Gestelltes Foto wie eine junge Erwachsene geimpft wird (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Debatte um Impfpriorisierung

Impfung gegen das Coronavirus: Weiter hohe Hürden für Schwangere

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Schwangere können sich gegen das Coronavirus impfen lassen - vorausgesetzt ein Arzt ist bereit dazu. Das Risiko müssen sie oft selbst tragen, trotz angepasster Stiko-Empfehlung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat kürzlich ihre Impfempfehlung für Schwangere angepasst. So wird die Corona-Schutzimpfung nicht nur wie bisher für schwangere Risikopatientinnen empfohlen, sondern auch für Schwangere mit "einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände" - also, wenn sie ein erhöhtes Risiko haben, dem Virus ausgesetzt zu sein. Die Entscheidung, ob sie geimpft werden, liegt nun bei den Ärztinnen und Ärzten, das Risiko häufig bei den Frauen selbst. Denn in eine der drei Priorisierungsgruppen werden sie nicht aufgenommen.

Keine Termine beim Impfzentrum - Schwangere haften selbst

"Wäre das der Fall, dann würde für alle Klarheit bestehen und auch eine Rechtssicherheit bestehen und dann wäre der Fall eindeutig", kritisiert Daniel Steinmann von der Universitätsklinik Freiburg am Mittwoch. Die Situation sei sehr unbefriedigend. Beim Impfzentrum Freiburg wurden Schwangere und Stillende etwa abgewiesen. Für die Südbadenerin Clara Steinbrück bedeutet dies, dass sie eine Praxis finden muss, in der sie geimpft werden kann. Doch dann müsste die Schwangere unterschreiben, dass sie für mögliche Folgeschäden durch die Impfung selbst aufkommt.

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Doch nicht nur Schwangere stehen weiter vor großen Problemen, wenn sie einen Impftermin bekommen möchten, auch für Stillende ist die Situation schwierig. Nachdem die junge Mutter Celina Jehle beim Impfzentrum in Freiburg abgewiesen wurde, versuchte sie mit ihrem Mann Thomas, bei ihren Hausärzten einen Termin zu bekommen - vergebens. Ihnen sei gesagt worden, "dass es am impfenden Arzt selbst liegt, ob er das macht oder nicht", berichtet Thomas Jehle. Und in Freiburg würde keine Ärztin und kein Arzt seine Frau impfen, solange sie stillt.

Stiko-Chef: "Daten sind völlig unzureichend"

Doch warum gibt es keine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission? "Weil die Daten für eine Stiko-Empfehlung schlecht und eigentlich immer noch völlig unzureichend sind", erklärte der Ulmer Virologe und Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Donnerstag dem "ARD Mittagsmagazin". Die Datenmenge reiche momentan schlicht nicht für eine Empfehlung aus. "Die Stiko hat das in die Hand der Schwangeren gelegt. Wenn eine Schwangere geimpft werden möchte, dann ist das jetzt möglich", betonte Mertens.

Die Ständige Impfkommission #Stiko hat ihre Impfempfehlungen für #Schwangere geändert: Anders als bislang befürwortet sie diese jetzt, nach Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung. #mittagsmagazin @DasErste https://t.co/nBbLUilTSR

Dieser Sichtweise widerspricht der Berufsverband der Frauenärzte. "Da die Haftung im Falle eines Zwischenfalls immer noch ungeklärt ist, werden Schwangere nur in Einzelfällen geimpft", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring. Von der Stiko gebe es keine Vorgaben, was unter einem solchen "erhöhten Expositionsrisiko" zu verstehen sei. Albring betonte, es könne "nicht Aufgabe der niedergelassenen Ärzte sein, bei all ihren Schwangeren, die fast alle sehr gern und dringend geimpft werden möchten, jetzt dieses Risiko zu beurteilen".

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