Studierende zahlen in Stuttgart viel Geld fürs Wohnen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Wieder Präsenzunterricht für Studierende

Uni Stuttgart: "Kleine Hörsäle sollen flächendeckend kontrolliert werden"

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Am 1. Oktober ist Semesterbeginn in Baden-Württemberg. Studierende kehren nach langer Zeit wieder zurück an ihre Unis - auch in Stuttgart. Doch nur mit Kontrollen der 3G-Regeln.

Für viele Studierende im Land war es ein hartes Jahr. Durch den Fernunterricht fielen viele Dinge weg, die das Studentenleben ausmachen: der Kaffee mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, das Diskutieren nach der Veranstaltung oder die Uniparty. Im Prüfungsjahr 2020 erwarben nur rund 477.000 Absolventinnen und Absolventen einen Abschluss an deutschen Hochschulen. Das waren demnach sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Präsenzunterricht für einen geregelten Studentenalltag

Aktuell ist der Präsenzbetrieb an den Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg unter Einhaltung der 3G-Regel erlaubt. Studierende dürfen nur kommen, wenn sie nachweislich geimpft, genesen oder getestet sind. So steht es in der Corona-Verordnung Studienbetrieb, die seit etwa einer Woche in Kraft ist. Lehrveranstaltungen können damit erstmalig auch wieder ohne Mindestabstände stattfinden. Dann gilt allerdings Maskenpflicht.

Wie sieht das in der Realität aus? Der Rektor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel, gibt im SWR-Interview einen Einblick in den neuen Unialltag. Zu Semesterbeginn werden in Stuttgart immerhin die Hälfte aller Studierenden die Möglichkeit haben, ihre Vorlesungen auf dem Campus zu erleben. Das hat die Uni Stuttgart für sich entschieden. "Knackpunkt ist, der auch angemahnt wird, dass die Uni Stuttgart viele kleine Hörsäle hat", sagte Ressel dem SWR am Freitag. In einigen davon gibt es beispielsweise nur eingeschränkte Möglichkeiten zum Lüften.

Rektor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Der Rektor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel, freut sich darüber, dass wieder Leben auf den Campus kommt. (Archivbild) picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Die Entscheidung, wer wer aufgrund der 50-Prozentregel dann beim Wechselbetrieb welche Lehrveranstaltung darf, erfolgt über das Matrikel-Modell und wird nach geraden und ungeraden Zahlen festgelegt. Jeder bekommt einen Ausweis, auf dem hinterlegt wird, welchen 3G-Nachweis der Studierende oder Lehrende hat. Auf dem Campus der Uni Stuttgart soll es sogenannte Verifikationssäulen geben, wo der Ausweis gescannt werden kann. "Parallel dazu werden Stichprobenkontrollen veranlasst, vor allem bei größeren Hörsälen. Bei kleineren Hörsälen soll es flächendeckende Kontrollen geben", erklärte Ressel.

Problem der Präsenz: der Umgang mit den Ungeimpften

Doch mit der Möglichkeit, wieder in Präsenzlehre zu gehen, kommt auch eine Herausforderung einher: der Umgang mit den Ungeimpften. Die Impfquote darf an den Universitäten nicht abgefragt werden. "Es gibt einen kleinen Prozentsatz, der sich nicht impfen lassen will oder es nicht darf. Diese haben einen Nachweis vom Arzt", sagte Ressel.

"Wie wir mit den sogenannten Querdenkern umgehen? Die werden wir von den Lehrveranstaltungen ausschließen müssen. Das ist noch ein wirkliches Problem."

Von anderen Standorten ist dem Rektor der Uni Stuttgart bekannt, dass vereinzelt Studierende durchgehen, die nicht geimpft oder genesen sind, indem sie beispielsweise zu spät zur Vorlesung kommen. "Wir werden sie höflich bitten, die Hörsäle zu verlassen." Erst im nächsten Schritt müsste vielleicht sogar die Polizei eingeschaltet werden.

Trotz all der Hürden steht eins fest: Diejenigen, die nicht in Präsenz gehen können, bekommen ihren Lernstoff auf einem anderen Weg. "Viele Lehrenden haben die positiven Seiten der Digitalisierung erkannt und bieten alternative Angebote an", so Ressel. "Für mich war es überraschend, wie viele Lehrende das Instrument der digitalen Lehre während des Lockdowns genutzt haben."

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Ein gewisser Druck muss im Studium bleiben

Immerhin gibt es einen Corona-Bonus: "Der Bonus, den wir in Stuttgart eingeführt haben, war der Prüfungsrücktritt. Bis einen Tag vor der Prüfung kann dies unkompliziert erfolgen", erklärte der Rektor. Früher mussten Studierende mit mehr Vorlauf planen. Nun können sie zurücktreten, wenn sie sich nicht ausreichend ´vorbereitet fühlen. Allerdings wurde das Angebot nur selten wahrgenommen. An der Uni Stuttgart hat man sich aber gegen ein Frei-Semester entschieden. "Wir wollen einen gewissen Druck aufrechterhalten." Zeitgleich wurde aber die individuelle Regelstudienzeit für alle Studierenden um ein Semester erhöht.

Studierende brauchen ihr Studentenleben

Für Wolfram Ressel ist es ein gutes Gefühl, wenn wieder etwas Normalität an seine Universität zurückkehrt. "Ich freue mich richtig drauf. Ich glaube, alle freuen sich drauf. Von den Studierenden, bis zu den Lehrenden." Ein Problem könnte natürlich sein, dass die Präsenzlehre nicht das gesamte Semester über stattfindet. "Das kommt auf die Aerosole-Bekämpfung an." Aber es wird schon über Alternativen nachgedacht. Ziel ist es mindestens 50 Prozent der Studierenden die Lehre in Präsenz zu ermöglichen. Abgesehen davon muss sich die Uni Stuttgart immer wieder den Neuerungen der Corona-Verordnung anpassen.

"Es kommt wieder Leben rein. Studium ist nicht nur lernen, sondern auch Freunde treffen, Bekanntschaften machen", so der Uni-Rektor. "Der soziale Kontakt gehört da eben dazu." Im Wintersemester 2021 wird es auch wieder Erstsemester-Einführungen geben, sogar mit Veranstaltungen und Partys. "Natürlich nur in einem bestimmten Rahmen." Wolfram Ressel hofft, dass die vierte Welle nicht mehr so dramatisch wird, sodass an der Uni wieder Leben einkehrt.

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