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Die Lage in der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg bleibt angespannt. Aktuelle Daten zeigen auch: Immer häufiger sind junge Menschen von Virusvarianten betroffen.

Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner bleibt in Baden-Württemberg derzeit stabil. Laut aktuellen Daten des Landesgesundheitsamts (Stand: 16 Uhr) beträgt der Wert am Donnerstag 165,0. Noch am Vortag wurde der Wert mit 165,3 angegeben, am Donnerstag der vergangenen Woche mit 109,3. Baden-Württemberg liegt damit über dem Schnitt Deutschlands (160,1) - diesen hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagvormittag mitgeteilt.

Fast alle Landkreise über 100er-Grenze

Im Vergleich zu den Vortagen nur minimal verändert liegen 39 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg über einer Inzidenz von 100, acht über der 200er-Marke und zwei sogar über der 300er-Schwelle: der Stadtkreis Heilbronn (319,1) sowie der Landkreis Schwäbisch Hall (323,7). Die angekündigte "Notbremse" der Bundesregierung, die Baden-Württemberg bereits am Montag umsetzen möchte, würde entsprechend für die Regionen greifen. In zahlreichen der betreffenden Stadt- und Landkreise ist allerdings bereits unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft. In einigen Regionen mit einer Inzidenz über 200 stehen die angedachten Öffnungen von Schulen ab der kommenden Woche ebenfalls auf der Kippe.

Die Zahl der bestätigten Fälle seit Pandemiebeginn stieg am Donnerstag um 3.472 auf 400.029. 15 weitere Menschen starben an einer Infektion mit dem Coronavirus oder im Zusammenhang damit, die Zahl der Toten stieg damit auf 9.022. Laut Daten des Divi-Intensivregisters (Stand Donnerstag, 16 Uhr) sind 506 an Covid-19 erkrankte Menschen in Baden-Württemberg in intensivmedizinischer Behandlung (36 mehr als am Donnerstag vor einer Woche), davon werden 293 invasiv beatmet. Von 2.417 Intensivbetten seien derzeit 2.130 belegt (88,1 Prozent). Am Donnerstag der vergangenen Woche lag der Wert noch bei 90,5.

Der Inzidenz-Wert als Grundlage für Corona-Beschränkungen steht bereits seit längerer Zeit in der Kritik. Doch was bedeutet dieser Wert? Und welche Kritik äußern Virologen?

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Rufe nach schnellem und harten Lockdown werden lauter

Angesichts der deutschlandweit immer dramatischeren Lage in den Kliniken wird der Ruf nach einem schnelleren Lockdown lauter. "Wir müssen jetzt handeln, jetzt auf allen Ebenen, und natürlich auch besonders auf der Ebene der Entscheider", sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag in Berlin.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte, "dass ohne einen Stopp dieser Entwicklung unser Gesundheitssystem an den Rand seiner Kapazität gelangen wird". Die Länder sollten nicht bis zur geplanten Bundes-Notbremse warten. Die Intensivmediziner der Vereinigung DIVI forderten den Bundestag dazu auf, für diese Notbremse auf gewohnte Beratungs-Abläufe zu verzichten.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) äußerte angesichts der bevorstehenden Umsetzung der Notbremse im Land, dass man nicht auf den Bund warten wolle. "Wir müssen jetzt handeln. Jeder Tag zählt in der Pandemiebekämpfung", so der Grünen-Politiker.

Virusvarianten vor allem bei jüngeren Menschen

Immer rasanter verdrängen in Baden-Württemberg die ansteckenderen und gefährlicheren Corona-Varianten das ursprüngliche Virus. Laut Landesgesundheitsamt lag ihr Anteil in der vergangenen Kalenderwoche bei 93 Prozent, in der Woche davor bei 90 Prozent. Diese Werte stammen vom ALM, dem Verband der akkreditierten Labore in der Medizin.

Seit Dezember 2020 wurden dem Landesgesundheitsamt mehr als 54.000 Fälle mit Virusvarianten besonderer Bedeutung gemeldet. Besonders betroffen sind die mittleren Altersgruppen, aber auch in der jüngeren Bevölkerungsgruppe treten deutlich häufiger Virusvarianten auf. So wurden seit Dezember mehr Virusvarianten bei Kindern bis 9 Jahren nachgewiesen als bei Menschen ab 70 Jahren.

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