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Alle Personen ab zwölf Jahren sollten ab Montag in BW ein Impfangebot erhalten. Die Stiko-Empfehlung für Kinder und Jugendliche fehlt aber noch. Deshalb wird nun doch priorisiert.

An diesem Montag fällt in Deutschland die Impfpriorisierung weg. Damit sollte es auch in den Impfzentren in Baden-Württemberg keinen Vorrang mehr für bestimmte Gruppen geben. "Ab dem 7. Juni 2021 können alle Personen ab 12 Jahren unabhängig von Alter, Vorerkrankungen und Beruf ohne weitere Voraussetzungen einen Impftermin in einem Impfzentrum vereinbaren." So steht es in einer Pressemitteilung des Landesgesundheitsministeriums vom 4. Juni. Nach einer Mitteilung des Ministeriums vom Sonntag, die dem SWR vorliegt, gilt diese Zusage nun nur noch für volljährige Personen. Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren stelle sich die Situation ein wenig anders dar.

BW-Impfzentren sollen Kinder nur in Ausnahmefällen impfen

Zwar gebe es durch die Erweiterung der Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer nun die Möglichkeit, auch diese Zielgruppe vor einer Corona-Erkrankung zu schützen. Aber die Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (Stiko) für Kinder und Jugendliche stehe noch aus. Diese wird nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der kommenden Woche erwartet. Bis dahin sollen in Baden-Württemberg nur Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen und einem erhöhten Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung geimpft werden. Auch Kinder und Jugendliche mit besonders schutzbedürftigen Familienmitgliedern oder anderen Kontaktpersonen im nächsten Umfeld, die etwa nicht selbst gegen das Coronavirus geimpft werden können, kommen dafür in Frage. Voraussetzung für eine Impfung sei ein ausführliches Aufklärungsgespräch und eine sorgfältige individuelle Risiko-Nutzen-Analyse durch den impfenden Arzt.

"Wir haben uns als Land entschieden, nicht auf die Empfehlung der Stiko zu warten, sondern schon ab Montag den besonders gefährdeten Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen", teilte der Amtschef des Gesundheitsministerium, Uwe Lahl, am Sonntag in Stuttgart laut Mitteilung mit. Es müsse das vorrangige Ziel sein, die besonders Schutzbedürftigen in unserer Gesellschaft im Blick zu haben.

Termine für besonders gefährdete Kinder und Jugendliche in einem Impfzentrum können zunächst nur über die Hotline 116 117 gebucht werden. Über das bundesweite Online-Portal impfterminservice.de seien Buchungen für Kinder erst ab der Freigabe durch die Stiko reservierbar, so ein Sprecher gegenüber dem SWR. Ansonsten gebe es noch die Möglichkeit der Impfung durch eine Arztpraxis.

Am 21. Mai berichtete "SWR aktuell Baden-Württemberg": Bei "kleinen Risikopatienten" empfehlen Ärztinnen und Ärzte eine Impfung gegen das Coronavirus:

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Vorerst keine Impfkampagne an Schulen

Auch an den Schulen im Land wird es vorerst keine Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche geben. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) blies die angedachte Impfkampagne ab und folgte damit den Bedenken von Expertinnen und Experten. Vor drei Wochen hatte die neue Ministerin noch zur Eile gedrängt und vorgeschlagen, sogar an den Schulen zu impfen.

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Mehrheit der jungen Leute will Covid-Impfung

Nach einer Umfrage des Instituts Yougov würde sich eine Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus impfen lassen, wenn sie aktuell ein Impfangebot bekäme. Befragt wurden Leute zwischen 16 und 26. In dieser Gruppe stimmten 47 Prozent der Aussage zu, sie würden sich ohne jeden Zweifel direkt impfen lassen. Neun Prozent sagten, sie würden es machen - aber mit einem schlechten Gefühl. 15 Prozent lehnen eine Impfung ab.

Der Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer ist seit dem 28. Mai in der EU auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Die Stiko hat bislang keine Empfehlung zur Impfung von Kindern abgegeben. Deren Vorsitzender Thomas Mertens hatte jedoch zuvor gesagt, es sei keine generelle Empfehlung für alle gesunden Kinder zu erwarten.

Am 27. Mai hatte sich Stiko-Chef Thomas Mertens in "SWR aktuell Baden-Württemberg" so zu Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren geäußert:

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