Fotomontage: Ein Kind wird geimpft. Im Vordergrund ist ein Fläschchen mit einem Covid-19-Impfstoff zu sehen.  (Foto: imago images, IMAGO / Sven Simon (Fotomontage) )

Warten auf die STIKO-Empfehlung

Topthema in BW-Kinderarztpraxen: Corona-Schutzimpfungen für Kinder ab fünf

STAND

Noch fehlt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission für eine Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren. Doch in BW müssen Ärzte bereits viele Fragen dazu beantworten.

Sollten Eltern ihre Kinder schon ab dem Alter von fünf Jahren impfen lassen dürfen? Darum geht es derzeit in vielen Kinderarztpraxen in Baden-Württemberg. "Es gibt keinen Patienten- und Elternkontakt, bei dem das Thema Corona-Schutzimpfung für Kinder nicht angesprochen wird", sagte die Stuttgarter Kinderärztin Kathrin Remshardt dem SWR am Mittwoch.

Den Eltern in Baden-Württemberg brennt dieses Thema offensichtlich unter den Nägeln. Doch die Antwort, die sie von den Ärztinnen und Ärzten bekommen ist meist folgende: "Abwarten bis die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Entscheidung bekannt geben hat."

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Kinder-Impfstoff kommt früher als bislang angekündigt

Bereits in der Woche ab dem 13. Dezember soll der Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren nun zur Verfügung stehen und damit eine Woche früher als zunächst angekündigt. Das hat der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch auf Twitter bekannt gegeben. "Wir konnten erreichen, dass der Impfstoff für die fünf- bis elfjährigen Kinder EU-weit eine Woche früher ausgeliefert wird", schrieb Spahn. Geplant sind 2,4 Millionen Impfdosen für Kinder.

Gute Nachricht: Wir konnten erreichen, dass der Impfstoff für die 5-11-jährigen Kinder EU-weit eine Woche früher ausgeliefert wird. Das hat uns der Hersteller zugesichert. Angesichts der aktuellen Pandemielage ist das wichtig für Eltern und Kinder, die sich schützen wollen! (2/2)

Können die Kinderarztpraxen alle Kinder impfen?

Die Kinderarztpraxen in Baden-Württemberg stehen bei einer Empfehlung der STIKO vor einer erneuten logistischen Herausforderung. Katrin Remshardt, auch Obfrau der Stuttgarter Kinderärzte, hat große Zweifel, dass die Arztpraxen einem möglichen Ansturm bewältigen und zusätzliche Impftermine zur Verfügung stellen können. "Unser Versorgungsauftrag ist es selbstverständlich primär, kranke Kinder zu versorgen. Um Covid-Impfungen für Kinder in größerem Rahmen anzubieten, sind die Kapazitäten des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Kliniken, der Stadt und des Landes gefragt." Allein in Stuttgart handelt es sich demnach um mehr als 35.000 Kinder. Remshardt stellt sich die Frage, wie hier eine zeitnahe Impfung bei limitierten Ressourcen vonstatten gehen soll - vom Impfstoff ganz zu schweigen.

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Kinderarztpraxen derzeit wegen anderer Viren-Krankheiten völlig überlastet

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg nennt ein weiteres Problem. Die Kinder- und Jugendärztinnen und -Ärzte in Deutschland seien mit Lockdownfolgen beschäftigt. Derzeit insbesondere mit "infektiologischem Nachsitzen", wie es der Pressesprecher des Landesverbandes Till Reckert aus Reutlingen dem SWR beschreibt. Die Praxen seien voll mit kranken Kindern, die lernen müssten, mit den ganzen Viren wieder umzugehen, vor denen sie im letzten Winter geschützt waren. Dazu gebe es zu wenig Fachpersonal.

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Bündnis "Kinder-Impfen" koordiniert Impfkampagne

Bei der Verteilung des Impfstoffes hat Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) bereits in der vergangenen Woche die Unterstützung des Landes zugesagt. In Baden-Württemberg wurde inzwischen das Bündnis "Kinder-Impfen" gegründet, das die Impfkampagne koordinieren soll. Nach Angaben des Sozialministeriums sind neben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Landesärztekammer unter anderem auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft, Vertreterinnen und Vertreter des Klinikums Stuttgart, der Kommunalen Landesverbände sowie engagierte Kinderärztinnen und Kinderärzte und Vorsitzende des Landeselternbeirats vertreten.

Lucha: Zunächst sollen vorrangig Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden

Landesgesundheitsminister Lucha sagte im SWR, dass man derzeit alles tue, um dann mit den Impfungen für die Fünf- bis Elfjährigen beginnen zu können. Es müsse dafür zum Beispiel die nötige Infrastruktur aufgebaut werden. "Kinderimpfen ist wesentlich aufwendiger, intensiver", so Lucha. Demnach sollen in Baden-Württemberg zuerst Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden, dann auch alle anderen Kinder. Erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind laut Sozialministerium die Kinderärztinnen und Kinderärzte, das Land baue aber auch zusätzliche Angebote auf. Ein Portal im Internet, um sich für die Kinderimpfung anzumelden wie in Rheinland-Pfalz wird es in Baden-Württemberg aber nicht geben.

Gesundheitsminister Lucha erhofft sich viel von den Kinderimpfungen. Er sprach in den vergangenen Tagen von einem zusätzlichen Impfdruck in der Gesellschaft, weil nun auch Kindern deutlich mehr Schutz und Sicherheit durch eine Impfung geboten werden könne.

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Muss ich mein Kind gegen Corona impfen?

