picture alliancedpa | Swen Pförtner (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Diskussion um verkürzte Quarantäne

Quarantäne, Folgen, Patientenzahl: Das sollten Sie über die Omikron-Variante jetzt wissen

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Nach den Feiertagen wird auch in Baden-Württemberg ein starker Anstieg der Corona-Fallzahlen erwartet. Wie unterscheiden sich die Vorschriften bei Omikron- und Delta-Variante?

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder, doch die Zahlen könnten täuschen - doppelt oder sogar drei Mal höher könnten sie in Wahrheit sein, schätzt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Sicher ist: Die Omikron-Variante breitet sich weiter aus. In Deutschland, in Baden-Württemberg. Wie schnell? Das liegt derzeit noch im Dunkeln, im Bereich der Schätzungen. Viele Expertinnen und Experten gehen aber davon aus, dass sich die Zahl der Omikron-Fälle nun sehr schnell erhöhen wird. Nach den geltenden Regeln droht vielen Menschen dann eine strenge und lange Quarantäne. Wie ist die Infektionslage und was gilt derzeit?

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Was sagen die Daten über die Infektionslage?

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage, steigt den fünften Tag in Folge an. Mit 232,4 bundesweit und 238,4 in Baden-Württemberg gibt sie das Robert Koch-Institut (RKI) am frühen Montagmorgen (3. Januar) an. Aber: Das RKI weist darauf hin, dass ihre Daten die tatsächliche Infektionslage wohl nur unzureichend widerspiegeln. Ob Bundesgesundheitsminister Lauterbach mit seiner Schätzung richtig lag, weiß derzeit niemand sicher. Der Grund: An den Feiertagen ließen sich weniger Menschen testen und nicht alle Gesundheitsämter leiteten Daten weiter.

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Stand Sonntag, 14 Uhr (2. Januar), waren 3.574 Omikron-Fälle an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gemeldet worden, am Montag (4. Januar) war die Zahl der Omikron-Fälle in Baden-Württemberg bereits auf 4.280 gestiegen. Diese Zahl könnte sich nach Experteneinschätzung nun weiter radikal erhöhen - und das wiederum würde für immer mehr Menschen Quarantäne bedeuten. Mit der "Corona-Verordnung Absonderung" vom 14. Dezember hat das Sozialministerium von Baden-Württemberg geregelt, wer sich in Quarantäne begeben muss und wann er oder sie diese wieder verlassen kann.

Sind Absonderung und Quarantäne dasselbe?

Das Sozialministerium verwendet Absonderung als Oberbegriff für Quarantäne und Isolation. Alle drei beschreiben den Zustand, wenn man sich von anderen Personen zu deren und zum Schutz der Allgemeinheit fernhält. Zu diesem Zweck hat man sich laut Verordnung in die eigenen vier Wände oder in eine geeignete Einrichtung - zum Beispiel ein Zimmer im Heim - zurückzuziehen. Wer sich in Absonderung befindet, darf keinen Besuch empfangen und nicht nach draußen. Ausnahmen von dieser Regel kann das zuständige Gesundheitsamt erlassen - und natürlich darf man aus dem Haus, wenn es brennt oder sonst eine Gefahr für Leib und Leben besteht.

Wer muss für wie lange absondern?

Wer "krankheitsverdächtig" ist, also etwa Symptome hat, muss sich laut Verordnung "unverzüglich absondern". Er oder sie kann sich aber per PCR-Test freitesten. Allerdings geht das nicht, wenn man zugleich Haushaltsangehöriger oder enge Kontaktperson einer anderen positiv getesteten Person ist.

Auch wer ein positives PCR- oder Schnelltestergebnis erhalten hat, muss sich absondern, darf aber zehn Tage nach diesem positiven Testabstrich die Absonderung verlassen. War man bei einem Schnelltest positiv, ein späterer PCR-Test aber negativ, so darf man ebenfalls aus der Absonderung heraus.

Wer enge Kontaktperson oder Haushaltsangehöriger von jemandem ist, auf den die vorher genannten Punkte zutreffen, der oder die muss sich ebenfalls in Absonderung begeben. Allerdings nur dann, wenn er oder sie weder vollständig geimpft noch genesen ist. Die Absonderung als enge Kontaktperson oder Haushaltsangehöriger beginnt, sobald man vom positiven Test oder dem Krankheitsverdacht erfährt und dauert 14 Tage. Ist die Kontaktperson oder der Haushaltsangehörige in der Zwischenzeit freigetestet, so darf man auch selbst die Absonderung verlassen. Außer natürlich man hat in der Zwischenzeit Symptome entwickelt oder ein positives Testergebnis erhalten. Als enge Kontaktperson oder Haushaltsangehöriger kann man außerdem nach sieben Tagen einen Antigen-Schnelltest durchführen lassen und sich so freitesten.

Baden-Württemberg

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Es gibt aber weitere Ausnahmen: Wer vollständig geimpft ist und positiv getestet wurde, darf nach sieben Tagen einen Antigen-Schnelltest machen lassen. Ist der negativ, endet die Absonderung, sofern man während der gesamten Absonderung keine typischen Corona-Symptome entwickelt hat.

