Eine Person zeigt auf einem Smartphone auf das Symbol der Luca-App.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Vorwürfe von Chaos Computer Club und Jan Böhmermann

Baden-Württembergs Gesundheitsministerium empfiehlt Luca-App trotz Kritik

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Die Luca-App ist der Favorit bei der Suche nach einem digitalen Tool zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Doch an der Entwicklung eines Berliner Start-ups gibt es Kritik. Das baden-württembergische Sozialministerium positioniert sich klar.

Trotz Kritik an der Luca-App empfiehlt das Sozialministerium den Menschen in Baden-Württemberg, die Technik zur Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen zu nutzen. "Die Luca-App ist einer von vielen wichtigen Bausteinen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen", sagte ein Sprecher in Stuttgart. Wichtig sei für das Land vor allem, dass die Nutzung der App auf allen gängigen Smartphones möglich und für alle Bürgerinnen und Bürger sowie die teilnehmenden Betriebe kostenlos sei.

Zudem erfülle die App die hohen Anforderungen des Datenschutzes, so der Sprecher. Das habe der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg dem Ministerium gleich zweimal bestätigt.

Luca-App soll bei Kontaktnachverfolgung helfen

Luca versucht, der Zettelwirtschaft bei Restaurant-Besuchen und anderen Events ein Ende zu bereiten, bei denen man sich bislang in der Regel in Papierlisten eintragen musste. Zwar kann man sich bei der Check-in-App des Berliner Start-ups Nexenio auch unter falschem Namen eintragen. Aber bei der Angabe der Mobiltelefonnummer sei Mogeln nur schwer möglich, weil diese mit einer SMS bestätigt wird. So wüssten die Gesundheitsämter immerhin, wie jemand erreichbar ist.

Die Macher der Luca-App versprechen, dass die Einträge nur im Infektionsfall von den Gesundheitsämtern eingesehen werden - und das auch nur, wenn die Anwender dem zustimmen. Das Verfahren sei durch eine doppelte Verschlüsselung abgesichert. Unter anderem hatte Smudo, Sänger von den Fantastischen Vier, die App beworben.

Hintergrund ist unter anderem, dass die Corona-Warn-App des Bundes nicht so stark genutzt wird wie von der Politik erhofft und dass die Infektionsschutzverordnungen der Bundesländer sich nicht mit der anonymen Erfassung von Risiko-Begegnungen begnügen. Gesundheitsämter sollen im Zweifelsfall auf die kompletten Kontaktdaten zurückgreifen können, um Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen.

Kritik an zentraler Speicherung der Daten

Kritiker der Luca-App etwa aus dem Chaos Computer Club bemängelten unter anderem, dass Daten im Gegensatz zur anonymen Corona-Warn-App des Bundes zentral gespeichert werden. Dies wecke Begehrlichkeiten bei Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten. Außerdem seien die Macher nicht sauber mit Lizenzen sogenannter Open-Source-Komponenten umgegangen. ZDF-Moderator Jan Böhmermann wollte zudem zeigen, wie manipulationsanfällig die Anwendung ist, weil sie nicht überprüft, ob die Nutzer beim Einchecken tatsächlich vor Ort sind. Er forderte per Twitter auf, sich per QR-Code im Zoo Osnabrück einzuchecken.

Zudem gibt es Kritik von Konkurrenten an der Vergabe an die Luca App. So etwa von der Vidavelopment GmbH, die mit der Vida App eine ähnliche Lösung anbietet. Geschäftsführer Robel Haile beklagt ein intransparentes Vergabeverfahren. In Mecklenburg-Vorpommern habe sein Unternehmen deshalb ein Nachprüfverfahren der Vergabe beantragt. Sollte dieses Erfolg haben, würden sie auch in Baden-Württemberg rechtliche Schritte veranlassen, sagte Haile.

Zahlreiche Bundesländer beschaffen Lizenzen für Luca-App

Mehrere Bundesländer setzen aber auf die App, so auch Baden-Württemberg. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hatte Ende März verkündet, Lizenzen für den flächendeckenden Einsatz beschafft zu haben. "Die App soll landesweit dabei helfen, Kontakte im Fall einer Corona-Infektion nachvollziehen zu können", erklärte er dazu.

Wie neun andere Länder habe das Land die Anbieter des Luca-Systems in einem gemeinsamen Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb beauftragt, erläuterte der Ministeriumssprecher. "Die Vergabestelle, die das Verfahren für die zehn Länder durchgeführt hat, hat diese Form der Vergabe umfassend geprüft und für rechtlich zulässig erachtet. Ein Markterkundungsverfahren hat stattgefunden." Das Land habe zunächst einen Einjahresvertrag abgeschlossen.

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