Ein Schild weist auf häusliche Quarantäne hin. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Eibner-Pressefoto/Fleig)

Auch vollständig Geimpfte betroffen

Delta-Variante des Coronavirus: Baden-Württemberg fordert Änderung der Quarantänepflicht

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Jeder, der Kontakt zu einer mit der Delta-Variante infizierten Person hatte, muss in Quarantäne gehen - auch vollständig Geimpfte. Baden-Württemberg will nun eine Neuregelung.

Das baden-württembergische Sozialministerium fordert vom Bund eine Aufhebung der strengen Regelungen für vollständig geimpfte Personen, die Kontakt mit einem oder einer Infizierten der Delta-Variante hatten. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das dem SWR vorliegt. Darin heißt es, dass viele Bürgerinnen und Bürger diese Quarantänepflicht für Geimpfte als einen Eingriff in die Freiheitsrechte empfinden. Beim Ministerium seien aufgrund dessen bereits viele Beschwerden eingegangen.

Überdenkung der Quarantäne-Regelung gefordert

Der Amtschef des Landesgesundheitsministeriums, Uwe Lahl (parteilos), wendet sich in dem Schreiben an den Staatssekretär und erklärt, wieso er die Quarantänepflicht für Geimpfte und Genesene für überflüssig hält. Die Regelung leitet sich aus einer Corona-Ausnahmeverordnung ab. Darin heißt es, dass Menschen, die mit einer Virusvariante Kontakt hatten, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) als besorgniserregend eingestuft wurde, in Quarantäne gehen müssen. Dazu gehört auch die Delta-Variante laut RKI. Demnach müssen Personen, die engen Kontakt zu einer mit der Delta-Variante infizierten Person hatten, 14 Tage in Quarantäne - auch Personen mit Schutzimpfung.

Corona-Impfungen bieten ausreichend Schutz

Wie das Sozialministerium in Baden-Württemberg aber festhält, zeigen aktuelle Forschungen, dass Corona-Impfungen vor allem einen guten Schutz gegen die Alpha-Variante bieten, allerdings ist auch ein hoher Schutz gegen schwere Verläufe bei einer Ansteckung mit der Delta-Variante des Coronavirus gegeben. Für das Ministerium handele es sich dabei um einen massiven Grundrechtseingriff, der nur schwer begründbar sei.

Die Forderungen sind klar formuliert: Die Quarantänepflicht soll nur für Personen gelten, die mit einem weniger wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus geschützt sind. Dies müsste aber wissenschaftlich belegt werden. Eine andere Option wäre, dass das RKI die Einschätzung der Delta-Variante noch einmal überdenke.

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Die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen

Lahl macht außerdem darauf aufmerksam, dass es bislang keine Belege dafür gibt, dass sich die Delta-Variante schneller verbreitet als die Alpha-Variante. Die Durchimpfung der Bevölkerung würde auf Dauer auch die Ausbreitung verhindern. Risikogruppen seien bereits weitreichend geschützt und damit würde auch das Gesundheitssystem nicht so schnell belastet werden.

Die Identifizierung der Delta-Variante erfolgt aktuell noch nicht sehr schnell. Quarantänen müssten daher im Nachhinein noch ausgesprochen werden, was an vielen Stellen wieder mehr Arbeitsaufwand bedeutet. Sollte die Quarantänepflicht beim Kontakt mit der Delta-Variante für Geimpfte und Genesene aufgehoben werden, würde das beispielsweise auch eine Entlastung für die Gesundheitsämter bedeuten. Aber viel wichtiger noch: "Letztendlich erhöht dies auch die Akzeptanz in der Bevölkerung."

Lahl betont, dass "ein zeitnahes Handeln" erforderlich sei. Das Land würde die Thematik bald im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz erörtern, "um damit eine Abstimmung für ein bundesweit einheitliches Vorgehen wie beschrieben zu erreichen".

Das Robert-Koch-Institut hat inzwischen seine Empfehlungen zur Delta-Variante geändert. Demnach entfällt die Quarantänepflicht für vollständig Geimpfte oder Genesene, die Kontakt hatten zu einer mit der Delta-Variante infizierten Person.

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