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Baden-Württemberg macht wieder auf - zumindest schrittweise und in Kreisen mit niedrigen Inzidenzen. Gelockert wird unter anderem bei Gastronomie, Tourismus, Kultur und Sport - ein Überblick.

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gehen weiter zurück. Nach monatelangem Lockdown hat die Landesregierung nun verschiedene Öffnungsschritte festgelegt, die an die Sieben-Tage-Inzidenz über einen bestimmten Zeitraum geknüpft sind. Am Freitag traten entsprechende Änderungen in der Corona-Verordnung des Landes in Kraft und machen ab Samstag Lockerungen in der Gastronomie, im Tourismus und in der Freizeit möglich. So dürfen etwa auch Freibäder und Badeseen wieder genutzt werden.

Voraussetzung für die Lockerungen ist das Außerkrafttreten der sogenannten Bundesnotbremse. Die Sieben-Tage-Inzidenz im jeweiligen Stadt- oder Landkreis muss also unter 100 liegen, erst dann können die örtlichen Gesundheitsämter nach fünf Tagen den Eintritt in die erste Stufe des insgesamt dreistufigen Öffnungskonzepts der Landesregierung verkünden. Dies wäre zum ersten Mal ab Samstag in manchen Kreisen möglich.

Allgemeine Regeln: Hygieneregeln und Testpflicht

Für alle nachfolgend aufgeführte Einrichtungen gelten laut Landesregierung Abstandsregeln, Maskenpflicht und die Pflicht zur Kontaktdatenübermittlung. Zudem müssen alle Besucherinnen und Besucher einen Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis vorweisen. Die Zahl der Teilnehmenden ist zudem begrenzt.

Treffen im öffentlichen und privaten Raum

Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 dürfen sich maximal zwei Haushalte und insgesamt höchstens fünf Personen treffen. Kinder der beiden Haushalte, die nicht älter als 13 Jahre sind sowie genesene und geimpfte Personen werden dabei nicht mitgezählt. Paare, die nicht zusammenleben, zählen außerdem als ein Haushalt. Ob das Treffen im öffentlichen oder privaten Raum stattfindet, spielt dabei keine Rolle. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 100, sind private Treffen weiter auf einen Haushalt plus eine Person begrenzt.

Regeln für Innen- und Außengastronomie

Liegt die Inzidenz in einem Kreis seit fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100, dürfen die Behörden die erste Öffnungsstufe einleiten. Gastronomiebetriebe können dann von 6 bis 21 Uhr öffnen, wenn sie die allgemeinen Test- und Hygieneregeln einhalten. In Innenräumen müssen die Tische dabei mit 1,5 Metern Abstand zueinander aufgestellt werden, auf 2,5 Quadratmetern Fläche ist ein Gast erlaubt. Mit der Öffnung der Innenbereiche nimmt Baden-Württemberg eine bundesweite Vorreiterrolle ein. Außenbereiche wie Biergärten dürfen unter Einhaltung der AHA-Regeln geöffnet werden.

Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze

Innerhalb des ersten Öffnungsschritts gibt es auch Lockerungen für Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. So sind laut Landesregierung "Touristische Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben" unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln und der Kontaktdatenübermittlung wieder erlaubt. Gäste ohne Genesenen- oder Impfnachweis müssen allerdings alle drei Tage einen negativen Coronatest vorlegen.

Fahrten mit Ausflugsschiffen, Museums- oder Seilbahnen und auch Reisebussen sind ebenfalls wieder gestattet, allerdings nur, wenn sowohl Start- als auch Zielort in einem Stadt- oder Landkreis liegen, der sich innerhalb der ersten Öffnungsstufe befindet. Bei den Fahrten ist höchstens die Hälfte der vollen Besetzung erlaubt.

Des Weiteren können Freizeiteinrichtungen in Außenbereichen wie Hochseilgärten, Minigolfbahnen oder Bootsverleihe für maximal 20 Personen öffnen.

