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In verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg kam es zuletzt vermehrt zu Todesfällen wegen Corona. Woran liegt das? Das zuständige Ministerium verweist auf die Knappheit an Impfstoff.

In zwei Einrichtungen, die unter die Trägerschaft der Johannes-Diakonie mit Sitz in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) fallen, sind in den letzten Tagen vermehrt Corona-Infektionen und auch Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion aufgetreten. Nach einem aktuellen Corona-Ausbruch in Wohnhäusern der Johannes-Diakonie in Schwarzach (Neckar-Odenwald-Kreis) sind nach SWR-Recherchen rund 40 Bewohnerinnen und Bewohner und mehrere Pflegekräfte in Quarantäne. Ein erkrankter Bewohner sei inzwischen verstorben, so ein Sprecher.

Bisher 40 Corona-Infizierte und ein Todesfall in Schwarzach

Die Betroffenen in Schwarzach zeigten bislang das gesamte Spektrum einer Infektion mit dem Coronavirus - von komplett symptomfrei bis hin zu einigen schweren Verläufen und einem Todesfall. Alle lebten in zwei Wohnhäusern auf dem Schwarzacher Gelände der Johannes-Diakonie, seien geistig behindert, körperlich aber mobil und gehören deswegen nicht zur Impfpriorität eins. Anders die Pflegefälle im Bereich der Behinderteneinrichtung. Während die zu pflegenden Personen hier bereits durchgeimpft seien, soweit sie das wollten, warteten die mobilen Menschen mit Behinderung teilweise noch auf die Impfung. In Schwarzach sind Mobile Impfteams für die beeinträchtigten Bewohner seit Anfang April zugange, bestätigte die Diakonie.

So berichtete SWR Aktuell über die Lage in Pflegeheimen:

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Mittlerweile elf Corona-Tote in Lahrer Pflegeeinrichtung

Auch in einem Wohn- und Pflegeheim für Menschen mit Behinderung in Lahr (Ortenaukreis) sind mittlerweile elf Menschen am Coronavirus gestorben. Der zuständige Träger: ebenfalls die Johannes-Diakonie. Die Bewohner hätten früher geimpft werden müssen, heißt es in einem öffentlichen Schreiben. Der Corona-Ausbruch hätte dadurch in seiner Heftigkeit verhindert werden können. 24 der Menschen, die im Heim leben, seien stark pflegebedürftig. Sie würden bei der Impfreihenfolge unstrittig zur Prioritätsgruppe eins gehören. Das Ortenauer Landratsamt sagt: Die mobilen Impfteams hätten sich an die Vorgaben gehalten. Das Lahrer Pflegeheim sei nicht unter Priorität eins aufgeführt worden. Damit habe es auch keine Verzögerungen gegeben.

Ministerium weist Kritik von sich

Das zuständige Sozialministerium weist Kritik von sich: Die Mobilen Impfteams arbeiteten unter Hochdruck daran, zunächst die Alten- und Pflegeheime und nun andere stationäre Einrichtungen, etwa der Eingliederungshilfe, möglichst schnell durchzuimpfen. "Aber sie können nur so schnell impfen, wie Impfstoff verfügbar ist. In den ersten Wochen stand einfach sehr wenig Impfstoff zur Verfügung, und noch immer haben wir Mangel. Das soll ja - sofern die zugesagten Lieferungen kommen - demnächst anders werden", lässt das Ministerium schriftlich mitteilen.

Seit Mitte Februar impfberechtigt

Menschen mit geistigen Behinderungen sind nach der Corona-Impfverordnung des Landes nach der zweiten Priorität impfberechtigt. Auch die Einrichtungen der Eingliederungshilfe, wie Wohnheime, teilstationäre Einrichtungen und auch Werkstätten für behinderte Menschen mit angeschlossenen Förderstätten sind nach der zweiten Priorität impfberechtigt und werden durch Mobile Impfteams aufgesucht. Die dort lebenden und arbeitenden Menschen werden vor Ort geimpft, so eine Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums. Diese Gruppe ist seit Mitte Februar impfberechtigt, wie aus einer Pressemitteilung des Ministeriums hervorgeht.

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