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Kriminelle versuchen, mit gefälschten Corona-Impfpässen Geld zu machen - auch in Baden-Württemberg. Das Landeskriminalamt warnt davor, Impfpässe in sozialen Netzwerken zu posten.

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Durch eine vollständige Corona-Impfung könnte es bald wieder mehr Freiheiten geben. Als Nachweis für die Impfung dient dabei der Impfpass - quasi als Eintrittskarte zum nächsten Event. Diese Aussicht ruft auch Kriminelle auf den Plan, die versuchen, mit gefälschten Impfpässen Geld zu verdienen. Experten und Expertinnen befürchten sogar: Je mehr Freiheiten durch Impfungen möglich werden, desto größer wird die Bereitschaft, illegale Angebote zu machen.

Im Darknet und bei Messengerdiensten werden solche Blanko-Impfbücher inzwischen für bis zu 200 Euro gehandelt - und sie sind zuletzt auch in Baden-Württemberg aufgetaucht. Der Eintrag im Impfausweis sieht echt aus und trotzdem haben die Personen nie die attestierte Corona-Schutzimpfung erhalten.

Gefälschter Corona-Impfausweis bietet keinen Schutz

Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) ist über diese Entwicklung alarmiert. Kriminaldirektor Oliver Hoffmann, Spezialist für Wirtschaftskriminalität, sagte dem SWR, dass mit weiteren Fällen gerechnet werden müsse. Er warnte davor, dass ein gefälschter Corona-Impfausweis keinerlei Schutz vor einer Ansteckung biete. Das Fälschen eines Dokuments sei an sich eine Straftat und der Gebrauch der Fälschung könne noch weitere Straftaten nach sich ziehen.

Wer sich mit einem solchen gefälschten Impfpass zum Beispiel Zutritt zu Kino- oder Theatervorstellungen verschaffe und dann Corona-positiv sei, der könne dann viele Menschen anstecken. Dabei mache man sich - wenn es bekannt wird - der Körperverletzung schuldig, erklärte Hoffmann.

"Hier kann ich nur eindrücklich darauf hinweisen, dass sich jeder, der solche Pässe verkauft oder erwirbt, strafbar macht. Das ist kein Kavaliersdelikt."

Oliver Hoffmann, Kriminaldirektor beim LKA

Digitaler Impfpass wohl auch nicht fälschungssicher

Das Gesundheitsministerium in Stuttgart verweist im Zusammenhang mit den aufgetretenen Fälschungen auch auf den derzeit diskutierten digitalen Impfpass. Wie Impf-Zertifikate auf ihre Echtheit überprüft werden sollen, sei allerdings noch nicht geklärt. Auch der Landesbeauftragte für den Datenschutz, Stefan Brink, sieht im angekündigten digitalen Impfpass kein Heilmittel gegen die aufgetretenen Fälschungen - jedenfalls bislang nicht.

"Häufig verwenden die digitalen Impfpässe schlicht und ergreifend als Basis die analogen Einträge und die sind dann natürlich wieder genauso fälschungsanfällig wie beim analogen Impfpass. Man hat kein echtes Sicherheitsverfahren, das den digitalen Impfpass fälschungssicher macht", erklärte Brink im SWR. Mit einer besseren Vorbereitung könne das bei künftigen Pandemien dann besser sein. Für die laufende Impfkampagne fürchte er aber, dass man sich auf die Impfpässe nicht wirklich verlassen könne.

Impfpass nicht in sozialen Netzwerken posten

In einer Sache sind sich der Datenschutzbeauftragte und der LKA-Ermittler in jedem Fall einig: Wer gegen Corona geimpft wurde, sollte seinen Eintrag im Impfpass auf keinen Fall in den sozialen Netzwerken posten. Denn was für viele eine erfreuliche Nachricht sei, könne auf diesem Weg eine Vorlage für Fälschungen werden, warnt das Landeskriminalamt.

Man wisse aus den bisherigen Fällen, dass manche Täter sich eben diese Posts in sozialen Medien zu eigen gemacht und dann dort Informationen über die Impfchargen und die Impförtlichkeiten ausgelesen haben. Diese Informationen könnten dann für die Fälschungen benutzt werden, so LKA-Kriminaldirektor Hoffmann.

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