Schulkinder einer fünften Klasse nehmen am Unterricht teil. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Mehr Präsenzunterricht

Nächste Corona-Lockerung für Schulen in Baden-Württemberg

STAND

Baden-Württemberg geht am 15. März den nächsten Öffnungsschritt bei den Schulen im Land. Das sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstagmittag dem SWR.

"Übernächste Woche werden wir weitere Öffnungsschritte bei den Grundschulen machen, aber auch bei den Fünft- und Sechstklässlern sind weitere Öffnungsschritte eingeleitet", sagte der Grünen-Politiker.

Präsenzunterricht für Fünft- und Sechstklässler

In den weiterführenden Schulen sollen zunächst die Klassen 5 und 6 wieder Präsenzunterricht im Wechselbetrieb bekommen. Das ganze gilt ab Montag übernächster Woche (15. März) bis zu den Osterferien. Es sollen alle Schülerinnen und Schüler ins Schulgebäude kommen und dort auf mehrere Räume verteilt werden.

An Grundschulen nach Wechselunterricht dann Regelbetrieb

An Grundschulen in Baden-Württemberg solle es ab 15. März wieder "eingeschränkten Regelbetrieb" geben, so Kretschmann. Das heißt, die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt. An den Grundschulen im Land gab es in den vergangenen zwei Wochen bereits Wechselunterricht. Die Vermischung von Notbetreuung und Wechselunterricht habe sich nicht bewährt, so Kretschmann.

In Baden-Württemberg sind außerdem die Abschlussklassen teilweise wieder im Präsenzunterricht. Wann es für die Mittelstufe wieder losgeht, soll erst später entschieden werden.

GEW begleitet Öffnungsschritt kritisch

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält den Öffnungsschritt für die Klassen 5 und 6 für möglich, knüpfte dies jedoch an Bedingungen. Die Landesregierung müsse garantieren, dass am 15. März an allen Schulen für die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte Schnelltests vorhanden seien, sagte GEW-Landeschefin Monika Stein laut Mitteilung am Donnerstag in Stuttgart. Außerdem müssten die Infektionszahlen und die Gefahr durch Virusmutationen dies zulassen.

Darüber hinaus werde für den Wechselunterricht mehr Personal benötigt, betonte die GEW. "Lehrkräfte, die in den Klassenzimmern der Klassen 5 und 6 stehen, können nicht gleichzeitig die anderen Klassen online unterrichten", sagte Stein. Der Organisationsaufwand für die Schulleitungen sei enorm. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse endlich sagen, warum sie seit Monaten die Vorschläge für mehr Personal ignoriere.

Philologenverband nennt Öffnung für Unterstufe fahrlässig

Weitaus kritischer sieht der Philologenverband Baden-Württemberg den geplanten Öffnungsschritt für Fünft- und Sechstklässler. Es sei absehbar, dass wegen der Virusvariationen die Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen wieder schnell ansteigen würden, sagte der Landesvorsitzende Ralf Scholl am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. "Solange wir das nicht in den Griff kriegen, fliegt uns das um die Ohren, und wir gehen zu Ostern in einen noch härteren Lockdown, als wir ihn bisher hatten." Der geplante Präsenzunterricht in der Unterstufe ab 15. März führe dazu, dass wieder zigtausende Schülerinnen und Schüler unterwegs seien.

Pädagogisch sei es zwar wichtig, dass diese Kinder wieder in Präsenz unterrichtet würden. Doch das nütze ja nichts, wenn die Inzidenzen wieder durch die Decke gingen. Scholl beklagte, dass für die Schnelltests bei Schülern noch keine Strukturen aufgebaut seien. Wenn Schülerinnen und Schüler ins Schulgebäude kämen, müssten sie unbedingt zweimal pro Woche getestet werden.

BW-Kultusministerin für frühere Schulöffnung

Kultusministerin Eisenmann, die zugleich CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 14. März ist, wollte eigentlich schon am kommenden Montag (8. März) den nächsten Öffnungsschritt gehen. Doch Kretschmann hatte sich skeptisch gezeigt, ob es so schnell gelingen könne, die Wiedereröffnung der Schulen mit genügend Schnelltests bei Schülerinnen und Schülern abzusichern.

BW-Ministerpräsident für kürzere Schulferien

Ministerpräsident Kretschmann hatte unterdessen kürzere Sommerferien ins Gespräch gebracht, um Unterrichtsstoff nachzuholen. Der Vorstoß stieß bei Lehrergewerkschaften und dem baden-württembergische Kultusministerium jedoch auf deutliche Ablehnung. "Da habe ich laut gedacht", verteidigte Kretschmann am Donnerstag seine Idee im SWR. "Das sollte man als Ministerpräsident übrigens nie machen." Man müsse zunächst die Eltern und Lehrkräfte "intensiv befragen", welche Möglichkeiten es gebe, abgehängte Schülerinnen und Schüler wieder auf Stand zu bringen.

Baden-Württemberg

Sorgen um Folgen der Coronavirus-Pandemie für Kinder Heftige Diskussion über Kretschmann-Vorschlag zu verkürzten Schulferien

Helfen verkürzte Ferien, um wegen der Corona-Pandemie verpassten Unterricht in Baden-Württemberg wieder aufzuholen? Ministerpräsident Kretschmann hält dies für denkbar, will aber Eltern und Lehrkräfte befragen  mehr...

Die Bund-Länder-Runde am Mittwoch hatte den Ländern bei der Frage weiterer Schulöffnungen wieder freie Hand gegeben. In dem Beschluss heißt es lediglich: "Für einen sicheren Schulbetrieb und eine sichere Kinderbetreuung stellen die Länder im Rahmen von Testkonzepten sicher, dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten. Soweit möglich soll eine Bescheinigung über das Testergebnis erfolgen."

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Kretschmann äußert sich nach Bund-Länder-Beratungen Maßnahmen in Baden-Württemberg: Terminshopping möglich - Gastronomie bleibt geschlossen

Bund und Länder haben sich nach langen Verhandlungen auf eine Strategie zur weiteren Eindämmung des Coronavirus geeinigt. Am Donnerstag konkretisierte Regierungschef Kretschmann die Beschlüsse und die Auswirkungen für Baden-Württemberg.  mehr...

Baden-Württemberg

Entscheidungen nach Bund-Länder-Runde Baden-Württemberg geht bei Öffnungen im Lockdown mit - Klarheit für Einzelhandel, Ungewissheit bei Schulen

Der Lockdown wird gelockert - mit einem Stufenkonzept. Kreise mit niedrigen Infektionszahlen dürfen mehr. Es soll sich lohnen sich anzustrengen vor Ort, sagt die Kanzlerin. Baden-Württemberg muss das jetzt umsetzen - spannend bleibt die Schulfrage.  mehr...

Baden-Württemberg

Sorgen um Folgen der Coronavirus-Pandemie für Kinder Heftige Diskussion über Kretschmann-Vorschlag zu verkürzten Schulferien

Helfen verkürzte Ferien, um wegen der Corona-Pandemie verpassten Unterricht in Baden-Württemberg wieder aufzuholen? Ministerpräsident Kretschmann hält dies für denkbar, will aber Eltern und Lehrkräfte befragen  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Hospitalisierungs- und Inzidenzwerte sinken

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Südwesten

Wie schütze ich mich? Wie ist die Lage in meinem Heimatort? Coronavirus: Alles Wichtige für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Coronavirus: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Wie kann ich mich schützen? Hier finden Sie alles Wichtige für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.  mehr...

STAND
AUTOR/IN