Schutz vs. Risiken für Kinder und Jugendliche

Corona-Impfung für Schüler: Minister plant Sonderkontingente - SPD fordert mobile Teams

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Ob Schülerinnen und Schüler bald eine Corona-Impfung erhalten sollen, wird in der Politik stark diskutiert. Die Stiko wägt aktuell noch die Risiken für Kinder und Jugendliche ab.

"Die Landesregierung muss dafür sorgen, dass allen Schülerinnen und Schülern im Land rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahrs eine Covid-19-Impfung angeboten werden kann", sagte der baden-württembergische SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. "Der Impfstoff muss dorthin, wo sich bald wieder Kinder und Jugendliche tummeln: an die Schulen!" Stoch ist der Meinung, dass Kindern in Baden-Württemberg eine Corona-Impfung schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden sollte, wenn sie und ihre Eltern es wollen. Laut Stoch muss das Land nun Vorkehrungen treffen, die eine baldige Impfung an Schulen ermöglichen. Mobile Impfteams an Schulen würden auch Kindern und Jugendlichen eine Corona-Impfung anbieten, deren Eltern sich nicht um die Impftermine bemühen können.

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Lucha für Impfungen in Impfzentren

Das Land arbeite gerade daran, wie Schulkinder geimpft werden sollen, sagte baden-württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) dem SWR. Den Vorschlag der SPD, Schülerinnen und Schüler direkt an den Schulen gegen das Coronavirus zu impfen, lehnt Lucha ab. Sie sollen stattdessen in Impfzentren geimpft werden, so der Grünen-Politiker. Dort soll es dann extra Sonderkontingente für Schüler geben. Den Angaben zufolge gibt es bereits einen Austausch mit dem baden-württembergischen Kultusministerium und dem Bund. Wie das dann genau ablaufen könnte, das soll in Kürze bekannt gegeben werden.

Der Landeselternbeirat (LEB) steht nach Worten seines Vorsitzenden Michael Mittelstaedt dem Einsatz mobiler Impfteams grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings dürfe es keinen Gruppendruck in den Klassen geben. Eine Empfehlung der Stiko für Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sei dafür aus seiner Sicht aber Voraussetzung, sagte er.

Bundesbildungsministerin: Möglichst viele Schüler impfen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich für einen Impfplan für Kinder ab zwölf Jahren in allen Bundesländern ausgesprochen. Die Politikerin sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, der Schulbetrieb müsse bald wieder relativ normal beginnen können. Dafür wäre es hilfreich, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler geimpft seien.

Zuerst muss aber der Impfstoff für Kinder und Jugendliche zugelassen werden. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft momentan die Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren.

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Stiko-Mitglied: Risiko einer Impfung bei Kindern unklar

Doch nicht jeder hält Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche für die Lösung eines reibungslosen Schulbetriebs. Ein Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) hat sich skeptisch zu möglichen Massenimpfungen von Schülerinnen und Schülern geäußert. Eine allgemeine Impfempfehlung der Stiko für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und fünfzehn Jahren halte Kommissionsmitglied Rüdiger von Kries für unwahrscheinlich, wie er am Dienstagabend in der rbb-Sendung "Spezial" erklärte. Grund dafür sei das unklare Risiko einer Corona-Impfung bei Kindern. Es soll nur eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit bestimmten chronischen Erkrankungen geben.

"Die Stiko ist ein autonomes Organ, wir arbeiten nicht auf Zuruf des Ministeriums, wir treffen unsere Entscheidungen nach Bewertungen der Risiken und des Nutzens", sagte von Kries. Momentan sei "nichts" über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern bekannt. "Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird", sagte von Kries.

Schulbesuch darf nicht an Corona-Impfung geknüpft werden

Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hält nichts von Corona-Impfungen an Schulen. Ein Verbandssprecher sagte der "Rheinischen Post", es gebe die Sorge einer Impfpflicht durch die Hintertür. Der Schulbesuch dürfe nicht an eine Corona-Impfung geknüpft werden. Nach Ansicht des Ärzteverbands seien Kinder keine Infektionstreiber.

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Die Debatte um Impfungen für Kinder und Jugendliche wurde ausgelöst, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Corona-Impfungen für Schülerinnen und Schüler bis Ende August in den Raum gestellt hatte. Dazu sollten laut Spahn Biontech-Vakzine reserviert werden. Obwohl die Stiko bislang keine Impfempfehlung ausgesprochen hat, sei für Spahn eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche denkbar. Eltern und ihre Kinder könnten gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten eine individuelle Entscheidung treffen, sagte er in der "Ntv"-Sendung "Frühstart". Die Festlegung der Stiko sei eben nur eine Empfehlung.

Mit einer Entscheidung zur Zulassung eines Impfstoffs für Kinder und Jugendliche wird noch bis Ende Mai gerechnet. Am Donnerstag wollen Bund und Länder gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten.

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