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Wann endet die Impfstoffpriorisierung? In Baden-Württemberg soll es ab Ende Mai genügend Impfstoff geben, sodass alle Erwachsenen in wenigen Wochen gegen Corona geimpft werden könnten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) rechnet damit, dass ab Ende Mai alle Erwachsenen im Land innerhalb von wenigen Wochen eine erste Impfung gegen das Coronavirus bekommen können. Das ergebe sich aus der von der Politik angekündigten Impfstoffmenge, die dem Land dann zur Verfügung stehen soll, so KVBW-Sprecher Kai Sonntag im SWR.

Der Amtschef des Ministeriums für Soziales und Integration, Uwe Lahl, hatte vergangene Woche angekündigt, dass es ab Mai in Baden-Württemberg eine Million Impfungen pro Woche geben könnte. Der KVBW-Sprecher sprach nun von Ende Mai. Derzeit werden pro Woche 450.000 bis 500.000 Menschen geimpft, wie das Sozialministerium auf SWR-Nachfrage mitteilte.

"Das heißt, dass wir nur ein paar Wochen bräuchten, um allen Erwachsenen, die auch einen Impftermin und eine Impfung haben wollen, eine Impfung anzubieten."

Kai Sonntag, Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg

Das Interview mit Kai Sonntag zum Nachhören im Audio:

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Merkel bekräftigt baldiges Ende der Priorisierung beim Impfen

Nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Priorisierung beim Impfen gegen das Coronavirus im Juni aufgehoben werden könne. Das heiße nicht, dass dann jeder geimpft werde, so Merkel. Aber es gebe dann die Möglichkeit, sich einen Termin zu verschaffen.

Auch KVBW-Sprecher Sonntag sagte, dass ein Ende der Priorisierung nicht heiße, dass jeder sofort einen Termin bekomme. Es gebe auch dann natürlich noch einen Stau und es werde sicherlich ein paar Wochen dauern, bis der abgearbeitet ist.

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KVBW: Nicht beim Hausarzt anrufen und nach einem Impftermin fragen

Sonntag riet trotzdem allen, die nicht zu den bisher priorisierten Impfgruppen gehören, Ruhe zu bewahren und nicht beim Hausarzt nach einem Impftermin zu fragen. "Die Hausarztpraxen versinken gerade in Anrufen nach einem Impftermin und kommen eigentlich gar nicht mehr wirklich zu dem, was sie eigentlich machen wollen." Am besten sei es daher, gar nichts zu machen. Denn die Ärzte kämen auf die Patienten zu und sagten ihnen dann, wann eine Impfung möglich sei.

Der Biberacher Hausarzt Frank-Dieter Braun war am Pilotprojekt für Corona-Impfungen in Hausarzt-Praxen beteiligt und widerspricht dieser Aussage. "Das ist eine völlige Verkennung der Wirklichkeit: Wenn ich Patient und an einer Impfung interessiert bin, setze ich mich garantiert nicht in meine Wohnung und warte, bis der Arzt mich anruft", so Braun im SWR. "Da kümmere ich mich proaktiv darum, dass ich eine Impfung bekomme. Und das machen die Menschen - da kann jemand noch so was sagen, das wird nie einer einhalten."

"Die Leute werden anrufen, die werden E-Mails schreiben, die werden vorbeikommen und das ist auch in Ordnung."

Frank-Dieter Braun, Hausarzt aus Biberach

Immunologin: Keine Impfdosen zurückhalten

Auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, hält es für richtig, die Impf-Priorisierung aufzuheben - wenn die dritte Prioritätsgruppe im Mai geimpft wurde. "Das allerwichtigste ist es, in den nächsten Wochen möglichst vielen Menschen eine Erstimpfung zu ermöglichen, mit allen zugelassenen Impfstoffen, die wir haben", so Falk im SWR.

Das Ziel müsse sein, die tägliche Impf-Rate zu steigern - konkret über die Marke von 600.000 Impfungen in Deutschland am Tag. "Die Knappheit war ja unser größtes Problem in den letzten Wochen" - dieses Problem bestehe jetzt nicht mehr. Und wenn der Nachschub gesichert sei, sollten auch alle Dosen von allen Impfstoffen, die noch zurückgehalten werden, verimpft werden.

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