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Fußballweltmeister Berthold und der Kabarettist Schroeder sind gestern unabhängig voneinander auf einer Corona-Demo in Stuttgart aufgetreten. Ihre Redebeiträge haben im Netz kontroverse Reaktionen ausgelöst.

In Stuttgart haben am Samstag nach Angaben der Polizei 1.500 Menschen an einer Kundgebung gegen die Corona-Politik teilgenommen. Auf der Bühne sprachen auch bekannte Personen, deren Auftritte nachwirken.

Berthold: Maßnahmen "völlig überzogen"

Der 55-jährige frühere Fußballprofi und VfB-Legende Thomas Berthold sprach bei der Abschlusskundgebung am Samstag zu den Teilnehmern der "Querdenken"-Demo. Seinen Auftritt als Redner begründete er mit seiner kritischen Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen. Diese seien "völlig überzogen", sagte er. "Es war eine Herzensangelegenheit für mich, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen. Ich wollte dort den Menschen Dinge mitteilen, die ich wahrnehme und auf dem Herzen habe." Zudem sprach sich Berthold für die Gründung einer neuen Partei aus.

Zahlreiche Reaktionen unter #Berthold

Berthold, der 1990 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien wurde, erntete in den sozialen Netzwerken für seinen Auftritt Reaktionen von Häme bis Zuspruch: "Thomas Berthold stand ja früher schon selten richtig im Raum", schrieb ein Twitternutzer in Anspielung auf dessen Fußballkarriere. In zahlreichen Tweets wurde ihm vorgeworfen, gegen jede Vernunft zu sprechen. Andere Nutzer attestierten ihm etwa Zivilcourage.

Florian Schroeder hält ein Plädoyer fürs Maskentragen

Auch der Auftritt des Kabarettisten Florian Schroeder auf der "Querdenken"-Demo in Stuttgart hat im Netz viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der 40-Jährige kam nach eigenen Angaben auf die Bühne, um "die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit" auszutesten. Für seine ersten Äußerungen bekam er noch Applaus. Das zeigt ein Video, das Schroeder in seinem eigenen Youtube-Kanal verbreitete: "Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream", sagte er.

"Man hat mir gesagt, hier in Stuttgart ist die Freiheit." Doch recht schnell nahm die Begeisterung des Publikums ab. Schroeder fragte, ob wir "in einer Corona-Diktatur" leben würden. Nach einem vielstimmigen "Ja" aus der Menge argumentierte der Kabarettist dagegen: "Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet Ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet Ihr hier gar nicht stehen."

"Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstandhalten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können."

Kabarettist Florian Schroeder auf der "Querdenken"-Demo am Samstag in Stuttgart

Für diesen Satz erntete Schroeder Buhrufe und schob hinterher: "Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst Ihr meine Meinung aushalten." "Querdenken-711" bedankte sich auf Youtube bei Florian Schroeder für seinen Besuch und bezeichnete den Auftritt als "sehr mutig" und "eine erste Annäherung der Medien". Der Kontrast hätte größer nicht sein können, so ihr Kommentar zum Video.

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