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Baden-Württemberg macht Fortschritte bei den Corona-Impfungen, im Bundesvergleich geht es aber immer noch langsam voran. Wer darf sich aktuell schon impfen lassen und welche Impfstoffe werden verabreicht? Ein Überblick.

Wie steht Baden-Württemberg im Bundesvergleich da?

Täglich werden tausende Menschen im Land gegen das Coronavirus geimpft. Doch im Vergleich zu den anderen Bundesländern liegt Baden-Württemberg im unteren Mittelfeld: 5,1 Prozent pro 100.000 Einwohner haben laut Robert-Koch-Institut (RKI), Stand Mittwoch (3.3.2021), mindestens eine Erstimpfung erhalten - beim Spitzenreiter Thüringen sind es 5,9 Prozent. Vollständig geimpft sind im Land inzwischen 2,6 Prozent pro 100.000 Einwohner. Hier steht Rheinland-Pfalz mit 3,4 Prozent an der Spitze.

Aktuelle Impfzahlen im Bundesvergleich

In den absoluten Zahlen liegt Baden-Württemberg aktuell (Stand 3.3.2021) auf Platz drei - hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern:

Wer kann sich aktuell Impfen lassen?

Da zu Beginn nur eine begrenzte Anzahl von Impfdosen zur Verfügung steht, wird schrittweise geimpft. Damit zunächst Menschen geschützt werden, die das höchste Risiko haben, hat die Ständige Impfkommission (STIKO) beim RKI drei Priorisierungsgruppen empfohlen. Daraus sind aktuell diese Personen berechtigt:

In der ersten Priorisierungsgruppe können sich diese Personen impfen lassen:

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, die in einem Senioren- oder Altenpflegeheim wohnen. Die mobilen Impfteams in Baden-Württemberg suchen die Heime auf, um die Bewohnerinnen und Bewohner zu impfen.
  • Personen, die in der ambulanten oder stationären Altenpflege tätig sind.
  • Personen, die in einer medizinischen Einrichtung mit hohem Ansteckungsrisiko arbeiten (etwa in der Notaufnahme oder in der Betreuung von Covid-19 Patientinnen und Patienten).
  • Personen, die bei der Arbeit Kontakt zu sehr verletzlichen Gruppen haben (etwa auf Krebsstationen).

Zusätzlich können sich in Baden-Württemberg aktuell diese Personen im Alter von 18 bis einschließlich 64 Jahre aus der zweiten Priorisierungsgruppe impfen lassen (Stand 26.2.2021):

  • Beschäftigte in Kitas, Horten und Schulen. Sie wurden in die zweite Priorisierungsgruppe hochgestuft.
  • Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht. Das sind zum Beispiel Personen nach Organtransplantation, mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung.
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer zuhause betreuten, pflegebedürftigen Person oder einer schwangeren Person.
  • Personen, die in Obdachlosenunterkünften oder Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern untergebracht oder tätig sind.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig oder psychisch behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Risiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind, etwa in Testzentren.
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die etwa bei Demonstrationen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Weitere Details zu den berechtigten Impfgruppen gibt es auf der Internetseite des Sozialministeriums.

Darüber hinaus forderte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), auch ältere Lehrerinnen und Lehrer ab 65 Jahren möglichst schnell gegen das Coronavirus zu impfen.

Wie kann man einen Termin machen?

Wer sich in einem der Impfzentren im Land gegen das Coronavirus impfen lassen will, muss dafür einen Termin vereinbaren. Dies kann telefonisch über die zentrale Telefonnummer 116 117 erfolgen. Dort bekommt man gleichzeitig die Termine für Erst- und Zweitimpfung im selben Impfzentrum. Daneben können die Termine auch online über die zentrale Anmeldeplattform vereinbart werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man eine eigene E-Mail-Adresse sowie die Möglichkeit hat, eine SMS zu empfangen.

Seit dem 8. Februar 2021 können sich Impfberechtigte auch auf eine Warteliste setzen lassen, wenn zum Zeitpunkt ihres Anrufs alle verfügbaren Termine vergeben sind. Daneben können sich mehrere Personen gleichzeitig anmelden - beispielsweise Eheleute oder Bewohnerinnen und Bewohner einer Senioren-Wohngemeinschaft.

