Die Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams zieht in einem Alten- und Pflegeheim in Tübingen den Impfstoff von BiontechPfizer in eine Spritze auf. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Debatte über fehlende Studien

Immunologe: Langzeitfolgen nach Corona-Impfung unwahrscheinlich

STAND

Fußball-Nationalspieler Kimmich will sich nicht gegen Corona impfen lassen, weil es an Langzeitstudien fehle. Immunologe Watzl sieht darin ein weit verbreitetes Missverständnis.

Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat bestätigt, dass er nicht gegen Corona geimpft ist - und damit eine breite Diskussion über Langzeitstudien zu Nebenwirkungen entfacht. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sieht Klärungsbedarf.

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Nebenwirkungen nach Covid-Impfungen selten

"Langzeitfolgen bei Impfungen sind seltene Nebenwirkungen, die häufig erst nach längerer Zeit mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden", sagte Watzl dem SWR. Tatsächlich würden solche Nebenwirkungen aber bereits innerhalb weniger Wochen nach der Impfung auftreten. Die Immunreaktion durch die Impfung sei bereits nach wenigen Wochen abgeschlossen - der Impfstoff dann aus dem Körper verschwunden.

Carsten Watzl (Foto: privat)
Der Immunologe Carsten Watzl hält Sorgen über Langzeitfolgen für unbegründet. privat

Große Datenbasis

Der Vorteil bei den Covid-Impfungen sei, dass Stoffe weltweit in kurzer Zeit in großer Menge verabreicht worden seien. Seltene Nebenwirkungen, wie die Sinusvenenthrombosen bei Vektorimpfstoffen, kenne man so bereits jetzt. "Diese Nebenwirkungen sind immer kurz nach der Impfung aufgetreten. Dass danach noch unerwartete Langzeitfolgen auftreten, sei äußerst selten, aber nicht völlig auszuschließen", so Watzl. Demgegenüber sei das Risiko, durch eine Covid-19-Infektion schwer zu erkranken, viel höher.

mRNA-Stoffe schon lange in Entwicklung

Sorgen darüber, dass mRNA-Impfstoffe zu wenig erforscht seien, halten Immunologen für unbegründet. Diese genbasierten mRNA-Impfstoffen würden schon seit Jahrzehnten entwickelt, so Watzl. "Durch die Corona-Pandemie wurde diese Entwicklung einfach beschleunigt, weil es viel Geld für die Forschung gab und sich viel mehr Wissenschaftlerinnen und Forscher dran machen konnten", sagte Watzl. Er betonte, dass sich die Impfstoffe nach Auslösen der Immunreaktion schnell abbauten - vor einem Verbleib im Körper müsse man sich nicht fürchten.

Klassische Impfstoffe sicherer?

Skeptische Menschen wie Joshua Kimmich verweisen oft auf die Entwicklung klassischer Impfstoffe gegen Covid-19 und darauf, dass diese sicherer seien. Gemeint seien dabei Impfstoffe, bei denen ein Teil des Virus (sogenannte Proteinimpfstoffe) oder das ganze Virus in unschädlicher Form (Totimpfstoffe) gespritzt werde, um das Immunsysten zu trainieren, so Watzl. So funktionierten etwa Grippeimpfungen. "Aber es gibt keinen Anlass zu sagen, diese Impfstoffe seien sicherer als diejenigen, die bis jetzt auf dem Markt sind", so Watzl. Sie hätten eher den Nachteil, dass sie zusätzliche Stoffe bräuchten, um die Wirkung zu verstärken. Stoffe, die dann wiederum Nebenwirkungen haben könnten.

picture alliancedpa | Sven Hoppe (Foto: dpa Bildfunk, Josua Kimmich vom FC Bayern München)
Joshua Kimmich ist nicht gegen Corona geimpft - und hat damit eine Debatte ausgelöst. Josua Kimmich vom FC Bayern München

Die Fälle von Narkolepsie nach der Schweinegrippeimpfung 2011, die Kritikerinnen und Kritiker oft als Beispiele für Langzeitfolgen heranführen, würden dem dort eingesetzten Wirkverstärker zugeschrieben, so Watzl.

Drei Kandidaten klassischer Impfstoffe im Rennen

Die besten Chancen in der EU zugelassen zu werden, hat im Moment der Proteinimpfstoff Novavax, der bereits von der der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) begutachtet wird. Die EU-Kommission hat vereinbart, 200 Millionen Dosen des Stoffes zu kaufen. Novavax plant, noch dieses Jahr in den USA einen Zulassungsantrag für seinen Impfstoff zu stellen. Ein weiterer Impfstoff auf klassischer Proteinbasis ist von Sanofi in der Warteschleife. Als einziger Totimpfstoff kann sich das österreichisch-französische Produkt Valneva Hoffnungen auf eine Zulassung in der EU machen. Alle drei Kandidaten hoffen noch bis Ende des Jahres zugelassen zu werden - bisher dauern die Prüfungen der Daten und Studien noch an.

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