Schülerinnen und Schüler müssen sich nicht direkt absondern, wenn in ihrer Klasse oder Gruppe ein Corona-Fall auftritt. Stattdessen müssen sie sich fünf Schultage lang täglich per Schnell- oder PCR-Test testen. Bei Kita- oder Kindergartenkindern reicht ein Test aus. Die Leitung der jeweiligen Einrichtung muss die Sorgeberechtigten über das positive Testergebnis beispielsweise in der Kita-Gruppe informieren. Handelt es sich um ein relevantes Ausbruchsgeschehen mit gleich mehreren positiven Testergebnissen, kann trotzdem eine Absonderung angeordnet werden.

Was gilt bei Omikron?

Vereinfacht ausgedrückt kann man bislang sagen: Alle Möglichkeiten, sich aus der Absonderung freizustesten oder sich gar nicht erst länger absondern zu müssen, gelten nicht, wenn es sich um einen Omikron-Fall handelt. Dann muss man sich die vollen zehn bzw. vierzehn Tage absondern und kann sich nicht freitesten. Auch bei Schul- oder Kita-Kindern greift dann die Absonderung wie bei regulären Infizierten.

Droht der Kollaps durch Quarantäne-Regeln?

Die harten Quarantäne-Regeln bei Fällen mit der Omikron-Variante könnten ganze Teile der Gesellschaft, öffentliches Leben ebenso wie Wirtschaft und Gesundheitswesen lahmlegen, wenn die Virusvariante zunehmend zur dominierenden wird. Ein fiktives Beispiel: Beim Personal eines Supermarktes gibt es einen Omikron-Fall. Alle Kolleginnen und Kollegen, die mit dieser Person auf derselben Schicht gearbeitet haben, müssten nach den derzeitigen Regeln nun 14 Tage in Quarantäne. Je nach Personalsituation und Schichtplanung des Supermarktes fehlt auf einen Schlag ein großer Teil des Personals für zwei volle Wochen. Unter dem Personal sind auch Eltern von Schul- und Kita-Kindern. Die anderen Kinder in der Klasse oder Gruppe müssen nun zu Hause bleiben. Ihre Eltern müssen ihre Betreuung organisieren, dürfen selbst nicht mehr zur Arbeit. Sie sind vielleicht Polizistinnen, Ärztinnen, Krankenpfleger oder Mitarbeiter bei den Entsorgungsbetrieben. So könnten schnell große Teile der kritischen Infrastruktur im Land ausfallen.

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Bundes- und Landespolitiker beginnen deshalb bereits abzuwägen - zwischen den Risiken einer ungebremsten Ausbreitung der Omikron-Variante und den Schäden für die Allgemeinheit, wenn immer mehr Menschen aufgrund der Quarantäne-Regeln in ihrem Beruf ausfallen.

BW-Sozialministerium wartet auf RKI-Empfehlung

Baden-Württemberg will in der Diskussion um kürzere Quarantänefristen bei Ausbreitung der Omikron-Variante aktuelle Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts abwarten. Sollte es wissenschaftliche Kriterien für kürzere Quarantänefristen geben, werde sich auch die Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag damit befassen, teilte das Gesundheitsministeriums auf SWR-Anfrage mit.

Das Robert-Koch-Institut habe bereits bei früheren Corona-Wellen für Beschäftigte der kritischen Infrastruktur Ausnahmen bei den Quarantäneregeln empfohlen, so ein Ministeriums-Sprecher gegenüber dem SWR. Diese Empfehlung sei allerdings aufgehoben worden, als Impfstoffe zur Verfügung standen. Wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante soll es nun eine aktualisierte Bewertung geben, an der werde sich das Land orientieren. Soweit im Einzelfall erforderlich, könnten allerdings auch Ausnahmen von Quarantäneregelungen durch das Gesundheitsamt getroffen werden. Im Gespräch mit SWR Aktuell geht der Corona-Experte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen davon aus, dass die Omikron-Quarantänezeit bald verkürzt wird. In anderen Ländern - etwa in Frankreich - wurden die Quarantäne-Regeln bereits gelockert.

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Sonntag (3. Januar) dem ZDF: "Wir denken in der Tat über verkürzte Quarantäne- und Isolationszeiten nach." Angesichts der zu erwartenden hohen Fallzahlen brauche es andere Quarantäne-Dauern, so der Bundesgesundheitsminister weiter. Der Schritt müsse jedoch gut vorbereitet sein, sodass es keine Widersprüche gebe und kein Risiko eingegangen werde. Am Freitag (7. Januar) beraten Bund und Länder bei ihrer nächsten Schaltkonferenz über das weitere Vorgehen.

Corona-Experte Zeeb: Omikron-Quarantäne-Zeit wird wohl verkürzt

Die Zahl der Corona-Infektionen steigen weiter: Das Robert Koch-Institut gibt die Sieben-Tage-Inzidenz für Montag mit 232,4 an - nach 222,7 am Sonntag. Der Anstieg dürfte auch an der Omikron-Variante liegen. In einigen Regionen Deutschlands hat sie schon die Oberhand gewonnen. Daten aus Südafrika, den USA, Großbritannien und Dänemark zeigen aber: Omikron ist zwar sehr ansteckend, die Krankheitsverläufe scheinen im Durchschnitt aber milder zu sein. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern geht der Corona-Experte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen deshalb davon aus, dass die Omikron-Quarantänezeit bald verkürzt wird.  mehr...

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Baden-Württemberg

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