Muss ich mein Kind gegen Corona impfen? Diese Frage stellen sich gerade viele Eltern in Baden-Württemberg. Die Kinderärztinnen und -ärzte sind bei der Beantwortung dieser Frage sehr zurückhaltend. Wir brauchen die Einschätzung der STIKO, um hierzu fundierte Aussagen treffen zu können, so die Kinderärztin Kathrin Remshardt. Da es bei Kindern in diesem Alter quasi keine schweren Verläufe gebe, sei die individuelle Risikoabwägung aufgrund möglichst großer Datenmengen zu treffen. Und genau darin sieht die Ärztin ein Problem. Bei den Zulassungsstudien seien nur 1.500 Kinder geimpft gewesen, zu wenige, um potentiell (sehr) seltene Reaktionen erkennen zu können. Der Reutlinger Arzt Till Reckert warnt davor, die STIKO bei ihrer Entscheidung zu drängeln. Das würde die Qualität ihrer Entscheidungen und vor allem auch ihre längerfristige Akzeptanz nicht verbessern.

Große Nachfrage nach Impfterminen in BW

Bei den Kinderarztpraxen im Land ist die Nachfrage nach möglichen Impfterminen bereits groß. Manche Eltern könnten nicht warten und verstopften jetzt schon unsere Telefonleitungen, so Reckert. Er rechnet damit, dass es einen kurzen Ansturm geben werde, sobald die STIKO-Empfehlung und der Impfstoff da seien. Dann werde die Nachfrage wieder sinken. Wenige Erwachsene lassen sich laut dem Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg jetzt doch selber impfen, nur damit man die Kinder damit in Ruhe lassen möge. Auch die Stuttgarter Ärztin Remshardt berichtet momentan von vielen Anfragen, was sie aufgrund der derzeitigen Zahl der Neuinfektionen und Infektionen auch bei Doppelt-Geimpften für nachvollziehbar hält.

Es gibt bereits Impfungen für Kinder unter zwölf Jahren

Viele Mütter und Väter waren bislang vielleicht auch froh, dass sie die Entscheidung, ob sie ihr Kind gegen Corona impfen lassen sollen, bislang nicht treffen mussten, weil es eben keine offizielle Empfehlung von Seiten der STIKO gibt. Allerdings hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA den BioNTech-Impfstoff gegen das Coronavirus für Kinder von fünf bis elf Jahren bereits zugelassen.

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Und dann gibt es aber auch eine Reihe von Eltern, die ihre Kinder dringend impfen lassen wollen - notfalls auch ohne vorherige Zulassung des Impfstoffs für die jüngere Altersgruppe. Zum Beispiel wegen Vorerkrankungen oder dem Wunsch, den Kindern ein weitgehend normales Schul- und Sozialleben zu ermöglichen. Im Internet bietet eine Elterninitiative die Vermittlung von Ärztinnen und Ärzten an, die Kinder unter zwölf Jahren bereits impfen. Auch Ärzte und Ärztinnen aus Baden-Württemberg beteiligen sich an dieser sogenannten "Off-Label"-Impfung. Darunter versteht man, dass Medikamente oder Impfstoffe verabreicht werden, obwohl es dafür noch keine Zulassung gibt. Das ist legal und gab es auch schon vor der Corona-Pandemie.

"Ich impfe seit August auch U12 off-label, weil den Eltern und Kindern keine Wahl gelassen wird zwischen Infektion und Impfung. Der Impfstoff von BioNTech ist der besterforschte Impfstoff ever, der bereits Millionen Jugendlichen ab zwölf verimpft wurde, bei sehr sehr guter Verträglichkeit."

Auch Eltern schreiben auf dieser Seite, warum sie ihre Kinder bereits impfen haben lassen.

"Fälle in unserem Kindergarten und der Grundschule zeigten dann final, dass es nur zwei Optionen gibt: Impfung oder Infektion. Wir konnten unsere drei Kinder impfen lassen und hatten das große Glück jeweils nur ca. zwei Stunden fahren zu müssen. Probleme durch die Impfung hatten wir keine."

Vorbehalte wegen "Off-Label"-Impfungen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hatte Mitte November seinen Mitgliedern geraten, auf eine STIKO-Empfehlung zu warten. Der Sprecher Jakob Maske sagte damals der Deutschen Presse-Agentur: "Wir wollen eine sichere Impfung und das wollen ja auch die Eltern." Kinder infizierten sich, dass sie schwer erkranken, sei aber die absolute Ausnahme. Die Nutzen-Risiken-Abwägung müsse bei Kindern daher eine andere sein als bei Erwachsenen. Auch unabhängig von einer STIKO-Empfehlung dürften Kinderärzte nach einer EMA-Zulassung aber impfen, betonte Maske. Allerdings hat das Folgen für die Haftung und Entschädigungen, falls es zu einem Impfschaden kommt. 

Corona-Lage: "Problem sind die Erwachsenen, nicht die Kinder"

Bei der Beurteilung der derzeitigen Corona-Lage sind sich die Kinderärzte aber einig. Für die hohen Inzidenzen seien die Erwachsenen verantwortlich und nicht die Kinder. "Wir müssen unsere Bemühungen darauf konzentrieren, die ungeimpften Erwachsenen zum impfen zu motivieren", so Remshardt.

"Die Erwachsenen sind leider die Ursache, warum unser Gesundheitssystem nun doch leider in der Pandemie an seine Grenzen stößt."

Der Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg, Till Reckert, sieht das ähnlich. Um die vierte Welle zu brechen, sei es wichtig, dass Eltern und Großeltern sich zuerst impfen lassen. Es könne nicht sein, dass Großeltern erst Termine im Februar bekämen und um die Kinderimpfungen ein medialer Hype gemacht werde.

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