Ärztinnen, Pflegerinnen und weiteres medizinisches Fachpersonal kümmern sich auf einer Intensivstation um einen Covid-19-Patienten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow; Symbolbild)

Sorge vor Überlastung der Kliniken

Corona-Lage in Baden-Württemberg verschärft sich - Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte drohen

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Die Zahl der Neuinfektionen im Land steigt weiter an. Aus Sorge vor einer Überlastung der Intensivstationen bereitet die Landesregierung weitere Einschränkungen für Ungeimpfte vor.

Das Corona-Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg nimmt weiter zu. Das Landesgesundheitsamt (LGA) meldete am Samstag (Stand: 16 Uhr) 1.436 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Vor einer Woche waren es noch 1.087 neue Fälle gewesen. Zwei weitere Menschen starben demnach im Zusammenhang mit ihrer Infektion. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 76,3 (Freitag: 71,8). Am Samstag vor eine Woche lag der Wert noch bei 46,6.

Die höchste Inzidenz hat der Stadtkreis Heilbronn mit 140,6. Das landesweit geringste Infektionsgeschehen herrscht derzeit im Kreis Emmendingen mit einer Inzidenz von 37,9. Die Inzidenzwerte sind inzwischen zwar nicht mehr so relevant für politische Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Der Anstieg macht aber deutlich, dass sich die Lage wieder verschärft.

Lage auf Intensivstationen gibt "Anlass zur Sorge"

Statt der Inzidenz zieht die Landesregierung nun vor allem die Belegung der Intensivbetten für die Bewertung der Lage heran. Die jüngste Entwicklung gebe Anlass zur Sorge, sagte Uwe Lahl (parteilos), Amtschef im Sozialministerium. "In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der belegten Intensivbetten mit Covid-Patienten von gut 50 auf etwa 100 gestiegen. Diese Entwicklung ist durch Nicht-Geimpfte verursacht."

Am Wochenende meldet das Landesgesundheitsamt zwar keine Zahlen über die Belegung der Intensivbetten, jedoch hatten die Behörden schon am Freitag 102 Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf baden-württembergischen Intensivstationen gezählt. "Wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind, erwägen wir, erste Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene zu erlassen", so Lahl. Nach Prognosen des Landesgesundheitsamts könnten diese Grenzwerte schon Ende kommender Woche überschritten werden.

Neue Corona-Verordnung mit Ampel-System geplant

Noch in der kommenden Woche will die Landesregierung deshalb eine neue Corona-Verordnung veröffentlichen, die Einschränkungen für Ungeimpfte per Ampel-System regelt. Bei 200 Corona-Intensivpatienten soll die Ampel auf gelb springen und erste Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte treten in Kraft. Bei mehr als 300 Covid-Patienten wäre die Ampel rot und damit die 2G-Regel in vielen Bereichen in Kraft. Das bedeutet, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt etwa zu Restaurants, Kinos oder Konzerten erhalten würden.

Für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, wie zum Beispiel Schwangere, soll es Ausnahmen geben. Noch ist das Modell nicht endgültig beschlossen, daher könnten sich Details auch noch ändern.

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"Sobald die Krankenhäuser Alarm schlagen, müssen wir handeln"

"Wir wollen Anfang September handlungsfähig sein. Sobald die Krankenhäuser Alarm schlagen, werden wir handeln müssen", kündigte der Amtschef des Gesundheitsministeriums, Lahl, an. Die Krankenhäuser könnten nicht mehr so belastet werden wie zu Zeiten der zweiten und dritten Corona-Welle im Januar und April. "Wir hatten zu Hochzeiten über 600 Intensivbetten belegt. Das war ein riesiger Kraftakt aller Beteiligten."

Ministerium: "Wir waren im Vorhof der Triage"

Lahl berichtete weiter: "Die Experten sagen uns, dass wir maximal 300 Intensivpatienten mit Covid-19 behandeln können." Hintergrund dafür sei: "Die über 600 waren unzumutbar und unerträglich. Wir waren im Vorhof von Triage. Wir waren kurz davor, die infizierten Patienten in andere Bundesländer auszufliegen." Bei Triage wird abgewogen, welche Patientin oder welcher Patient ein Intensivbett bekommt und welcher nicht.

Land hofft auf mehr Impfungen gegen Covid-19

Das Ministerium setzt darauf, dass die Impfbereitschaft noch stärker anzieht als zuletzt schon. "Ich gehe davon aus, dass sich im September noch viele Menschen impfen lassen", sagte Lahl. "Dann könnte die Quote der Geimpften innerhalb der impfbaren Bevölkerung, also ohne Kinder unter 12 Jahren, von jetzt etwa 68 Prozent auf dann etwa 78 Prozent steigen." Das würde bedeuten, dass von möglichen Einschränkungen ungefähr noch drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg betroffen wären.

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