Eine Malteser-Mitarbeiterin impft in einer Halle der Messe Stuttgart ein Kind gegen das Corona-Virus.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Pro und Contra

Was für und gegen Corona-Impfungen bei Kindern spricht

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Sollte man Kinder gegen das Coronavirus impfen lassen oder nicht? Diese Frage stellen sich viele Eltern. Ein Überblick.

Seit Anfang Dezember gibt es eine Empfehlung für eine Corona-Impfung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Kinder mit Vorerkrankungen im Alter von fünf bis elf. Dennoch ist die Impfquote bei dieser Altersgruppe sehr niedrig - auch in Baden-Württemberg. Hierzulande haben nur rund fünf Prozent der Fünf- bis Elfjährigen ihre Zweitimpfung erhalten, die für einen vollständigen Immunschutz erforderlich ist. Und das, obwohl sich die Omikron-Variante des Coronavirus im Land immer schneller verbreitet und die Infektionen bei Kindern stärker steigen als bei Erwachsenen.

Lesehilfe: Wenn der Wert in diesem Chart über null ist, haben Infektionen unter Kindern eine höhere Dynamik als unter Erwachsenen, also die prozentuale Steigerung zur Vorwoche ist unter Kindern größer als unter Erwachsenen. Andersherum, wenn der Wert unter null ist, steigen die Infektionen bei Erwachsenen stärker als bei Kindern.

Was spricht für eine Corona-Impfung bei Kindern?

Der für Kinder zugelassene Impfstoff von BioNTech hat in der Zulassungsstudie bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren eine gute Wirksamkeit zum Schutz vor Covid-19 gezeigt. Die Impfung schützt laut Robert Koch-Institut (RKI) Kinder mit Vorerkrankungen vor dem erhöhten Risiko eines schweren Verlaufs sowie ungeimpfte Angehörige.

Kindern die Erkrankung ersparen

Manche Eltern lassen ihr Kind impfen, um es vor der Erkrankung zu schützen. "Die Kinder nicht zu impfen, heißt in Konsequenz eine Entscheidung für die Ansteckung mit allen möglichen Konsequenzen", so ein Vater aus Tübingen auf Facebook. Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), sagte in einem Interview: "Die Entscheidung über die Impfung ist wirklich eine sehr persönliche Sache und das reflektiert sich ja auch in unserer derzeitigen Impfempfehlung." 

Schulbetrieb aufrechterhalten

In einem Interview mit den "ARD Tagesthemen" im Dezember hatte Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin, die Bedeutung der Impfung für den schulischen Betrieb hervorgehoben. "Ich kann nur raten, die Kinder impfen zu lassen; wegen des Schulbetriebs, wegen der Gefahr der eigenen Erkrankung“.

Doch nicht nur von Drosten wird die Impfung als wesentlicher Bestandteil zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs bewertet: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) spricht dabei vor allem über die gesundheitlichen und psychosozialen Folgeprobleme für die Schülergeneration durch die vorangegangenen Schulschließungen.

Nebenwirkungen der Corona-Impfung bei Kindern

Neue Daten aus den USA, die sich auf 8,6 Millionen Impfungen bei Fünf- bis Elfjährigen beziehen, zeigen, dass die Impfung sehr gut verträglich ist. Demnach traten unter den 8,6 Millionen zwölf Fälle von Herzmuskelentzündung auf. In der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen war das gemessene Risiko um das Zehnfache höher.

Eine US-Studie der American Heart Association zeigt, dass die meisten jungen Menschen unter 21 Jahren, die nach einer Covid-19-Impfung eine Herzmuskelentzündung erleiden, einen milden Verlauf aufweisen und sich relativ schnell davon erholen. Für die Analyse wurden Daten aus 26 pädiatrischen Kliniken aus den USA und Kanada verwendet. Die Symptome setzten durchschnittlich zwei Tage nach der Impfung ein. Zu den häufigsten Symptomen zählten Schmerzen in der Brust, Fieber und Kurzatmigkeit.

Schutz vor PIMS

Kinder haben einer Studie der Charité Berlin zufolge den Vorteil, dass ihre oberen Atemwege eine deutlich effektivere Immunantwort im Falle einer Infektion haben. In seltenen Fällen kommt es drei bis vier Wochen nach einer Corona-Infektion zu einem schweren Verlauf mit Ausschlag und hohem Fieber - das "Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome", kurz PIMS.

Das ist eine seltene Entzündungskrankheit, die Organe und Blutgefäße angreift. Die Ursache der Entstehung der Erkrankung ist unklar und auch zur Häufigkeit gibt es derzeit keine verlässlichen Daten. Allerdings zeigen neue Studien aus Frankreich und den USA, dass eine Corona-Impfung vor PIMS schützen kann.

Kinder-Impfaktion (Foto: SWR)
Kinder-Impfaktion in der Stuttgarter Schleyer-Halle

Was spricht gegen eine Corona-Impfung bei Kindern?

Laut RKI sind Kinder deutlich weniger häufig von schweren Krankheitsverläufen bei Corona betroffen als Erwachsene. Der überwiegende Teil der infizierten Kinder zeige einen milden Erkrankungsverlauf. Ebenso haben Spätfolgen einer Corona-Erkrankung (Long Covid) eine geringere Bedeutung als für Jugendliche und Erwachsene. Allerdings weist das RKI auch darauf hin, "dass die Evidenz für Long Covid bei Kindern und Jugendlichen limitiert ist und die bisher publizierten Studien substanzielle Limitationen aufweisen".

Eine allgemeine Impfempfehlung der STIKO für nicht vorerkrankte Kinder von fünf bis elf Jahren besteht derzeit nicht. In dieser Altersgruppe bestehe nur ein geringes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung, so die STIKO im Dezember.

Das RKI fand in Modellierungsanalysen heraus, dass die Corona-Impfung von Fünf- bis Elfjährigen - mit 5,2 Millionen etwa sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland - auf die Infektionsübertragung in der Gesellschaft sowie den weiteren Verlauf der Pandemie für die gegenwärtige Infektionswelle einen geringen Effekt hat. Diese sei entscheidend von der Impfquote der Erwachsenen abhängig.

Ist eine Impfung für genesene Kinder sinnvoll?

Fünf- bis Elfjährige, die unter einer Vorerkrankung leiden und sich mit Corona infiziert haben, sollten genau wie Erwachsene frühestens drei Monate nach der Infektion eine Impfstoffdosis erhalten - allerdings den niedrig dosierten Kinder-Impfstoff.

Für Kinder ohne Vorerkrankungen empfiehlt die STIKO nach durchgemachter Corona-Infektion vorerst keine Impfung.

Wo können sich Kinder gegen Corona impfen lassen?

Eltern, die ihre Kinder impfen lassen möchten, können sich an die niedergelassenen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte wenden. Darüber hinaus stehen auch Impfzentren und lokale Impfaktionen für Eltern und ihre Kinder zur Verfügung.

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