Eine alte FFP2-Maske hängt in der Höhe im kahlen Geäst eines Apfelbaumes. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhors)

Vor Corona-Gipfel von Bund und Ländern

Experten halten Belastung der Kliniken in BW bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen für beherrschbar

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Sind Corona-Lockerungen verantwortbar? Darüber hat das Sozialministerium mit Virologen und Klinik-Experten beraten. Ergebnisse wurden am Montag bekannt.

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Das Land kann aus Sicht von Klinikexperten und Epidemiologen seine Corona-Schutzmaßnahmen vorsichtig lockern. Die Kapazitäten in den Krankenhäusern würden als ausreichend eingeschätzt, weil es mit der Omikron-Virusvariante weniger schwere Krankheitsfälle gebe, erklärten mehrere Klinik-Chefärzte am Montag bei einer Expertenanhörung des Sozialministeriums.

Die Normalstationen der Krankenhäuser seien in der Lage, noch deutlich mehr Covid-19-Patienten aufzunehmen, betonten Hartmut Bürkle, ärztlicher Direktor der Uniklinik Freiburg, und sein Kollege Götz Geldner aus Ludwigsburg.

Coronavirus-Grenzwerte könnten angehoben werden

Die Mediziner halten es für möglich, dass der Grenzwert für die Belastung der Krankenhäuser, die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz, angehoben wird. Die Zahl gibt an, wie viele Corona-Infizierte innerhalb einer Woche und pro 100.000 Einwohner in eine Klinik kamen. Bisher liegt der Grenzwert für die "Alarmstufe" bei einer Inzidenz von 3,0, für die "Alarmstufe II" bei 6,0.

Die Kliniken könnten eine Hospitalisierungsinzidenz von 15 bis 20 verkraften, so Bürkle. Sorgen bereiteten den Kliniken vor allem Personalausfälle durch Infektionen, ergänzte Geldner. "Das ist das einzige, das uns ein wenig in Habachtstellung bringt." Das heißt für das Land, dass es seine Grenzwerte im Corona-Stufensystem anpassen kann.

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Das könnte bedeuten, dass Baden-Württemberg demnächst aus der "Alarmstufe" zurück in die "Warnstufe" kommen würde. In der "Warnstufe" gelten in den meisten Lebensbereichen die 3G-Regeln.

Geldner machte auf eine neue Entwicklung aufmerksam: Immer mehr Patienten würden zwar mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert, aber nicht wegen einer Covid-Erkrankung. Auf den Normalstationen seien es mittlerweile 60 Prozent der Patienten, die zusätzlich zu ihren medizinischen Indikationen eine Corona-Infektion aufweisen, betonte auch Jan Steffen Jürgensen vom Klinikum Stuttgart. "Im Ergebnis sehen wir eine Belastung, aber keine Überlastung", sagte er am Montag.

Medizinstatistiker prognostiziert neue Corona-Welle

Der Ulmer Medizinstatistiker Ulf Dennler hält Lockerungen der Corona-Maßnahmen im März für möglich, prognostiziert für diesen Fall aber auch eine neue Corona-Welle. Auf Lockerungen im März folge eine gravierende und heftige sechste Corona-Welle bis Mitte März. Diese hätte aber voraussichtlich eine deutliche geringere "Krankheitsschwere" als vorangegangene Wellen und damit keine allzu starke Mehrbelastung für die Krankenhäuser zur Folge.

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) stellte nach der Anhörung fest, dass stufenweise Lockerungsschritte vertretbar seien, "immer entlang der Faktoren, die die Belastbarkeit auch festgemacht haben."

Der Grünen-Politiker hatte die Expertenrunde einberufen, um mit Virologen und Klinikexperten zu beraten, wie stark die Corona-Maßnahmen gelockert werden können. Die Anhörung gehört zur Vorbereitung von Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) auf das Bund-Länder-Treffen zur weiteren Corona-Strategie am Mittwoch.

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