Erste Dosis in Stuttgart verabreicht

Corona-Impfungen in Baden-Württemberg gestartet

STAND

Der Startschuss ist gefallen: Elf Monate nach Bekanntwerden der ersten Corona-Infektion in Deutschland ist am Sonntagmittag die erste Person in Baden-Württemberg geimpft worden. Eine Pflegerin aus Stuttgart hat die erste Dosis bekommen.

Video herunterladen (5 MB | MP4)

Während eines Rundgangs durch das Zentrale Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle wurde die Krankenhausmitarbeiterin Christine Helbig geimpft. Sie ist die erste Person in Baden-Württemberg, die eine Dosis des Covid-19-Impfstoffes von Biontech/Pfizer, der erst am Sonntagmorgen angekommen war, gespritzt bekam. Helbig hatte bis Sonntagvormittag noch auf einer Corona-Isolationsstation gearbeitet und gilt daher als besonders gefährdet. Insgesamt wurden 0,3 Milligramm des Impfstoffes von einer Oberärztin des Klinikums Stuttgart, Lisa Marie Käser, gespritzt.

Sie habe sich auf die Spritze gefreut, sagte Krankenpflegerin Helbig. Denn sie müsse jeden Tag aus nächster Nähe mit ansehen, wie tödlich das Virus sein kann. "Ich möchte kein Corona bekommen, weil ich die Patienten sehe", sagte sie weiter. Rund eine halbe Stunde nach der Spritze sagte Helbig: "Der Arm tut nicht weh, ich hab auch keine Kreislaufprobleme." Den Termin für die zweite Spritze in drei Wochen habe sie auch schon. Für ihre Arbeit auf der Corona-Station ändere das aber erstmal nichts. "Ich muss mich trotzdem weiter schützen", so Helbig.

"Das war wie jede andere Impfung auch. Kein großes Hexenwerk."

Beim Impfstart waren auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Gesundheitsminister Manfred Lucha (beide Grüne) anwesend. Lucha sagte während der Impfung: "Das ist ja wie Weihnachten". Und Kretschmann spendete spontan Beifall. Er sprach vom "Beginn vom Ende der Pandemie". Die beiden Politiker appellierten an die Baden-Württemberger, sich impfen zu lassen und solidarisch zu sein. Allerdings gelte auch: "Die Impfung ist freiwillig und kostenlos, es wird keine Impfpflicht geben", so Kretschmann.

"Der Impfstoff ist ein Meilenstein in der Pandemiebekämpfung. Er ist der Schlüssel für die von uns allen ersehnte Rückkehr zum gewohnten Leben - auch wenn wir weiter geduldig bleiben müssen."

Nach dem offiziellen Auftakt wurden landesweit am Sonntag bereits die ersten über 80-Jährigen sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal geimpft. Die Impfzentren nahmen ihren Betrieb auf, mobile Teams fuhren zudem Pflege- und Seniorenheime ab.

Video herunterladen (3,8 MB | MP4)

Ab Mitte Januar sollen zudem in den Stadt- und Landkreisen rund 50 Kreisimpfzentren bereit stehen. Auch in anderen Bundesländern ist der Impfstoff bereits angekommen. In Berlin und Nordrhein-Westfalen wurde am Sonntagmorgen mit den ersten Impfungen begonnen. Anders als in anderen Bundesländern wird der Impfstoff in Baden-Württemberg nicht über ein zentrales Lager verteilt, sondern direkt in die zehn großen Impfzentren geliefert.

Erste Impfungen größtenteils für mobile Teams

Insgesamt sollten im Laufe des ersten Tages in Baden-Württemberg zehn Impfzentren an den Start gehen. Für jedes Zentrum stehen knapp 1.000 Impfdosen des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer bereit. Die ersten 10.000 Impfdosen würden schätzungsweise zwölf Tage reichen, da in allen Impfzentren ungefähr 800 Dosen pro Tag eingesetzt werden sollen. Allerdings sollen schon am Montag neue Impfdosen geliefert werden. Den Großteil davon erhalten die mobilen Impfteams, die damit Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen impfen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach im Voraus von einem "großartigen Tag für Deutschland" und rief zu einem "nationalen Kraftakt" auf. "Wir wollen so viele Menschen impfen, dass das Virus keine Chance mehr hat, in Deutschland und in Europa", sagte der CDU-Politiker am Samstag. Jede Impfung mehr bedeute weniger Infektionen und weniger Todesfälle. "Wer mitmacht, rettet Leben", betonte Spahn. "Dieser Impfstoff ist der entscheidende Schlüssel, diese Pandemie zu besiegen. Er ist der Schlüssel dafür, dass wir unser Leben zurückbekommen können."

