Luca-App (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Umstrittene App

Corona-Kontakte: BW-Gesundheitsämter nutzen Daten aus Luca-App kaum noch

STAND

Die Luca-App zur Corona-Kontaktnachverfolgung wird von den Gesundheitsämtern in Baden-Württemberg kaum noch eingesetzt. Die App war von Beginn an umstritten.

Im März hat Baden-Württemberg damit begonnen, Kontakte nach Corona-Infektionen landesweit mit der Luca-App nachzuverfolgen. Jetzt ist klar, dass die Gesundheitsämter dies kaum noch nutzen. Das geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Landtags-Anfrage der FDP hervor, die dem SWR vorliegt.

Darin heißt es, Corona-Infizierte hätten wegen der Öffnungen inzwischen mehr Kontakte, was zu einem größeren Ermittlungsaufwand für die Gesundheitsämter führe. Daher gebe es einen Strategiewechsel beim Kontaktpersonen-Management. Im Mittelpunkt stünden jetzt Ausbruchsgeschehen und der Schutz vulnerabler Gruppen.

FDP-Abgeordneter: Kapitulation der Gesundheitsämter

Der FDP-Abgeordnete Daniel Karrais spricht gegenüber dem SWR von einer Kehrtwende. Man habe vor dem Stand der Gesundheitsämter als Erlebnis-Museen mit Fax-Geräten kapituliert.

Aus der Antwort des Ministeriums gehe für ihn hervor, dass sich das Land im Frühjahr ohne Vergabeverfahren auf die Luca-App festgelegt habe, obwohl andere Anbieter bekannt waren.

Probleme bereits im August aufgetreten

Bereits im August musste das baden-württembergische Gesundheitsministerium einräumen, dass es durch die Luca-App keine konkreten Zahlen über die Kontaktnachverfolgung gibt.

BW nutzt App seit dem Frühjahr Kontaktnachverfolgung? Ministerium hat keinen Überblick über Wirksamkeit der Luca-App

Die Luca-App soll in Baden-Württemberg dabei helfen, Kontakte nachzuverfolgen. Doch das Gesundheitsministerium hat offenbar keine Kontrolle darüber, ob dies wirklich funktioniert.  mehr...

Luca-App von Beginn an umstritten

Kritiker der Luca-App etwa bemängelten unter anderem, dass Daten im Gegensatz zur anonymen Corona-Warn-App des Bundes zentral gespeichert werden. Dies wecke Begehrlichkeiten bei Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten. Zudem gab es Kritik von Konkurrenten an der Vergabe an die Luca-App. Auch die Opposition kritisiert die Vergabe der App für 3,7 Millionen Euro ohne Ausschreibung.

Trotz der Kritik an der Luca-App empfahl das Sozialministerium im Frühjahr den Menschen in Baden-Württemberg, die Technik zur Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen zu nutzen. "Die Luca-App ist einer von vielen wichtigen Bausteinen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen", sagte ein Sprecher damals.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Pläne zur Impfpflicht werden konkreter

2G- und 3G-Regeln, Corona-Zahlen und Impfungen: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg hier im Live-Blog.  mehr...

Baden-Württemberg

Vorwürfe von Chaos Computer Club und Jan Böhmermann Baden-Württembergs Gesundheitsministerium empfiehlt Luca-App trotz Kritik

Die Luca-App ist der Favorit bei der Suche nach einem digitalen Tool zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Doch an der Entwicklung eines Berliner Start-ups gibt es Kritik. Das baden-württembergische Sozialministerium positioniert sich klar.  mehr...

Baden-Württemberg

Im Einsatz gegen die Corona-Pandemie Sozialminister überzeugt von Luca-App - Kritik aus BW an Satiriker Jan Böhmermann

So schnell wie möglich raus aus dem Corona-Lockdown - mit Hilfe der Luca-App. Baden-Württembergs Sozialminister Lucha ist überzeugt davon, auch wenn es bereits Seitenhiebe gibt.  mehr...

Stuttgart

Kontaktnachverfolgung bei Corona-Ausbrüchen Stuttgart: Smudo weist Kritik an Luca-App zurück

Wie sicher ist die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung von Coronafällen? Der Stuttgarter Rapper Smudo von den Fantastischen Vier, der die App mit entwickelt hat, weist die Kritik scharf von sich.  mehr...

Baden-Württemberg

Persönliche Daten werden trotzdem weiter erfasst Corona-Strategie: Baden-Württemberg will auf massenhafte Kontaktverfolgung verzichten

In Baden-Württemberg sollen die Gesundheitsämter nicht mehr alle Kontakte nachverfolgen müssen. Einen Verzicht auf die Luca-App und die persönlichen Daten wie in NRW soll es aber nicht geben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN