Stillgelegte Flugzeuge der Lufthansa stehen auf dem Vorfeld am Flughafen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Sinkende Passagierzahlen in BW

Corona bringt Flughäfen in Turbulenzen

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Reisewarnungen, Corona-Tests, Quarantäne: Reisen war 2020 teils unattraktiv, teils unmöglich. Flughäfen schreiben tiefrote Zahlen. Und 2021 verspricht nur wenig besser zu werden.

Leere Schalterhallen, überschaubare Abflugtafeln, kaum Flugverkehr: An den Flughäfen in Land ist es seit Beginn der Corona-Krise ungewohnt ruhig – mit spürbaren Auswirkungen auf die Bilanzen. Vom Baden-Airpark bei Karlsruhe aus starteten zwei Drittel weniger Passagiere als im Vorjahr. Der Flughafen Friedrichshafen meldet sogar einen Rückgang um drei Viertel. Ähnlich sieht es auch am wichtigsten Flughafen des Landes in Stuttgart aus.

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Wie in der gesamten Reisebranche sind die Buchungen dramatisch eingebrochen. Für den Flughafen Stuttgart bedeutet das aktuell: Lediglich 15.000 Passagiere starten oder landen hier pro Woche. Bis Ende 2020 wird der Flughafen voraussichtlich rund 3,2 Millionen Passagiere abgefertigt haben. Im Rekordjahr 2019 waren es noch 12,7 Millionen. Das bringt den Flughafen auch in finanzielle Schwierigkeiten, das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen. Beim Jahresergebnis erwarten die Verantwortlichen einen Verlust im höheren zweistelligen Millionenbereich.

"Wirtschaftlich war es ein Katastrophenjahr. Wir haben Schulden aufgenommen – aber nicht für Neubauprojekte, nicht um Investitionen zu tätigen, sondern um den Betrieb sicherzustellen."

Passagierrückgang auch an den Flughäfen Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden

Noch düsterer sieht die Umsatzentwicklung beim Bodensee-Airport in Friedrichshafen aus, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr erwartet ein Minus von mindestens 80 Prozent bei den Erlösen, die 2019 bei 9,5 Millionen Euro gelegen hatten. Der Airport Karlsruhe/Baden-Baden rechnet mit einem Umsatzrückgang von gut 50 Prozent auf rund 11,5 Millionen Euro.

Auch in allen anderen relevanten Kategorien ist die Lage prekär. Bei den Passagierzahlen schneidet der Baden-Airpark mit einem erwarteten Rückgang von 70 Prozent auf etwa 400 000 Fluggäste noch am besten ab. Beim Bodensee-Flughafen geht Chef Wehr – ähnlich wie seine Kollegen in Stuttgart – von einem 75-prozentigen Minus zum Jahresende auf rund 121 000 Fluggäste aus. Auch die Zahl der Starts und Landungen ist 2020 bei allen drei Airports deutlich gesunken – am drastischsten in der Landeshauptstadt, wo ein Einbruch von 65 Prozent auf nur noch 38 500 Flugbewegungen erwartet wird.

Baufahrzeuge sind auf der Start- und Landebahn des Flughafens Stuttgart zu sehen. Wegen der Erneuerung der Start- und Landebahn war der Flughafen geschlossen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Glück im Unglück: Während des ersten Corona-Lockdowns hat der Stuttgarter Flughafen die chance genutzt und seine Start- und Landebahn erneuert. picture alliance/dpa | Marijan Murat

Angesichts der Dramatik drängen Branchenvertreter auf schnelle Beschlüsse zu staatlichen Corona-Hilfsgeldern, über die Bund und Länder demnächst entscheiden dürften. Nach Planungen der Bundesregierung soll der Bund die Hälfte der vorgesehenen Hilfen in Höhe von einer Milliarde Euro übernehmen, den Rest sollen die Länder aufbringen. Konkret ist dazu allerdings auch zweieinhalb Wochen nach dem Bekanntwerden dieses Aufschlags noch nichts entschieden. Das baden-württembergische Verkehrsministerium argumentiert, vom Bund liege – abseits einer allgemeinen Ankündigung – noch kein „konkreter und belastbarer Vorschlag“ über mögliche Finanzhilfen für die Flughäfen vor.

Ausblick ungewiss: Flughäfen rechnen nur mit langsamer Erholung

Für das kommende Jahr rechnet die Geschäftsführung des Flughafens Stuttgart mit einer leichten Erholung auf etwas mehr als 6 Millionen Passagiere. Ein Lichtblick seien die beiden die Corona-Impfstoffe, die demnächst auch in Europa verfügbar sein sollen. Ein entscheidendes Hemmnis für eine Wiederbelebung des Luftverkehrs seien aber weiter die internationalen Quarantäneregeln. Wenn Menschen von einem in ein anderes Land reisen, müssen sie sich in Corona-Zeiten häufig erst mal für mehr als eine Woche in Selbstisolation begeben. Das macht das Reisen höchst unattraktiv.

Das Rekordniveau von 2019 wird wohl erst Mitte der 2020er-Jahre wieder erreicht, glaubt Stuttgarts Co-Geschäftsführerin Arina Freitag. Vor allem die Rolle der Lufthansa sorgt sie. Der Konzern ist einer der wichtigsten Kunden und in Stuttgart groß mit seiner Tochter Eurowings vertreten. Allerdings will die Lufthansa dauerhaft mindestens 150 Flugzeuge der Konzernflotte nicht mehr abheben lassen und Zehntausende Jobs streichen.

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