Truck.

An den Vertragskonditionen ändert sich für diese Leute allerdings nichts. Das trifft sowohl auf das Gehalt zu als auch auf die Jobgarantie, die Daimler bis 2030 allen Beschäftigten zusichert. Auch bei einem weiteren sensiblen Thema soll es erst mal wenige Änderungen geben: Wenn der Konzern Mitarbeitenden einen Dienstwagen stellt, soll es auf Wunsch auch bei Daimler Truck weiter ein Mercedes sein.

Die Beschäftigten insgesamt können von der Aufteilung profitieren, meint Ergün Lümali, Betriebsratschef des Sindelfinger Werkes und künftig Betriebsratschef des eigenständigen Pkw-Herstellers Mercedes Benz:

"Wir sehen da durchaus Möglichkeiten, die Transformation besser und effizienter zu gestalten. Aber wir erkennen auch die Befürchtungen. Und deshalb konnten wir erreichen, dass Themen wie die Zukunftssicherung 2030, also der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen, für beide Unternehmen weiterlaufen. Die Altersversorgung ist für beide abgesichert, die Tarifverträge, die Gesamtbetriebsvereinbarungen werden auch in Zukunft für beide weiterhin gültig sein."

Was haben Aktionärinnen und Aktionäre von dem Deal?

Mit dem Spaltungsplan will das Management von Daimler auch einen Mehrwert für die Anteilseignerinnen und Anteilseigner schaffen: Wenn die Abspaltung beschlossen wird, sollen sie zusätzliche Aktien erhalten. Auf zwei Aktien von Daimler legt der Konzern eine weitere des Truckherstellers obendrauf.

Und auch aus einem weiteren Grund könnte die Spaltung für die Anlegerinnen und Anleger interessant sein: Viele hoffen, dass Daimler mit zwei eigenständigen Konzernen an der Börse höhere Kurszuwächse erzielen kann als es derzeit mit nur einem Unternehmen möglich ist.

Über die Börsenanteile sollen die beiden Konzerne übrigens zumindest teilweise miteinander verbunden bleiben: Die derzeitigen Anteilseigner von Daimler sollen nämlich nur zu 65 Prozent an Daimler Trucks beteiligt sein - 35 Prozent der Aktien bleiben im Besitz des künftigen Pkw-Konzerns.

Warum wird der Pkw-Bereich umbenannt - er könnte doch einfach weiter "Daimler" heißen?

Dahinter steckt vermutlich der Gedanke, dass die Marke Mercedes in vielen Teilen der Welt bekannter ist als der Konzern, der dahinter steckt. Das Auto mit dem Stern heißt nun mal in aller Welt "Mercedes". Die Namensänderung führt auch dazu, dass an der Börse künftig eine Aktie gehandelt wird, die so heißt wie das Produkt, das alle kennen: die Mercedes-Benz-Aktie.

Und was ist mit dem Stern?

Der Mercedes-Stern wird das Markenzeichen beider Unternehmen bleiben. Er soll also weiterhin auf Autos und Lastwagen zu sehen sein.

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