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Eigentlich sollten sich in den Impfzentren ab sofort alle gegen Corona impfen lassen können. Doch es gibt weiterhin zu wenig Impfstoff - und bei Kindern und Jugendlichen machte die Landesregierung einen Rückzieher.

Seit Montag, 7. Juni, kann fast jeder versuchen, einen Termin in einem Impfzentrum zu ergattern. Das Land folgt mit der Aufhebung der Impfreihenfolge der Linie des Bundes. Allerdings ist weiterhin Geduld gefragt. Weil Impfstoff immer noch knapp ist, gibt es derzeit so gut wie keine Termine in den Impfzentren.

Trotz großem Andrang: Online-Terminvergabe läuft stabil

Wie das baden-württembergische Sozialministerium dem SWR mitteilte, gab es am Montag trotz der aufgehobenen Impfpriorisierung keine Probleme bei der Online-Terminvergabe. Die Website laufe stabil, hieß es. Es sei allerdings weiterhin Geduld gefragt, da nach wie vor zu wenig Impfstoff vorhanden sei und es deshalb zu wenige Termine in den Impfzentren gebe.

Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg rechnet damit, dass sich der Druck auf die Impfzentren erhöhen wird, weil nun mehr Menschen versuchten, dort einen Impftermin zu bekommen.

Impfportal (Foto: Imago, IMAGO / Arnulf Hettrich)
Imago IMAGO / Arnulf Hettrich

Impfzentren schränken teilweise Betrieb ein

Manche Impfzentren haben wegen des Impfstoffmangels bereits ihr Angebot eingeschränkt. In Ulm etwa wurde eine von zwei Hallen zumindest vorübergehend stillgelegt. Angesichts der angekündigten geringen Impfstoffmengen sei es nicht sinnvoll, beide Hallen zu betreiben, heißt es in einer Mitteilung des Impfzentrums. Man wolle so die Ressourcen schonen und die Motivation der Mitarbeiter erhalten. Weil Zweitimpfungen so lange wie möglich gewährleistet bleiben sollen, wurden die Terminvergaben für Erstimpfungen ohnehin bereits weitgehend eingestellt. Ob alle bisher vereinbarten Termine auch gehalten werden können, hängt laut Zentrumsleitung von der wöchentlichen Impfstofflieferung ab. Nach Angaben des Sozialministeriums in Stuttgart sind die Impfzentren des Landes derzeit nur zu rund 60 Prozent ausgelastet.

Impfangebot für jeden im Verlauf des Sommers

Das baden-württembergische Sozialministerium wies erneut darauf hin, dass das Angebot im Land abhängig ist von den Impfstofflieferungen des Bundes. "Unser Ziel ist es, im Verlauf des Sommers jedem Erwachsenen, der oder die das möchte, und denjenigen Jugendlichen ab 12 Jahren, die selbst und deren Eltern das möchten, ein Impfangebot machen zu können", heißt es vonseiten des Ministeriums. Das Ende der Priorisierung eröffne nun auch den jüngeren gesunden Menschen, die sich in den letzten Monaten stark einschränken mussten, die Perspektive auf eine Impfung und damit eine baldige Rückkehr zur Normalität.

Impfungen für Kinder telefonisch vereinbaren

Ab Montag können in Deutschland auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden. In Baden-Württemberg sollen Kinder und Jugendliche aber nur in besonderen Ausnahmefällen geimpft werden. Dazu gehören Vorerkrankungen, ein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung sowie besonders schutzbedürftige Familienmitglieder oder andere Kontaktpersonen im nahen Umfeld, die etwa nicht selbst gegen das Coronavirus geimpft werden können. "Es muss unser vorrangiges Ziel sein, die besonders schutzbedürftigen in unserer Gesellschaft im Blick zu haben", so Ministerialdirektor Uwe Lahl am Sonntag.

Bisher keine Stiko-Empfehlung für Kinder

Der Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer ist seit dem 28. Mai in der EU auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bislang keine Empfehlung zur Impfung von Kindern abgegeben.

Termine für besonders gefährdete Kinder und Jugendliche in einem Impfzentrum können zunächst nur über die Hotline 116 117 gebucht werden. Über das bundesweite Online-Portal seien Buchungen für Kinder in Baden-Württemberg erst ab der Freigabe durch die Stiko reservierbar, so ein Ministeriumssprecher gegenüber dem SWR. Ansonsten gebe es noch die Möglichkeit der Impfung durch eine Arztpraxis.

Stiko: Wohl keine Empfehlung für alle gesunden Kinder

Der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens aus Ulm, hatte vegangene Woche im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF bereits angedeutet, dass es keine generelle Empfehlung der Stiko für alle gesunden Kinder geben werde. Dafür reichten die Daten bei weitem nicht aus. Die Stiko hatte schon nach der EU-Zulassung eines Impfstoffs für Kinder und Jugendliche erklärt, allenfalls bei Vorerkrankungen die Impfung zu empfehlen.

"Es ist keine generelle Empfehlung der Stiko für alle gesunden Kinder zu erwarten"

Auch Betriebsärzte impfen ab Montag

Ab Montag beginnen auch die Betriebsärzte mit den Impfungen. Zeitgleich mit dem Wegfall der Impfpriorisierung werden damit auch die Firmen fester Teil der Impfkampagne im Land. Jeder teilnehmende Mediziner soll mindestens 102 Impfdosen von Biontech/Pfizer erhalten. "Eine sehr bescheidene Menge", klagt der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), Wolfgang Panter, im Gespräch mit Tagesschau.de. Bestellen konnten die Mediziner nämlich fast achtmal so viel, maximal 804 Dosen.

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Auch den Hausärzten fehlt Impfstoff

Hausärzte und Hausärztinnen impfen bereits seit dem 17. Mai ohne Priorisierung. Allerdings ist auch hier der Impfstoff knapp. "Wir müssen die Patientinnen und Patienten weiter um Geduld bitten. Da nur begrenzt Impfstoff zur Verfügung steht, werden die Praxen weiterhin vorerst nur wenig Erstimpfungen anbieten können. Das gilt besonders auch für die Eltern, die ihre Kinder nun gerne impfen lassen würden", sagt Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

Über 42 Prozent der Baden-Württemberger geimpft

Bis einschließlich 1. Juni haben über 4,7 Millionen Menschen in Baden-Württemberg mindestens die erste Impfung erhalten, und damit 42,4 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg. Von den über 60-Jährigen sind 76,8 Prozent erst- und 38,4 Prozent zweitgeimpft. Die Priorisierung habe sichergestellt, dass diese gefährdete Gruppe zuerst zum Zuge gekommen sei, so das Sozialministerium. Dass dies gelungen sei, zeigten auch die rückläufigen Todeszahlen. Über 1,5 Millionen Personen aus dieser Altersgruppe wurden in den Impfzentren und über 760.000 Menschen von der niedergelassenen Ärzteschaft erstgeimpft.

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