FDP-Chef kritisiert Gesundheitsminister Spahn

Die Opposition hat Spahn dagegen Versäumnisse vorgeworfen und mehr Klarheit für die Bürger gefordert. Während der in Deutschland hergestellte Impfstoff "längst Leben in den USA und Großbritannien rettet", müsse ganz Europa noch bis Sonntag warten, so der Vorsitzende der baden-württembergischen FDP Michael Theurer am Samstag. Damit habe Spahn nicht Wort gehalten. Zuerst sei im Ausland und "eben nicht in Deutschland geimpft" worden. Zudem herrsche Verunsicherung, wer bis wann geimpft werde.

Wer kann sich ab wann, wo und wie impfen lassen? Corona-Impfungen in Baden-Württemberg: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Egal, ob in Messen oder Konzerthallen - im ganzen Land sind die großen Corona-Impfzentren gestartet. Doch wer kann sich ab wann und an welchem Ort impfen lassen? Und was ist über den Impfstoff bekannt?  mehr...

Wie vom Bund festgelegt, werden zuerst Menschen ab 80 Jahren geimpft, außerdem Personal in Altenheimen und bestimmtes medizinisches Personal, etwa in Notaufnahmen und Intensivstationen. Laut Bundesgesundheitsminister Spahn wird die Impfung dieser ersten Gruppe mindestens ein bis zwei Monate dauern.

Termine per Telefon oder online vereinbaren

Wer die Kriterien erfüllt und die freiwillige Impfung erhalten möchte, muss sich dazu über die Telefonnummer 116 117 anmelden. Dies funktioniert zunächst aber nur für die Zentralen Impfzentren (ZIZ) in Stuttgart, Rot am See (Schwäbisch Hall), Heidelberg, Mannheim und Freiburg. "Auch die Vergabe von Terminen in den Impfzentren Tübingen, Ulm, Offenburg und Karlsruhe soll in Kürze möglich sein", teilte das Gesundheitsministerium mit. Online soll die Anmeldung über die Webseite www.impfterminservice.de abgewickelt werden können. Die Adresse war kurzfristig noch angepasst worden.

Die Impfung soll in zwei Dosen im Abstand von rund drei Wochen erfolgen, man bekommt deshalb zwei Impftermine zugeteilt. Im Impfzentrum wird zunächst allgemein über die Impfung aufgeklärt, es folgt eine individuelle Aufklärung durch einen Arzt, etwa zu Risiken durch Allergien oder Vorerkrankungen. Erst dann geht es zur Impfung. Nach dem Piekser in den Arm soll man noch für eine 30-minütige Beobachtung dableiben.

Die Impfzentren sind sieben Tage die Woche von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Nach einem Lieferplan des Mainzer Unternehmens Biontech sollen ab Ende Dezember 87.750 Dosen des Corona-Impfstoffs pro Woche nach Baden-Württemberg geliefert werden. Die Liefermenge richtet sich nach der Zahl der Einwohner des Bundeslandes.

Weitere Impfzentren starten im Januar

Mitte Januar sollen dann etwa 50 weitere Impfzentren im Land öffnen. Dann soll nach und nach mehr Impfstoff bereitstehen, womöglich auch schon von einem zweiten Hersteller, dem US-Pharmaunternehmen Moderna.

Wer kann sich ab wann, wo und wie impfen lassen? Corona-Impfungen in Baden-Württemberg: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Egal, ob in Messen oder Konzerthallen - im ganzen Land sind die großen Corona-Impfzentren gestartet. Doch wer kann sich ab wann und an welchem Ort impfen lassen? Und was ist über den Impfstoff bekannt?  mehr...

Kampf gegen die Pandemie Start der Corona-Impfungen am Sonntag: So ist die Lage in Baden-Württemberg

Ein Lichtblick in der Corona-Krise? Am kommenden Sonntag starten landesweit die ersten Impfungen gegen Covid-19. Jedes Zentrum soll bis dahin mit rund 1.000 Impfdosen ausgestattet werden - und dabei gibt es offenbar Kapazitäten für mehr.  mehr...

STAND
AUTOR/IN