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Viele Flüchtlinge kommen über Norditalien und Südtirol nach Baden-Württemberg. Die Landesregierung will sie nun standardmäßig auf das neuartige Coronavirus testen lassen. Denn in Massenunterkünften bestünde eine besondere Gefahr.

Im zentralen Ankunftszentrum in Heidelberg sollen neu ankommende Flüchtlinge schnellstmöglich standardmäßig auf das neuartige Coronavirus getestet werden. Darauf haben sich das Innen- und das Gesundheitsministerium am Freitag in Stuttgart verständigt. Beide Ministerien bestätigten die Pläne nach Anfrage der "Schwäbischen Zeitung". Das vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Thomas Strobl (CDU) geführte Innenministerium wolle zudem erreichen, dass die Virustests für Flüchtlinge verbindlich werden. Bislang geschehen sie auf freiwilliger Basis. Überprüft werden sollen auch Flüchtlinge, die in den vergangenen 14 Tagen eingereist seien. Bislang gibt es keinen bekannten Fall, bei dem ein Flüchtling mit dem Coronavirus infiziert ist, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem SWR.

Medizinische Untersuchungen an sich sind nicht neu, bereits jetzt werden ankommende Flüchtlinge dem Innenministerium zufolge auf übertragbare Krankheiten getestet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO kann der Migrationsprozess Flüchtlinge anfälliger für Infektionskrankheiten machen, auch weil sie häufig nicht ausreichend geimpft seien.

Mit Blut gefüllte Röhrchen in einem Labor (Foto: Imago, Images/Westend61)
Für die ankommenden Flüchtlinge soll in Heidelberger Ankunftszentrum ein Labor eingerichtet werden (Symbolbild). Imago Images/Westend61

Labor wird in Heidelberg eingerichtet

Den weiteren Angaben zufolge sollen Ärzte aus dem Bereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe bei Flüchtlingen im Ankunftszentrum in Heidelberg Abstriche vornehmen. Direkt vor Ort sollen sie demnach in einem eigens einzurichtenden Labor ausgewertet werden. Am Donnerstag hatte Strobl seinen Kabinettskollegen Manfred Lucha (Grüne) in einem Brief um die Corona-Tests gebeten.

In einer Massenunterkunft mit Mehrbettzimmer sei ein Ausbruch kaum beherrschbar, heißt es in dem Dokument, das dem SWR vorliegt. Viele Menschen kämen über Norditalien und Südtirol nach Deutschland. Am Freitag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch Südtirol zum Corona-Risikogebiet erklärt.

Pro Tag rund 28 neue Flüchtlinge im vergangenen Jahr

Die Zahl der Asylsuchenden ist derzeit leicht rückläufig. Durchschnittlich kamen im vergangenen Jahr pro Tag 28 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg. Die meisten Flüchtlinge stammten laut Innenministerium aus Nigeria. Auch aus der Türkei, Syrien sowie Irak und Iran kamen viele Menschen.

In den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes sind laut Ministerium derzeit (Stand Januar 2020) rund 3.300 Menschen untergebracht. Rund 1.300 von ihnen leben im Ankunftszentrum in Heidelberg.

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