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Die Firma Dach fertigt Atemschutzmasken und Schutzanzüge – durch den Coronavirus explodiert die Nachfrage. Lieferungen werden jetzt rationiert: China hat die Produktion konfisziert.

Das Rastatter Unternehmen ist hohen Belastungen ausgesetzt: Die Nachfrage nach Schutzbekleidung steigt seit dem Ausbruch des Coronavirus sprunghaft. So hoch sogar, dass rationiert werden muss: Stammkunden bekommen weniger, Neukunden nimmt das Unternehmen derzeit nicht an. Denn nicht nur, dass Lagerbestände nach und nach aufgebraucht werden, die anstehenden Lieferungen aus den Werken in China hat die chinesische Regierung beschlagnahmt. Etwas so Heftiges hat Gründerin Ming Gutsche in der fast 25-jährigen Unternehmensgeschichte noch nicht erlebt:

"Mehrere unserer Fabriken wurden von der chinesischen Regierung beschlagnahmt. Die dürfen nicht für uns produzieren. Die schon fertige Ware haben sie konfisziert."

Ming Gutsche, Unternehmerin aus Rastatt

Es sei ähnlich wie in der Ebola-Phase. "Das war auch viel. Aber jetzt ist es irgendwie dreimal so schlimm wie damals, habe ich das Gefühl."

Design und Vertrieb in Rastatt, Produktion in Asien

Dach entwirft seine Produkte in Rastatt, auch Lager und Logistik sitzen hier. Gefertigt wird in Werken in Asien. Gegen den Ausfall der Werke in China ist Geschäftsführerin Ming Gutsche derzeit machtlos. Zum Glück produziert das Unternehmen auch in anderen Ländern. Aber auch von dort kann Ming Gutsche gar nicht schnell genug neue Ware ordern. Denn es dauert Monate, bis die Atemschutzmasken in Rastatt ankommen. Im Moment wird deswegen im Badischen alles ausgeliefert, was auf Lager ist.

Überstunden für die Schutzbekleidung von Stammkunden

Für die Mitarbeiter ist die Situation eine Belastung. "Wir haben 12- bis 14-Stunden-Tage seit Ende vergangener Woche und aktuell ist auch kein Ende abzusehen", erklärt Lagerleiter Mario Bruder. Große braune Kartons mit Atemschutzmasken – eine Europalette nach der anderen – werden in Lastwagen verladen. Normalerweise werden hier jeden Tag zwei große 40-Tonner-Lkw beladen, momentan sind es vier bis fünf.

Auch in der Verwaltung stehen die Telefone nicht still. Im Minuten-Takt gehen E-Mails mit Bestellungen für Schutzkleidung ein. Matthias Werhahn aus dem Vertrieb stellt fest: "Normal-Arbeitszeiten kann man jetzt abhaken. Ich fange zur Zeit zwischen 5 und 6 Uhr an und das Ganze geht bis 19, 20 Uhr. Ich denke nicht an Überstunden. Der Fokus liegt auf der Arbeit, dass die bewältigt werden kann. Ob ich zwei oder drei Überstunden habe, das interessiert mich nicht. Hauptsache, wir können die Kunden bedienen."

Dach liefert nur an Krankenhäuser, Industrie und Großhändler. Neue Abnehmer kann die Firma mit ihren 21 Mitarbeitern derzeit nicht annehmen, erklärt Ming Gutsche. Dafür fehlen die Kapazitäten. "Unser Stammkunde ist in erster Linie wichtig. Wir wollen nicht die Krisenkäufer, sage ich mal so."

Händler belagern Rastatter Unternehmen

Doch davon gibt es jede Menge: Immer mehr Privatkunden versuchen, bei Dach im Online-Shop die begehrten Atemschutzmasken zu bestellen. Auch umtriebige Händler wittern ein Geschäft: Kürzlich standen morgens zahlreiche Transporter auf dem Firmenparkplatz und wollten direkt einladen. Die Händler waren so hartnäckig, dass Chefin Ming Gutsche drohte, die Polizei zu rufen, wenn die Lieferwagen nicht sofort vom Firmengelände verschwinden würden.

Keine Zukunft im unberechenbaren Krisengeschäft

Die Firmen-Chefin sagt: "Wir haben unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Krankenhäusern, unseren Rettungsdiensten, der Pharmaindustrie, der Lebensmittelindustrie. Das sind unsere Stammkunden. Die erwarten eine gesicherte Versorgung. Das sehe ich als unsere Pflicht. Die Coronaviren, die machen wirklich einen Strich durch unsere Rechnung.“

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