2G-Plus-Schild in einem Restaurant (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sina Schuldt)

Bilanz zum ersten Wochenende mit 2G Plus

2G Plus in der Gastronomie in BW: "Ein heilloses Durcheinander"

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Seit Samstag gilt die 2G-Plus-Regel für die Gastronomie in Baden-Württemberg. Doch schon am Sonntag gab es Neuerungen. Die Kurzfristigkeit stellte eine enorme Herausforderung dar.

Am Samstag führte die baden-württembergische Landesregierung die 2G-Plus-Regel für die Gastronomie ein. Somit mussten ab sofort auch Geimpfte und Genese einen negativen Test nachweisen, wenn sie auswärts essen gehen wollten. Ausgenommen waren zu diesem Zeitpunkt nur Menschen mit einer Booster-Impfung. Nur einen Tag später kam die nächste Änderung: Auch Menschen, bei denen die zweite Corona-Impfung oder die Genesung weniger als sechs Monate her ist, sollen von der 2G-Plus-Regel ausgenommen sein.

DEHOGA kritisiert Vorgehen der Landesregierung

"Es war ein heilloses Durcheinander", sagte Fritz Engelhardt, Vorsitzender des DEHOGA Baden-Württemberg und Hotelier in Pfullingen (Kreis Reutlingen), dem SWR. Nicht nur Gastronomen, sondern auch die Gäste seien verunsichert gewesen. Für die Branche kam die Umsetzung von 2G-Plus etwas überraschend, sagte Engelhardt.

Das Vorgehen der Landesregierung sei seiner Meinung nach eine Ungeheuerlichkeit. "Das ist regelrecht planlos und respektlos der Branche gegenüber." Der wirtschaftliche Schaden sei enorm. Seit Freitag hagele es Stornierungen.

Enormer Einbruch des Jahresendgeschäfts für viele Betriebe

Die 2G-Plus-Regel wurde ausgerufen, doch zeitgleich gab es keine Steigerung der Testkapazitäten. "Wir haben jetzt die Rückmeldung, dass Kolleginnen und Kollegen, die versuchen, bei sich selbst zu testen, nicht an genügend Tests herankommen", so Engelhardt. Für Gastronomen sei die Prüfung der Nachweise außerdem ein Mehraufwand. Die Gäste würden auf die 2G-Plus-Regelung nicht immer freundlich reagieren. Besonders kritisch sei das Regel-Wirr-Warr für das Jahresendgeschäft in der Gastronomie gewesen. Dies mache für viele Betriebe etwa 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. "Das ist in den letzten Tagen regelrecht in sich zusammengebrochen", so Engelhardt.

"Wir haben einen wahnsinnigen wirtschaftlichen Schaden jetzt neu erlitten. Ich appelliere an die Politik, jetzt schnell zu handeln. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen zuverlässige Aussagen, wie es weitergeht." Dabei wies er konkret auf das Kurzarbeitergeld, die Erstattung von Sozialversicherungsleistungen oder die Überbrückungshilfen hin.

Dauerhafte Auswirkungen für Gastronomie nur schwer einschätzbar

Der Pressesprecher der DEHOGA, Daniel Ohl, sagte gegenüber dem SWR, dass das Gastgewerbe im Land seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 nach Einschätzung des Verbands rund zwölf Milliarden Euro verloren habe. "Dies entspricht nahezu einem kompletten Netto-Jahresumsatz", sagte Ohl. Hätte die Landesregierung an einer "harten" 2G-Plus-Bedingung festgehalten, wären die Auswirkungen ähnlich wie bei einem Lockdown. "Für viele Betriebe der Speisegastronomie wäre dann ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb nicht mehr möglich. Sie müssten schließen und ihre Beschäftigten wieder in Kurzarbeit schicken", erklärte er.

Bislang bleibe abzuwarten, wie sich die Regeländerungen vom Sonntag auswirken werden. Es gebe Betriebe in Baden-Württemberg, die darüber nachdenken würden, komplett zu schließen. Doch eine endgültige Entscheidung hätten viele von ihnen noch nicht getroffen.

Vor allem am Samstag sah es für Reutlinger Gastronomen düster aus. "Wir haben 80 Prozent Einbußen gehabt", sagte Ernst Obermayer von der Firma GrauerGastro dem SWR. Die Firma betreibt mehrere Reutlinger Restaurants. Besonders schwierig war, dass die neuen Vorschriften so kurzfristig kamen. Man hatte bereits Lebensmittel für das Wochenende eingekauft, die dann teils überflüssig waren.

Kritik an den späten Lockerungen der Landesregierung

Für die nachträgliche Lockerung bei den Ausnahmen von der Corona-Testpflicht musste die Landesregierung harsche Kritik einstecken. Die FDP stellte die Amtsfähigkeit des baden-württembergischen Gesundheitsministers Manfred Lucha (Grüne) infrage. Lucha sei vollkommen überfordert, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Das Hin und Her rund um die Corona-Verordnung habe die Gastronomie und die Kultur verunsichert.

Im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz hat die CDU-Opposition das Land aufgefordert, die Corona-Testpflicht für Restaurants und andere Bereiche des öffentlichen Lebens an die weniger strengen Bestimmungen in Baden-Württemberg anzugleichen. "Auch um Verwirrung zu vermeiden, sollten die geltenden Regelungen möglichst länderübergreifend synchronisiert werden", erklärte CDU-Fraktionschef Christian Baldauf am Montag. Angesichts von Engpässen bei den Test-Kits müsse das Material dort konzentriert werden, wo der Bedarf am höchsten sei, beispielsweise in Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

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