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Schleppend eintrudelnde Hilfsgelder, keine Öffnungsperspektive: Die Sorgenfalten bei vielen Unternehmern sind tief. Auch Händler in Baden-Württemberg drängen auf Lockerungen.

Martin Ruckh betreibt ein Schuhgeschäft in Ludwigsburg. In diesen Tagen bekommt er die Frühlingsmode geliefert. Und das ist in diesem Jahr ein Riesenproblem. Denn in seinem Lager türmen sich noch die Winterstiefel, die er wegen des Lockdowns in den vergangenen Wochen nicht verkaufen durfte. Sein Frust ist groß - und richtet sich auch gegen die Bundespolitik:

"Da haben die in Berlin glaube ich überhaupt keine Vorstellung, wie das in der Praxis in einem Einzelhandelsgeschäft überhaupt abläuft!"

Viele Einzelhändler im ganzen Land dürften ihren Blick heute nach Berlin richten. Denn dort hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zum Corona-Wirtschaftsgipfel eingeladen. Pandemiegerecht online, versteht sich. Mehr als 40 Verbände sollen mit dem Minister über die aktuelle Corona-Politik von Bund und Ländern beraten. Der Gipfel wurde teilweise schon im Vorfeld als "Trosttreffen" tituliert. Denn bei den wirklichen Problemen der Wirtschaft kann Altmaier den Wirtschaftsvertretern kaum Konkretes versprechen.

Wirtschaft fordert Öffnungsplan

Um die Prioritäten der Wirtschaft nochmal klar zu machen, hat die deutsche Industrie anlässlich des Gipfels ein Papier mit 20 Punkten zur Pandemiebekämpfung aufgelegt. Im Zentrum steht die Forderung nach einem einheitlichen Stufenplan mit klaren Kriterien, die festlegen, unter welchen Umständen die Wirtschaft wieder öffnen kann.

Auch für Schuhhändler Martin Ruckh ist die Zwangschließung seines Ladens das wohl mit Abstand größte Problem. Dass nun bei der letzten Bund-Länder-Konferenz nun ausgerechnet die Friseure als einzige Branche eine Öffnungsperspektive bekommen haben, sorgt beim ihm für Kopfschütteln. Augerechnet ein Handwerk mit viel Körperkontakt soll nun also als erstes wieder arbeiten dürfen.

"Ich fände es schön, wenn es ein bisschen Gleichberechtigung gäbe."

Um durch die Lockdown-Durststrecke zu kommen, hat der Bund neue Hilfsprogramme aufgelegt. Doch die Praxis zeigt: Die Bearbeitung dauert zu lange, die Corona-Hilfen trudeln viel zu langsam ein. Auch in Baden-Württemberg. Bei der Überbrückungshilfe I und II wurden der landeseigenen L-Bank zufolge zwar mittlerweile 417 Millionen Euro ausbezahlt, 85 Prozent der beantragten Gelder. Bei den November- und Dezemberhilfen sind jedoch erst gut die Hälfte der beantragten Zuschüsse an die Unternehmen geflossen.

Wirtschaftshilfen kommen nur langsam an

Immer wieder hatten Wirtschaftsvertreter in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass die Gelder zu spät ausgezahlt würden - und die Beantragung viel zu kompliziert sei. In dasselbe Horn dürften sie heute auch nochmal in Gegenwart des Bundeswirtschaftsministers gestoßen haben. Peter Altmaier hat die Kritik an den Hilfen zumindest teilweise aufgenommen: Der hat heute auf dem Wirtschaftsgipfel angekündigt, die Überbrückungshilfe III auch auf größere Unternehmen auszuweiten, und einen Härtefallfond zu gründen.

Bei Martin Ruckh ist bisher kein einziger Euro an Hilfsgeldern angekommen. Das liege vor allem daran, wie die Unterstützung gestrickt sei: Die Beantragung der Hilfen sei viel zu kompliziert. Selbst sein Steuerberater sei von dem Procedere teilweise überfordert. Dabei könnte er das Geld gerade dringend brauchen. Zwar verkauft Ruckh weiter Schuhe, über seinen Onlineshop. Doch das ist mit einem hohen Aufwand verbunden - und kann die ausgefallenen Umsätze nicht kompensieren. Von der Politik wünscht sich der Schuhhändler daher vor allem eins: Dass er schnell sein Geschäft wieder öffnen darf.

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