OP-Tisch mit Instrumentarium (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Maurizio Gambarini)

Arthrose- und Krebs-Patienten leiden

Corona-Krise: Kliniken in BW verschieben die Hälfte der planbaren OPs

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Viele Intensivstationen in BW sind mit Covid-Erkrankten ausgelastet. Andere Patienten, die an Krebs oder Arthrose leiden, haben das Nachsehen. Oft werden ihre OPs nun verschoben.

"Ich versuche, das rational zu sehen, doch manchmal überkommt mich die Wut", erzählt eine ehemalige Pflegerin, die am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm auf eine Hüft-OP wartet. Wegen der starken Auslastung der Intensivstationen wurde ihre Operation auf unbestimmte Zeit verschoben.

Es gebe Tage, da könne sie kaum laufen, so die 63-Jährige in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Ungewissheit und der Umgang mit den Schmerzen belaste sie mittlerweile so sehr, dass sie mit Depressionen zu kämpfen habe.

Vielfach verschoben: Orthopädische Eingriffe und Krebs-OPs

Nicht nur Arthrose-Patientinnen und -Patienten, die etwa auf eine Hüft- oder Kniegelenks-Operation warten, leiden. Auch Menschen, die an Krebs erkrankt sind oder auf eine Herz-OP warten, sind von Verschiebungen betroffen. Landesweit werden nach Angaben der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) mittlerweile rund 50 Prozent aller planbaren OPs verschoben.

Heidelberg

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Hintergrund ist demnach die hohe Zahl an Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden muss. Das hierfür benötigte Pflegepersonal fehlt für die Nachsorge von Patientinnen und Patienten auf einer Intensivstation nach einer planbaren Operation. In der Folge werden diese Eingriffe immer häufiger abgesagt oder verschoben.

Kliniken in Baden-Württemberg verschieben viele OPs

So hat etwa das Uniklinikum Ulm am vergangenen Dienstag angekündigt, ab sofort planbare Behandlungen, soweit medizinisch vertretbar, zu verschieben oder auszusetzen. Am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart werden nach Angaben des Hauses bereits seit Ende Oktober wieder planbare OPs verschoben. Inzwischen müssten auch Herz- und Tumoroperationen zeitweise verschoben werden, hieß es in Stuttgart. Allein auf der Warteliste der Herzchirurgie befänden sich bereits rund 200 Patientinnen und Patienten.

Auch an den Unikliniken in Heidelberg und Freiburg werden planbare Eingriffe mittlerweile wieder verschoben. Am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen ist dies laut einer Sprecherin bereits seit zwei Wochen der Fall.

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Bundesweit sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft bereits drei Viertel aller Kliniken nicht mehr im Normalbetrieb und müssen OPs aufschieben. "Die Lage ist wirklich zunehmend dramatisch und führt bei einem Teil der abgesetzten Behandlungen auch zu körperlichen und psychischen Belastungen bei den betroffenen Patienten", teilte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, in Berlin mit.

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