Welche Impfstoffe kommen zum Einsatz?

Zuerst wurde in Deutschland der mRNA-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer zugelassen. Er wird mit zwei Impfstoffdosen pro Person im Abstand von 21 Tagen verabreicht. Biontech liegt insgesamt bei einem 95-prozentigem Immunschutz nach der zweiten Impfung - über alle Altersgruppen gemittelt. Das hat das "New England Journal of Medicine" im Dezember berichtet.

Im Januar wurde als zweiter Corona-Impfstoff ein Produkt des US-Pharmakonzerns Moderna zugelassen. Der Impfstoff von Moderna liegt bei insgesamt 94 Prozent - nach der zweiten Impfung und über alle Altersgruppen gemittelt. Wie der Biontech-Impfstoff muss auch dieser mRNA-Impfstoff in zwei Impfungen verabreicht werden.

Als dritter zugelassener Impfstoff kommt nun auch das Produkt von Astrazeneca zum Einsatz. Aufgrund der Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird es nicht bei älteren Menschen eingesetzt. Mit ihm können Menschen der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahre geimpft werden.

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Anfängliche Skepsis gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca scheint verflogen. In Baden-Württemberg ist die Nachfrage groß. Die Möglichkeit für Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte, sich mit diesem Vakzin impfen zu lassen, wird bereitwillig angenommen. Impfwillige können sich derzeit nicht aussuchen, welches Medikament gespritzt wird. Das RKI erwartet, dass im Jahr 2021 noch weitere Impfstoffe zugelassen werden. So rechnet das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac im zweiten Quartal mit einer Zulassung seines Corona-Impfstoffs. Zudem will die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in der zweiten März-Woche über die Zulassung des Corona-Impfstoffs des US-Herstellers Johnson und Johnson entscheiden.

Wie viel Impfstoff gibt es?

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden vom Biontech/Pfizer-Impfstoff bislang etwas mehr als eine Million Dosen an Baden-Württemberg ausgeliefert. Obwohl bislang als letztes zugelassen, steht das Mittel von Astrazeneca mit knapp 400.000 Dosen an zweiter Stelle. Vom Moderna-Impfstoff hat das Land bis Ende Februar 90.000 Dosen erhalten.

Bis Ende März kann Baden-Württemberg den Angaben zufolge mit weiteren knapp 600.000 Dosen des Biontech-Impfstoffs rechnen. Von Astrazeneca kommen 350.000 und von Moderna sind im März 145.000 Dosen zu erwarten.

Wo kann man sich impfen lassen?

Impfen lassen kann man sich in den jeweiligen Zentralen Impfzentren und Kreisimpfzentren in Baden-Württemberg.

Zudem will das Sozialministerium mobile Impfteams in die Kommunen schicken, um in der Mobilität eingeschränkte Menschen über 80 Jahre dort vor Ort gegen Corona impfen zu lassen. Dieses Angebot sei eine Ergänzung zur etablierten Struktur der Impfzentren, teilte das Ministerium am Mittwoch (3.3.2021) mit. Erste Kommunen wollen dazu Pilotprojekte umsetzen. Dadurch verkürzten sich für viele Bürger die Wege zur Impfung deutlich. Bislang sind die mobilen Teams nur in Alten- und Pflegeheimen unterwegs. Hier seien viele Erstimpfungen abgeschlossen und Zweitimpfungen terminiert.

Wenn genügend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung steht, sollen die Impfungen später im Jahr auch beim Hausarzt verabreicht werden. Wann genau, ist noch unklar. Ein weiterer Grund, warum man die Corona-Impfung bisher nicht beim Hausarzt bekommen kann, ist, dass manche Impfstoffe im Ultra-Tiefkühl-Temperaturbereich (-75°C) gelagert werden müssen.

Darüber hinaus ermöglichen die Impfungen in den speziell eingerichteten Impfzentren eine zeitnahe Impfung von vielen Menschen und gleichzeitig auch eine bessere Überwachung der neuartigen Impfstoffe.

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