Vor der Angelschule in Freiburg haben am Donnerstagvormittag Impfgegner protestiert. (Foto: SWR, Peter Steffe)

Aufgeheizte Stimmung bei Demonstrierenden

Corona-Impfaktion an Schulen blockiert: BW-Regierung kritisiert Gegner

STAND

Nachdem Impfgegner in den vergangenen Tagen Impfaktionen an Schulen in Baden-Württemberg blockiert haben, kritisieren Politiker die Proteste. Vor Schulen zu demonstrieren sei nicht akzeptabel.

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) äußerte sich am Donnerstagnachmittag kritisch zu den Vorkommnissen an den drei Schulen in Baden-Württemberg: "Wer Impfaktionen blockiert oder stört und wer Impfärztinnen und -ärzte an der Arbeit hindern will, versucht, Menschen an ihrem Recht auf eine Impfung zu hindern."

Wo es nötig sei, werde die Polizei hinzugerufen, um Blockaden vor Impfaktionen aufzulösen, so Lucha weiter. Impfteams müssten ungestört ihre Arbeit verrichten können, im Normalfall sei das auch der Fall. Störungen seien bisher die Ausnahme: "Deshalb mein Appell an die Impfgegner: Lassen Sie die Ärztinnen und Ärzte ihre Arbeit machen und respektieren Sie den Wunsch all jener, die sich durch eine Impfung vor einer Infektion schützen möchten und damit zur Bekämpfung der Pandemie beitragen."

"Das hat mit freier Meinungsäußerung nichts zu tun und ist inakzeptabel. Wir stehen zu diesem Thema im engen Austausch mit den Impfzentren und -teams sowie mit dem Innenministerium."

Kultusministerium und GEW: Proteste vor Schulen sind inakzeptabel

Auch das Kultusministerium erklärte am Donnerstag gegenüber dem SWR, dass vor einer Schule zu protestieren oder sie sogar zu blockieren, nicht akzeptabel sei. "Es geht nicht, dass Schulkinder und Lehrer bedrängt werden auf dem Weg zur Schule." Die Lehrkräfte würden die Schüler nicht unter Druck setzen, was die Impfung gegen das Coronavirus angeht, so ein Sprecher des Ministeriums. "Und wenn ein Schüler sich tatsächlich impfen lassen will, geht das auch gar nicht ohne die Einverständniserklärung der Eltern."

Video herunterladen (13,6 MB | MP4)

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die Aktionen der Impfgegner. "Schulen und Kitas sind Räume, die geschützt sein müssen, wo alle Themen behandelt werden können", so GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider gegenüber dem SWR. Aber die Themen dürften nicht am Rande des Schulgeländes aufgezwungen werden, egal worum es geht. "Das ist nicht der Sinn von Pädagogik, dass Kinder mit Angst zur Schule gehen", so Schneider weiter.

Drei Impfaktionen an Schulen von Impfgegnern blockiert

In Freiburg hatten sich am Donnerstag rund 100 Impfgegner vor Unterrichtsbeginn in der Nähe einer Schule versammelt. Die Protestierenden hielten Schilder hoch mit der Aufschrift "Freiwillige Versuchskaninchen", "Pandemie ist ein großer PCR-Test" oder "Eine Impfung kann man nicht rückgängig machen".

Freiburg

Aufgeheizte Stimmung bei Demonstration Corona-Impfgegner stören Impfaktion an Freiburger Schule

Impfgegner haben am Donnerstagmorgen bei einer Freiburger Schule gegen das Impfen von Kindern und Jugendlichen protestiert. Auch die Polizei war im Einsatz.  mehr...

Bereits am Mittwoch gab es ähnliche Proteste an zwei Schulen in Schwäbisch Gmünd. Laut Polizei hatten sich rund zehn Angehörige der "Querdenken"-Szene zunächst an einem Schulzentrum im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Bettringen versammelt. Später habe es eine Aktion vor einem Gymnasium in Schwäbisch Gmünd gegeben. Sowohl in Schwäbisch Gmünd wie auch in Freiburg musste die Polizei einschreiten.

Schwäbisch Gmünd

Störaktion gegen Impfteam des Ostalbkreises Landrat bezeichnet Aktion der "Querdenker" an Schulen als "skandalös"

Mitglieder der sogenannten "Querdenker"-Szene blockierten an zwei Schulen in Schwäbisch Gmünd den Impfbus des Ostalbkreises. Landrat Bläse kritisierte die Aktionen auf dem Schulgelände.  mehr...

Strobl: Wir haben die Szene fest im Blick

Am Rande einer Veranstaltung hat sich auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) zu der aktuellen Situation von Corona-Leugnern und Impfgegnern geäußert. Seit Mai würde man beobachten, dass sich aus Reichsbürgern, Verschwörungsideologen und Impfgegnern eine toxische Mischung ergeben habe: "Wir stellen fest, dass es eine zunehmende Radikalisierung dieser Szene gibt." Seit Dezember würde das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg diese Gruppierungen beobachten. "Wir waren das erste Bundesland, dass diese Szene in den Blick genommen hat. Und wir behalten die Szene fest im Blick", so Strobl.

Landrat vom Ostalbkreis: Kein Verständnis für Protest

Der Landrat des Ostalbkreises, Joachim Bläse (CDU), zeigte ebenfalls kein Verständnis für die Blockade des Impfteams in Schwäbisch Gmünd. Die Aktion stoße an die Grenzen der Meinungsfreiheit, erklärte Bläse am Donnerstag im SWR. Man versuche, auch Andersdenkenden die Hand zu reichen.  

In Schulen gebe es Impfangebote. So werde im Kontakt mit Schulleitung, Eltern und Kindern gefragt, wer sich impfen lassen möchte. Bläse findet es skandalös, wenn dann massiv Druck ausgeübt werde auf die, die geimpft werden möchten.

Mehr zum Thema:

Heidelberg

Heidelberg plant Impfaktionstage Corona-Impfung für Jugendliche: "Nutzen überwiegt Risiken"

Die Stadt Heidelberg bietet Impfaktionstage für Jugendliche gegen Corona an. Zur Impfung gibt es viele Fragen, sagt Kinder- und Jugendarzt Benedikt Fritzsching im SWR-Interview.  mehr...

Stuttgart

Zweifel an der Transparenz "Querdenken"-Bewegung: Fragwürdige Finanzierung über eine Familienstiftung

Wie transparent ist die Finanzierung der "Querdenken"-Bewegung? Warum wird zu Schenkungen und nicht zu Spenden aufgerufen? Welche Rolle spielt eine Stiftung von Gründer Ballweg?  mehr...

STAND
AUTOR/IN