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Die Corona-Fallzahlen sind in Baden-Württemberg im Vergleich zur Vorwoche leicht gesunken. Doch das könnte auch eine Feiertags-Verfälschung sein.

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Heiligabend, Weihnachtsfeiertage, zwischen den Jahren, Silvester - in dieser Jahreszeit häufen sich nicht nur die gesetzlichen Feiertage, viele Menschen haben auch Urlaub. Das bedeutet, dass weniger Menschen zu Corona-Tests machen. Die Testkapazitäten sind zudem heruntergeschraubt. Schließlich müssen auch Labor-Mitarbeiter einmal frei haben. Die Corona-Zahlen fallen damit erstmal moderater aus als sie womöglich sind.

RKI meldet 25.533 neue Corona-Fälle (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Viele Menschen in ganz Deutschland haben sich vor Weihnachten testen lassen - danach fällt die Zahl der Testungen massiv ab. Und damit vorerst auch die Zahl der Neuinfektionen. picture alliance/dpa | Marijan Murat

Am Wochenende sinken die Corona-Zahlen

An den Wochenenden finden üblicherweise weniger Arztbesuche und somit auch weniger Testungen statt, was sich regelmäßig in einem Rückgang der Meldefälle von Samstag bis Dienstag zeigt. Das bestätigte das Gesundheitsamt Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage.

An den Wochentagen Mittwoch bis Freitag werden üblicherweise die höchsten Fallzahlen beobachtet, so das Amt weiter. Das war auch am Weihnachts-Wochenende der Fall: Waren es am Freitag (18. Dezember) noch 4.284 neu gemeldete Corona-Fälle, fiel die Zahl am Samstag bereits um rund tausend Fälle und hat sich bis zum Sonntag beinahe halbiert (2.363).

Neuinfektionen in BW verringern sich auffällig ab Heiligabend

Viele Menschen haben sich sicherlich noch kurz vor dem Weihnachtsfest mit der Familie testen lassen. Laut dem Landesgesundheitsamt setzte dann aber ab Heiligabend (24. Dezember) ein Rückgang der Corona-Zahlen ein. Waren es am 24. Dezember noch knapp 3.500 Fälle, wurden bereits am Tag darauf nur noch 1.947 Neuinfektionen gemeldet. Am 27. Dezember, also nach den Weihnachtsfeiertagen, lag die Zahl gerade mal noch bei 1.136 - weniger als die Hälfte der gemeldeten Fälle an Heiligabend.

Maske am Baum (Foto: dpa Bildfunk, Robert Michael)
Ob es über Weihnachten tatsächlich weniger Corona-Neuinfektionen gab oder nur weniger festgestellt wurden, vermag derzeit niemand zu sagen. Robert Michael

Tatsächlicher Rückgang kann derzeit nicht bewertet werden

Ob sich hinter dem Rückgang der Fallzahlen ein tatsächlicher Rückgang an Infektionen verbirgt, kann ohne weitere Angaben nicht beurteilt werden, so das Landesgesundheitsamt. Wichtig hierfür sei die Zahl der insgesamt durchgeführten Testungen. Deutschlandweit sind die Tests um circa 500.000 zurückgegangen. Das entspricht etwa einem Drittel, erklärt SWR-Datenjournalist Johannes Schmid-Johannsen.

"Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass tausende Ansteckungen unentdeckt geblieben sind. In der vergangenen Woche könnten deshalb 50.000 bis 60.000 Fälle fehlen."

Johannes Schmid-Johannsen, Datenjournalist beim SWR

"Jo-Jo-Effekt" durch weniger Kontaktverfolgung denkbar

Weniger Tests bedeuten laut Schmid-Johannsen auch, dass die Nachverfolgung von Infektionsketten deutlich heruntergefahren wurde. Denn werden die Infektionsfälle nicht durch einen Test bekannt, wird auch nicht im Umfeld des Infizierten nach Neu-Ansteckungen gesucht. "Das könnte einen Jo-Jo-Effekt auslösen", warnt Schmid-Johannsen.

KSK unterstützt Gesundheitsamt in Calw. (Foto: SWR)
Wenn ein Corona-Fall nicht bekannt wird, wird auch nicht im Umfeld des Betroffenen nach weiteren Infizierten gesucht. Infektionsketten werden damit stetig unübersichtlicher.

Tatsächliches Infektionsgeschehen womöglich erst im Februar klar

Viele Menschen in Baden-Württemberg kehren nach den Feiertagen und Neujahr wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Laut Schmid-Johannsen besteht das Risiko, wenn am 10. Januar das normale Leben wieder hochgefahren würde, dass es "dann erst recht zu vielen Neuansteckungen kommt". Wie die Corona-Lage im Land also tatsächlich ist, wird unter Umständen erst im Februar deutlich, so Schmid-Johannsen weiter.

"Im Grunde kann man anhand der Daten der Gesundheitsämter erst im Februar wieder sehen, wie die Lage wirklich ist. Dazu müssten die Tests wieder ausgeweitet und die Gesundheitsämter nochmal deutlich verstärkt werden."

Johannes Schmid-Johannsen, Datenjournalist beim SWR

Bund und Länder wollen am 5. Januar darüber entscheiden, ob der bestehende Lockdown verlängert wird. Ursprünglich war er bis zum 10. Januar angedacht.

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