STAND

Der baden-württembergische Umgang mit Großveranstaltungen sorgt für Kritik aus den Landkreisen. Zu schwammig und pauschal seien die Maßnahmen. Der Ministerpräsident weist das scharf zurück.

Die Empfehlung ist eindeutig, die Umsetzung dagegen nicht: Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern sollen vorsorglich abgesagt werden, rät Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dieser Empfehlung hat sich das Land Baden-Württemberg angeschlossen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Während andere Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen solche Großveranstaltungen schon verbieten, arbeitet Baden-Württemberg jedoch noch an einer entsprechenden Verordnung. Bis dahin bleibt es beim Appell an die Behörden vor Ort, die letztlich entscheiden müssen.

Die Empfehlungen seien allerdings zu schwammig und nicht nachvollziehbar, findet der baden-württembergische Landkreistag. Die Übertragung des Coronavirus lasse sich durch diese pauschalen Appelle kaum aufhalten, sagt der Präsident des Landkreistags Joachim Walter: "Ich frage mich, was wir Menschen antworten, die bei uns anrufen und sagen: Wir rechnen mit 980 Teilnehmern, was sollen wir machen?"

In der "Stuttgarter Zeitung" hatte der Geschäftsführer des Kommunalverbands, Alexis von Komorowski, sogar von einem "Überbietungswettbewerb im Einschränken" gesprochen und eine klare Linie gefordert. Man solle sich auf wirklich gefährdete Orte wie Krankenhäuser und Pflegeheime konzentrieren.

Kretschmann hat kein Verständnis für öffentliche Kritik

In einer Pressekonferenz am Dienstag verurteilte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die öffentliche Kritik scharf: "Öffentliche Äußerungen in einer Krise, die die oberen Verwaltungsbehörden massiv kritisieren, ohne die Grundlage dieser Kritik deutlich zu machen, geht überhaupt nicht", so Kretschmann. Das sorge lediglich für eine Verunsicherung der Bevölkerung und sei nicht zuträglich zur Lösung des Problems.

Als untere staatliche Verwaltungsbehörde seien die kommunalen Verbände Teil der staatlichen Verwaltung. Sie seien in entsprechenden Gremien vertreten und könnten Kritik und Anregungen dort jederzeit einbringen, erläuterte Kretschmann.

Kretschmann sieht das Ziel ebenfalls darin, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Bisher, so Kretschmann, sei das schon gut gelungen. Allerdings rechnet er damit, das die Zahl der Infektionen weiter steigen wird. Man stehe erst am Anfang der Ausbreitung, erklärte Kretschmann. Bislang gibt es 232 Fälle in Baden-Württemberg.

Lucha kündigt "Geisterspiele" an

Das Spiel des VfB Stuttgart gegen den Arminia Bielefeld fand trotz Spahns Forderung am Montagabend wie geplant statt. Lucha versicherte, dass diese Entscheidung gut durchdacht in Abstimmung mit dem VfB, der Stadt Stuttgart und dem Bundesgesundheitsminister gefallen war. Gleichzeitig kündigte er aber an, dass es Spiele mit einem so großen Publikum erst einmal nicht mehr geben werde.

"Das wird meines Erachtens das letzte Spiel in dieser Größenordnung für eine Zeit X gewesen sein."

Manfred Lucha (Grüne), Landesgesundheitsminister

Landesregierung beschließt weitere Maßnahmen

Die Landesregierung hat am Dienstag weitere Maßnahmen beschlossen, um das neuartige Coronavirus einzudämmen. So soll etwa in Bussen und Bahnen mit Aufklebern und Durchsagen auf Hygieneregeln hingewiesen werden. Außerdem sollen Rücklagen aus der Landeskasse freigegeben werden, um Schutzausrüstung für Ärzte und Pfleger zu kaufen oder Unternehmen zu helfen, die nun wirtschaftliche Einbußen haben.

Wie schütze ich mich? Wie ist die Lage in meinem Heimatort? Coronavirus: Alles Wichtige für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Coronavirus: Wie kann ich mich schützen? Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Hier finden Sie alles Wichtige für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz  mehr...

Fußball | 2. Bundesliga Fußball vor "rigorosem Cut": Vorerst letzter Jubel in Stuttgart

Über 54.000 Zuschauer geben dem Topspiel der 2. Liga zwischen Stuttgart und Bielefeld trotz Coronavirus einen würdigen Rahmen - wohl zum vorerst letzten Mal: Es kommt zu Geisterspielen.  mehr...

Die neuesten Entwicklungen 277 Corona-Fälle in Baden-Württemberg - Land will alle Großveranstaltungen untersagen lassen

Nach anderen Bundesländern will nun auch Baden-Württemberg Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen untersagen. Gesundheitsminister Lucha hat angekündigt, eine Verordnung auf den Weg zu bringen.  mehr...

Corona-Blog bis 16. März Rückblick: Das Coronavirus wandert um die Welt

Zuerst China, dann die ganze Welt: Das neuartige Coronavirus nahm seinen Anfang in Wuhan, breitete sich von dort rasch aus. Unsere Chronik beschreibt die Entwicklung seit Ende des Jahres bis zum 16. März 2020.  mehr...

STAND
AUTOR/IN