Schüler bereten ein Schulgebäude (Foto: dpa Bildfunk, picture alliancedpa  Kay Nietfeld)

Vor Schulstart in Baden-Württemberg

Corona-Infektionen bei Schülern befürchtet: Maskenpflicht verlängert, Quarantäne-Regeln verändert

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Die Sorge vor vielen neuen Corona-Infektionen scheint zu steigen. Kurz vor Schulstart appellieren die Minister Lucha und Schopper an die Eltern, ihre Kinder jetzt schon testen oder impfen zu lassen.

Die Zahlen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Woche nach dem Schulstart dort sind deutlich: In RLP meldeten sich am Freitag 1.454 Schüler als infiziert mit dem Coronavirus. In NRW waren rund 30.000 Schülerinnen und Schüler direkt nach Schulstart in Quarantäne geschickt worden.

Bitte, sich vor Schulbeginn über Corona-Bürgertests testen zu lassen

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha und Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) wenden sich daher an die Eltern mit dem Appell, ihre Kinder bereits in der letzten Woche vor dem Schul- und Kitastart testen zu lassen. So solle vermieden werden, dass Corona-Infektionen erst in der Schule oder in den Kitas festgestellt würden. Auch Eltern, Lehrende und Erzieherinnen und Erzieher sollen sich demnach testen lassen.

In Baden-Württemberg gilt ab Montag für alle Schulen eine Testpflicht zweimal pro Woche. Für Kitas gibt es bisher keine Testpflicht. Die einzelnen Kommunen regeln die freiwilligen Testangebote unterschiedlich.

Zudem forderten die Ministerin und der Minister Eltern und Schüler auf, sich impfen zu lassen. Das könne den Schulstart sicherer machen. An allen Schulen soll es regelmäßigen Präsenzunterricht geben, mit einer Impfung könnten Erwachsene und Schüler ab zwölf Jahren für mehr Sicherheit in den Klassenzimmern sorgen, so Kultusministerin Schopper.

Quarantäne in Schulen - bundesweit neue Regeln beschlossen

Die Gesundheitsminister der Länder hatten am Montag mehrheitlich entschieden, dass symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. In Baden-Württemberg soll das zum Schulstart am 13. September nach bisheriger Lage anders laufen: Statt Quarantäne sollen sich alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse in weiterführenden Schulen fünf Tage lang mindestens mit einem Schnelltest täglich testen, sollte ein Mitschüler infiziert sein.

Zuletzt hatte es Kritik an den gelockerten Corona- und Quarantäne-Regeln für Schulen gegeben. Der Philologenverband und die GEW erklärten, es sei "fahrlässig", die Sicherheitsmaßnahmen abzubauen. "Ich gehe deshalb davon aus, dass im Herbst Corona an den Schulen massiv toben wird", sagte Ralf Scholl, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbands der Gymnasiallehrer, der Deutschen Presse-Agentur.

Statt die Quarantäne-Regeln in den weiterführenden Schulen zu lockern, hätte die Landesregierung dafür sorgen müssen, dass alle Klassenzimmer rechtzeitig mit Luftfiltern ausgestattet werden, erklärten Scholl und GEW-Chefin Monika Stein.

Im SWR hatte Kultusministerin Theresa Schopper Ende August die Corona-Strategie für die Schulen in Baden-Württemberg verteidigt. Hier können Sie das Interview in voller Länge sehen:

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Zuvor hatten viele Politiker und Interessenvertreter bundesweit einheitliche Quarantäneregeln bei Corona-Infektionsfällen in Schulen gefordert - darunter auch die deutschen Amtsärzte. "Die Verunsicherung bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern durch die vielen unterschiedlichen Quarantäneregeln ist groß", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Zum Teil gebe es nicht nur unterschiedliche Verfahren in den Ländern, sondern auch zwischen einzelnen Gesundheitsämtern.

Maskenpflicht an weiterführenden Schulen in BW bleibt

Wie das Kultusministerium gegenüber dem SWR bestätigte, wurde kurz vor Schulstart die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auf unbegrenzte Zeit verlängert. Ursprünglich war das Maskentragen nur für die ersten zwei Wochen nach den Sommerferien vorgeschrieben, diese Frist wurde aufgehoben.

Eine weitere Maßnahme für eine bessere Corona-Schutzvorkehrungen in den Schulen sind Luftfilter. 60 Millionen Euro stellt Baden-Württemberg den Schulen zur Verfügung, um Luftfilteranlagen anschaffen zu können. Allerdings sind die Meinungen zu den Geräten unterschiedlich: Die einen halten Luftfilteranlagen für eine wirkungsvolle Maßnahme, andere zweifeln die Notwendigkeit der Anschaffung von zehntausenden Geräten an. Dazu kommt, dass Hersteller Engpässe in der Produktion der Luftfilter befürchten.

Studie: Kinder keine Infektionstreiber in der Corona-Pandemie

In Bezug auf Corona-Impfungen an Schulen, wie bespielsweise sie auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sie fordert, ist der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte skeptisch.

Ein Verbandssprecher sagte im Juli im einem Interview mit der "Rheinischen Post", es gebe die Sorge einer Impfpflicht durch die Hintertür. Der Schulbesuch dürfe nicht an eine Corona- Impfung geknüpft werden, Kinder seien keine Infektionstreiber, das belege eine Covid-19-Studie der Universität Mainz.

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