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Die medizinischen Folgen der Corona-Pandemie stehen uns allen vor Augen. Doch was macht die gegenwärtige Krise eigentlich mit unserer Gesellschaft? Antworten darauf können Fragen geben, die wir bei Google eintippen.

Wer hat sich in den vergangenen Wochen dabei ertappt zu sagen, oder anderen dabei zugehört, wenn sie sagen: "Das war noch vor Corona ..."

Vor Corona. Das klingt wie eine Ewigkeit, dabei sind es nur wenige Wochen, in der wir in dieser uns so surreal erscheinenden Zeit leben. Wochen, die unsere Gesellschaft, unser Miteinander in Baden-Württemberg, grundlegend verändert haben.

Vor Corona, zur Erinnerung, das war die Zeit vor dem Kontaktverbot, vor Masken tragen im Supermarkt, vor geschlossenen Schulen und geschlossenen Grenzen und der Abschottung ganzer Nationalstaaten.

Das war vor der Frage, die plötzlich auffällig häufig bei Google eingetippt wurde: "Was bedeutet Deglobalisierung?" Was wie eine Zäsur klingt - vor Corona - ist es wohl auch, vermuten Experten. Es wird nicht mehr wie es war, sagen viele.

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Google als Gradmesser für unsere Verunsicherung

Dass sich unsere Gesellschaft verändert, können wir an den Suchanfragen bei Google nachvollziehen, also daran, was wir bei Google eintippen, um Antworten auf unsere Fragen zu bekommen. Die Suchmaschine mutiert in diesen Zeiten zu einer Art Gradmesser für unsere Verunsicherung. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie verunsichert sind die Menschen in Baden-Württemberg in der Corona-Zeit? Man könnte eine glatte 10 geben.

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Augenscheinlich wird der Grad der Verunsicherung bei den Suchanfragen rund um die Feiertage. Feiertage sind meist Familienfeste mit eigenen Ritualen und Traditionen. In Vor-Corona-Zeiten suchten wir bei Google zu Ostern nach Inspirationen. Wir suchten nach Bastelanleitungen, nach Ideen zum Eierfärben und nach Tipps für den Osterbrunch. Für die gemeinsame Zeit mit unseren Lieben.

Ganz anders in diesem Jahr: Die Baden-Württemberger suchten an Ostern 2020 nach "Ostern 2020 Corona Abstand halten", "darf ich Freunde und Familie treffen?", "Regeln Ostern 2020 Baden-Württemberg".

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete das Tempo bei den Lockerungen der Corona-Krise bereits als „zu forsch“. Jetzt...Gepostet von funk am Donnerstag, 14. Mai 2020

Alkoholverbot an Vatertag in Baden-Württemberg

An Christi Himmelfahrt oder Vatertag ein ähnliches Bild. In der Vor-Corona-Zeit suchten wir nach dem Wetter an jenen Tagen, nach besten Ausflugszielen in Baden-Württemberg und nach Inspirationen für Geschenke für den Papa. Jetzt suchten wir nach "Vatertag Alkoholverbot" (weil es ja in bestimmten Regionen verboten wurde, Alkohol an Vatertag zu trinken) und nach "Regeln Vatertag".

Überhaupt Regeln. Wie verunsichert wir gerade sind, kann man daran sehen, wie häufig wir nach Regeln suchen. Es gibt ja auch gefühlt mittlerweile wöchentlich ein Update an Regeln.

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Marktcheck SWR Fernsehen

Pfingsten wie in Vor-Corona-Zeiten - also ohne Kontakt-Verbot und Masken - in diesem Jahr unvorstellbar. Und weil wir alle gerne weg wollen in die Sonne, vielleicht nach Italien, googlen wir "Italien Urlaub Pfingsten möglich?"

In Italien soll die Quarantäne, in die man sich begeben muss, wenn man ins Land einreist, am 3. Juni enden. Aber wie fühlt sich Urlaub mit Masken an Stränden und Strandbars überhaupt an? Also googlen wir nach den Corona-Regeln in Italien, Spanien oder Kroatien.

Wir sitzen alle im selben Boot - die ganze Welt

Dass wir bei dieser Krise alle im selben Boot sitzen - und mit alle sind wirklich alle gemeint, wird klar, wenn man sieht, wie die Menschen weltweit suchen. Egal ob in den USA, im restlichen Europa oder in Asien. Wir suchen alle nach neuen Regeln, nach Verboten Geboten in der neuen Normalität.

Vor Corona haben wir gerne Gesellschaften mit Nationalstaaten identifiziert. Also: Die Deutschen als Gesellschaft machen den deutschen Staat aus. Diese Gleichsetzung ist nicht nur von dem Soziologen Niklas Luhmann, sondern mittlerweile auch von vielen anderen Experten kritisiert worden.

Corona zeigt nun prägnant, dass wir in einem bestimmten Sinne in einer einzigen Gesellschaft leben. Luhmann spricht auch von einer Weltgesellschaft.

Möglicherweise lässt sich die Vor-Corona Zeit gar nicht mehr herstellen. Wir verändern uns als (Welt)-Gesellschaft. Vielleicht sagen wir irgendwann: Die Vor-Corona-Zeit war gut, aber alles, was nach Corona kam, hat die Welt besser gemacht.

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