ARCHIV - ILLUSTRATION - 12.07.2014, Bayern, Kaufbeuren: Ein Mann arbeitet an der Tastatur eines Laptops. (zu dpa "Strobl für Rechtsgrundlage für computergenerierte Missbrauchsbilder" vom 07.09.2018) Foto: Karl-Josef Hildenbranddpa (Foto: dpa Bildfunk, Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Politik und Wirtschaft diskutieren über Cybersecurity

BW-Innenminister Strobl kämpft für mehr Sicherheit im Netz

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Thomas Strobl (CDU) wirbt bei Vertretern aus der Wirtschaft für mehr "Cybersicherheit". Wegen des Kriegs in der Ukraine bekommt das Thema noch mehr Brisanz.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie wichtig auch der Schutz eines Staates auf digitaler Ebene ist. Deshalb will Baden-Württemberg hier investieren. Um also das Thema Cybersicherheit voranzutreiben, hat sich der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Mittwochvormittag in Stuttgart mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft getroffen. Dabei bekräftigte er seine Forderung nach höheren Investitionen in Cybersicherheit und warb für digitale Souveränität. "Wir müssen auch im Netz wehrhaft sein und uns verteidigen können", sagte er auf dem Cybersicherheitsforum in Stuttgart, das von seinem Ministerium veranstaltet wurde.

Mangel an Fachleuten für IT-Sicherheit

Landesverteidigung finde heute nicht mehr nur territorial statt, sagte Strobl mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Strobl hatte erst kürzlich mehr Geld für die Cyberabwehr gefordert. Außerdem fehlen Fachleute, die sich um Schutzmaßnahmen kümmern. Deshalb kooperiert Baden-Württemberg seit Herbst 2021 mit der Dualen Hochschule Heilbronn und der Energie Baden-Württemberg, um Cybersicherheits-Expertinnen und -Experten auszubilden.

Bei der Veranstaltung verlieh Strobl mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) auch den Sicherheitspreis Baden-Württemberg. Mit diesem zeichneten sie besondere Projekte aus, "die auf beispielhafte Weise die betriebliche Sicherheit und insbesondere den Schutz des Know-how zum Ziel haben", sagte Strobl. Mit dem ersten Platz wurde das Familienunternehmen Pilz aus Ostfildern (Kreis Esslingen) ausgezeichnet. Das Unternehmen aus der Automatisierungsbranche war laut einer Mitteilung 2019 Opfer eines schwerwiegenden Cyberangriffs geworden. Demnach seien Daten auf Servern und Rechenzentren weltweit verschlüsselt worden, um Lösegeld vom Unternehmen zu erpressen. Auf die Forderungen der Erpresser ging das Unternehmen jedoch nicht ein und investierte stattdessen 5,7 Millionen Euro, um die IT-Arbeitsumgebung wieder aufzubauen.

Protraitbild von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Bernd Weißbrod/dpa (Archivbild))
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), der auch für die Digitalisierung zuständig ist, fordert Investitionen in die Cybersicherheit. picture alliance/Bernd Weißbrod/dpa (Archivbild)

Cyberspionage: Mehr als 220 Milliarden Euro Schaden im Jahr

Der Krieg in der Ukraine mache die Welt auch im Netz verwundbarer, so Strobl. Er befürchtet russische Hackerangriffe, beispielsweise auf die kritische Infrastruktur. Dafür lägen den Behörden konkrete Hinweise vor. Um die Sicherheit von digitalen Systemen zu garantieren, müsse hier auch mehr investiert werden, so Strobl.

Was wir über die Rolle von Cyberattacken im Ukraine-Krieg wissen:

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Der deutschen Wirtschaft entsteht laut Innenministerium durch Cyberspionage und Sabotage im Internet ein Schaden von mehr als 220 Milliarden Euro jährlich. Im Jahr 2021 gab es knapp 11.000 Fälle allein in Baden-Württemberg.

Verfassungsschutz: Bedrohung nimmt zu

Mit Cyberattacken rechnet laut SWR-Informationen auch der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg. Die Behörden in Baden-Württemberg nehmen die Bedrohung durch Cyberangriffe sehr ernst, hieß es bereits Anfang März dieses Jahres.

Baden-Württemberg

Russland-Ukraine-Krieg Zunahme russischer Hacker-Angriffe auch in Baden-Württemberg wahrscheinlich

Wegen des Krieges in der Ukraine befürchten Experten eine Zunahme von russischen Cyberangriffen. Damit rechnet laut SWR-Informationen auch der Verfassungsschutz in BW.  mehr...

Der baden-württembergische Verfassungsschutz sprach dabei von einer erhöhten Gefährdungslage und hat deshalb proaktiv Kontakt zu wichtigen Unternehmen im Land aufgenommen. Man unterstütze die Unternehmen mit sicherheitsrelevanten Informationen, um Hackerangriffe und Cybersabotage zu verhindern, hatte das Innenministerium im März auf SWR-Anfrage mitgeteilt. Neben großen Unternehmen wird auch die kritische Infrastruktur in den Blick genommen, um IT-Angriffe auf das Stromnetz oder das Gesundheitswesen frühzeitig zu erkennen.

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