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Nach der Schließung mehrerer Autofabriken in China wegen des Coronavirus haben BW-Hersteller mancherorts wieder die Produktion gestartet - aber nicht alle. Bei manchen Autobauern und Zulieferern stehen die Bänder weiterhin still.

Das Coronavirus hat auch Folgen für die Wirtschaft hierzulande - vor allem die Autoindustrie ist oft angewiesen auf Lieferanten und Produzenten in China. Der Autobauer Volkswagen (VW) beispielsweise bekommt die Folgen des Virus im Moment zu spüren: Das Unternehmen hat den für Montag geplanten Produktionsstart in einigen chinesischen Werken um eine Woche verschoben. VW teilte mit, es gebe Probleme in den Lieferketten und in der Logistik, dazu kämen die begrenzten Reisemöglichkeiten für Mitarbeiter. Bei VW steht China für gut 40 Prozent der Auslieferungen.

Bei anderen deutschen Autobauern läuft die Arbeit in den chinesischen Niederlassungen wieder an: Der Stuttgarter Autobauer Daimler zum Beispiel hat die Produktion in China seit dem 10. Februar schrittweise wieder aufgenommen. Aktuell sei auch die Lieferkette gesichert, sagte eine Daimler-Sprecherin dem SWR.

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche teilte auf SWR-Anfrage mit: Nach aktuellem Kenntnisstand spüre man derzeit glücklicherweise keine Auswirkungen des Coronavirus. 

China wichtig für deutsche Autobranche

Vor allem für die Autobranche ist China ein wichtiger Markt. Allein in der Provinz Hubei werden nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group fast zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr gefertigt. Das seien etwa acht Prozent der kompletten Autoproduktion Chinas. Das Land ist außerdem einer der größten Exporteure von Fahrzeugteilen. Die Beratungsgesellschaft warnt deshalb: Wenn die Produktion in China nicht läuft, könne das globale Folgen für Lieferketten haben.

Die Regierung in China wies Funktionäre vor Ort an, Betriebe wieder zum Laufen zu bringen. "Die örtlichen Verwaltungen werfen ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um Betrieben beim Öffnen zu helfen", berichtete der Präsident der US-Außenhandelskammer in Shanghai, Ker Gibbs.

Zahl der Coronavirus-Fälle übersteigt 71.000

Bis Montag sind weltweit mehr als 71.000 Infizierte mit dem zuerst in China entdeckten neuen Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet worden. Allein in China gab es bisher 1.770 Tote durch die Lungenkrankheit und 70.548 bestätigte Infektionsfälle im Kernland.

Dauer

Die meisten Todesfälle ereigneten sich in der Provinz Hubei, wo im Dezember der neue Virustyp zum ersten Mal entdeckt wurde.

Bei Autozulieferer laufen Bänder in China wieder

Beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen wird in fast allen chinesischen Werken wieder produziert - drei Werke sind noch geschlossen, zwei davon befinden sich nach Unternehmensangaben in der von dem Virus am stärksten betroffenen Region Hubei. Hier haben die chinesischen Behörden angeordnete, dass die Produktion nicht vor dem 21. Februar starten dürfe. Da ZF in China fast ausschließlich für den lokalen Markt produziert, seien Kunden außerhalb Chinas kaum betroffen.

Ähnlich ist es auch beim Autozulieferer Schaeffler: An allen zehn chinesischen Werken sei die Produktion mittlerweile wieder aufgenommen worden, erklärte ein Sprecher. Auswirkungen auf Werke in Deutschland, zum Beispiel auf den Standort in Bühl (Kreis Rastatt), gebe es bisher nicht.

Bei BASF sind Auswirkungen "begrenzt"

Der Chemie-Konzern BASF in Ludwigshafen erklärte: Trotz vereinzelter Rohstoffengpässe oder Lieferunterbrechungen seien sind die Auswirkungen auf die Produktion derzeit begrenzt. Der Mainzer Spezialglashersteller Schott hat die Produktion in den beiden Werken in China wieder aufgenommen.

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