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Theater, Kino, Oper und ähnliches

Innerhalb des ersten Öffnungsschritts dürfen ebenfalls verschiedene Kultureinrichtungen öffnen. Im Freien sind etwa Kinovorführungen oder Konzerte mit bis zu 100 Personen möglich. Auch hier gelten die Abstands- und Hygieneregeln sowie der Nachweis eines negativen Coronatests, einer Impfung oder Corona-Genesung. Zoologische oder botanische Gärten können eine Besucherin oder einen Besucher pro 20 Quadratmeter hereinlassen. Dies gilt auch für Galerien, Gedenkstätten und Museen.

Freizeit- und Amateursport - Fitnessstudios bleiben vorerst zu

Sportanlagen, auf denen im Freien kontaktarmer Freizeit- und Amateursport betrieben werden kann, können auch wieder genutzt werden. In Sportstätten sind innerhalb des ersten Öffnungsschritts maximal 20 Personen zugelassen. Für Außenbereiche von Schwimmbädern aller Art und auch Badeseen mit kontrolliertem Zugang ist für je 20 Quadratmeter ein Gast zugelassen. Fitnessstudios, Yogastudios und vergleichbare Einrichtungen bleiben jedoch laut Landesregierung zunächst geschlossen und dürfen erst in der Öffnungsstufe 2 wieder unter Auflagen öffnen.

An Amateur- und Spitzensport-Veranstaltung können in Außenbereichen zudem 100 Personen zuschauen.

Das gilt für den Einzelhandel

Auch für den Einzelhandel ändern sich durch den Stufenplan der Landesregierung die bisherigen Regelungen aus der Corona-Verordnung. Im ersten Öffnungsschritt können pro 40 Quadratmetern zwei getestete beziehungsweise geimpfte oder genesene Kunden zugelassen werden. Und zwar ohne vorherige Terminbuchung, wenn der Laden ein Testkonzept hat. Ohne Testkonzept ist im Rahmen von "Click & Meet" mit Voranmeldung ein Kunde pro 40 Quadratmeter Fläche möglich.

Kitas, Schulen und Unis

Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 können unabhängig von den Öffnungsschritten Kitas im "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" öffnen. Außerdem ist an Grundschulen Unterricht im Präsenzbetrieb ohne Abstand möglich. Alle anderen Klassenstufen aller Schularten befinden sich im Wechselunterricht, für Abschlussklassen gelten weiterhin Sonderregeln. Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht ist die Durchführung von zwei Coronatests pro Woche für alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen.

Befindet sich der Stadt- oder Landkreis innerhalb des ersten Öffnungsschritts, sind außerdem an Hochschulen und Universitäten Lehrveranstaltungen im Freien mit bis zu 100 Personen möglich. Lernplätze können mit Voranmeldung genutzt werden. In Bibliotheken und Archiven ist eine Person auf 20 Quadratmeter zugelassen. Kantinen und Mensen dürfen öffnen, wenn 1,5 Meter Abstand eingehalten werden kann.

Außerdem sind Kurse an Volkshochschulen und ähnlichen Einrichtungen im Innern für bis zu zehn Personen erlaubt, im Außenbereich sind Gruppengrößen von maximal 20 Personen möglich. Musik-, Kunst-, Jugendkunstschulen können für Gruppen von bis zu zehn Personen öffnen, Gesangs, Tanz- oder Blasmusikunterricht ist jedoch nicht gestattet.

Das Drei-Stufen-Konzept in der neuen Corona-Verordnung

Sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz in den Stadt- und Landkreisen 14 Tage nach Öffnungsschritt eins weiter, können die örtlichen Behörden in den zweiten Öffnungsschritt übergehen. Er gilt einen Tag nach Bekanntgabe. Dann sind unter anderem Präsenzlehrveranstaltungen an Hochschulen und Universitäten mit einer begrenzten Teilnehmerzahl in Innenräumen möglich, ebenso wie Messen und Kongresse oder Kulturveranstaltungen mit mehr Personen. Sinken die Zahlen trotz dieser Öffnungen für 14 Tage weiter, können in einem dritten Öffnungsschritt erneut Lockerungen in Kraft treten.

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