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Das baden-württembergische Sozialministerium ist wegen des Coronavirus' "in Alarmbereitschaft", auch das Gesundheitsamt und viele Kliniken sorgen vor. An der Uniklinik Heidelberg wünscht man sich mehr Besonnenheit.

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Nach Angaben des Heidelberger Uniklinikums vom Dienstag gab es zunächst einige Verdachtsfälle. Es handele sich um weniger als zehn Personen, die sich in den vergangenen Tagen vorgestellt hätten. Sie seien aus den betroffenen Regionen Chinas zurückgekommen und wurden getestet. Die Ergebnisse der molekular-biologischen Tests fielen allerdings negativ aus. "Wir wünschen uns Besonnenheit", sagte eine Kliniksprecherin. "Das neue Virus verunsichert, ist aber eines von vielen Viren, die im Umlauf sind."

Vier bestätigte Fälle in Deutschland

Das Coronavirus ist zum ersten Mal in China aufgetreten. In Deutschland gibt es bislang vier bestätigte Fälle. Ein Mitarbeiter des bayerischen Automobilzulieferers Webasto hatte sich laut Behörden bei einer Kollegin aus China angesteckt, die nach Deutschland gekommen war. Mittlerweile wurde das Virus bei drei weiteren Mitarbeitern des Unternehmens nachgewiesen.

"Influenza ist wesentlich aggressiver und die Ansteckungsgefahr beim Nichtimpfschutz ist wesentlich größer."

BW-Sozialminister Manfred Lucha (Grüne)

Unabhängig von diesen Fällen in Bayern habe Baden-Württemberg die eigenen Laborkapazitäten inzwischen ausgebaut, sagte Stefan Brockmann, Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz des Sozialministeriums in Stuttgart am Dienstag. Demnach können von Mittwoch an Proben von Verdachtsfällen im eigenen Labor untersucht werden und müssen nicht mehr bis nach Berlin geschickt werden.

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Sozialministerium "in Alarmbereitschaft"

"Wir sind komplett in Alarmbereitschaft. Wir sind im 24-Stunden-Dienst. Zu jedem Zeitpunkt werde ich informiert", so der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne). Krankenhäuser, Landesärztekammer und Gesundheitsämter seien sensibilisiert. "Sobald es einen Hinweis gibt 'Kontakt mit China', wird sofort darauf Bezug genommen und alles eingeleitet, dass wir identifizieren können, ob es sich um das Corona-Virus handelt."

Bislang wurden in Europa drei Infektionen mit dem #Coronavirus nachgewiesen. Auch bei einigen Reiserückkehrern in Baden-Württemberg wurde vorsorglich eine Diagnostik veranlasst – alle Tests verliefen aber bisher negativ. Weitere Hinweise➡️https://t.co/fkmCsAoYqL #2019nCoV https://t.co/nqGlAU4tlw

Lucha rief dazu auf, auch die normale Grippe nicht aus dem Blick zu verlieren. "Influenza ist wesentlich aggressiver und die Ansteckungsgefahr beim Nichtimpfschutz ist wesentlich größer", so der Sozialminister. Er appellierte an die Bevölkerung, sich noch impfen zu lassen.

Patienten mit ansteckenden Krankheiten isolieren

Auf mögliche Patienten mit Verdacht auf das Coronavirus haben sich viele Kliniken im Land vorbereitet. Als Krankenhaus müsse man immer darauf vorbereitet sein, Patienten mit ansteckenden Krankheiten schnell zu isolieren, sagte ein Sprecher des Konstanzer Klinikums dem SWR. Die saisonale Grippe stehe aber im Moment stärker im Fokus. Auch beispielsweise am Klinikum Friedrichshafen sieht man sich gut gerüstet.

Das Universitätsklinikum Ulm ist ebenfalls für den Fall vorbereitet, dass ein Patient mit dem Coronavirus eingeliefert wird. Laut einer Sprecherin laufen dafür derzeit in der Klinik Routineprozesse ab. Die Mitarbeiter in den betreffenden Abteilungen werden über das Informationsblatt "Coronavirus: Verdachtsabklärung und Maßnahmen" unterrichtet. Rechtzeitige Informationen seien wichtig, sagte Heike von Baum, Leiterin der Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Ulm, dem SWR. Das hätten die Chinesen bei der SARS-Welle vor rund zwanzig Jahren nicht berücksichtigt.

Schutzanzüge, Handschuhe, Mundschutz

Auch in den Kliniken in Ehingen und Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) stehen laut einem Sprecher genügend Isolierzimmer bereit. Im Notfall würden weitere eingerichtet, heißt es. Notfallboxen mit Schutzanzügen, Handschuhen und Mundschutz seien jederzeit einsatzbereit. Dass Patienten isoliert werden müssen, sei ein gewöhnlicher Prozess, der mehrmals jährlich vorkomme, so der Sprecher.

Vorsichtsmaßnahmen sind auch am Klinikum Stutttgart vorhanden, um Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, zu behandeln. Das Klinikum Stuttgart sei auf Ausbrüche unterschiedlicher Keime vorbereitet, sagte Jan Steffen Jürgensen, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, dem SWR. Dazu gehört zum Beispiel Schutzkleidung für die Mitarbeiter der Notaufnahmen.

Sars-Virus war gefährlicher

Auch am Universitätsklinikum Freiburg ist man für den Ernstfall gerüstet. Der dort zuständige Virologe Hartmut Henge präzisierte gegenüber dem SWR das Vorgehen bei möglichen Verdachtsfällen. Betrachte man die bisher verfügbaren Zahlen, sei das Virus sicher weniger gefährlich als das Sars-Virus aus dem Jahr 2003, so Henge weiter. Auf der anderen Seite sei es aber sicher ein Virus, das doch gefährlicher sei als andere Coronaviren, die es bei Menschen bereits gebe und die man kenne.

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