Aufgezogene Spritzen mit dem Wirkstoff von Biontech liegen auf einem Tablett.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Friso Gentsch)

Beschluss der Gesundheitsminister

Corona-Drittimpfungen und Angebot für Minderjährige kommen

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Die Entscheidung der Gesundheitsminister war einmütig: Die Auffrischimpfungen starten und auch 12- bis 17-Jährige bekommen ein Impfangebot. BW-Minister Lucha zeigte sich zufrieden.

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Angehörige von Risikogruppen, also ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, sollen ab September ihr dritte Impfung gegen Corona bekommen, um den Schutz vor dem Virus zu verstärken. Darauf haben sich die Gesundheitsminister und -ministerinnen der Länder am Montag geeinigt. In der Regel solle dies sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie geschehen, heißt es in dem Beschluss. Studien hätten gezeigt, dass der Infektionsschutz auch bei vollständig Geimpften allmählich nachlasse - gerade bei Hochbetagten, Pflegebedürftigen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Für dritte Impfung mRNA-Impfstoffe vorgesehen

Die Auffrischungsimpfungen sollen mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe erfolgen, also Biontech oder Moderna. Unerheblich sei dabei, mit welchem Impfstoff die Personen vorher geimpft worden seien, hieß es weiter. Das Angebot soll es in den Impfzentren der Länder, in Hausarztpraxen oder bei Betriebsärztinnen und Betriebsärzte geben. Es werde aber auch mobile Impfteams geben, sagte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) dem SWR. Er begrüßte die Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz.

Im Hinblick auf eine drohende vierte Welle hatte sich Lucha schon zuvor für Auffrischungsimpfungen ab September stark gemacht. Er hatte außerdem eine schnelle Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) gefordert. Bislang liegen der Stiko nach ihrer Einschätzung nicht die nötigen Daten vor, um Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen in Deutschland zu empfehlen. Patientenschützer fordern jedoch, bei den Planungen nicht zu warten.

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Impfangebot für Kinder ab 12 beschlossen

Außerdem beschloss die Gesundheitsministerkonferenz, dass nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auf andere Weise anbieten sollen. Dabei sei entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich. Außerdem sollen Kinder und Jugendliche auch durch Kinder- und Hausärzte sowie im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. Für Jugendliche und junge Erwachsene in Universitäten und Berufsschulen sind ebenfalls Impfangebote geplant.

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Stiko empfielt Impfung für Kinder bisher nicht

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Stiko die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Lucha steht hinter der Entscheidung

"Wir setzen uns nicht über die Stiko hinweg, sondern wir tun das, was geboten ist", sagte Lucha im Hinblick auf das Impfangebot für 12- bis 17-Jährige. Im sozialen Kontext von Schulen und Bildungseinrichtungen sei der Gesundheitsschutz auch für Kinder und Jugendliche hilfreich.

Wir sind von den Vorteilen überzeugt. Das ist ein Spielraum, den uns auch die Ständige Impfkommission lässt, den wir aktiv und offensiv umsetzen.

Stiko verteidigt Zurückhaltung bei Kinder-Impfung

Die Stiko bleibt trotz politischen Drucks bei ihrer Linie. Wie der Ulmer Virologe und Stiko-Chef, Thomas Mertens, im SWR sagte, sei es deutlich, dass die Impfung von Kindern für den gesamten Pandemie-Verlauf keine wesentliche Bedeutung habe. Sie trage kaum zur Herdenimmunität bei. Die Diskussion um die Impfung dieser Altersgruppe lenke vom eigentlichen Problem ab - nämlich "eine unbedingt erforderliche hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen", so Mertens. Dennoch geht der Ulmer Virologe davon aus, dass in den kommenden Tagen eine überarbeite Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige herausgegeben wird.

Bei einer Online-Diskussion mit der Ulmer CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer sagte Mertens am Montagabend jedoch, dass er nicht wisse wie diese ausfallen wird. Die Argumente der bisherigen Entscheidung werden demnach überprüft. Zudem müsse auch die Zulassung des Moderna-Impfstoffs für Jugendliche in die Entscheidung mit einbezogen werden. Zuvor hatte er auch dem SWR gesagt, dass die Stiko ihre Impflinie noch ändern könnte, "aber sicherlich nicht, weil Politiker sich geäußert haben".

Der Mainzer Kinderarzt Fred Zepp ist Mitglied der Stiko. Nach der Entscheidung hat er bei SWR Aktuell Baden-Württemberg erklärt, wie die Stiko aktuell über Corona-Impfungen bei Kindern denkt. Die Kommission sei generell für Impfungen, so Zepp. Man warte aber noch auf wichtige Daten.

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