Thomas Strobl, bisheriger und neu gewählter Landesvorsitzender der baden-württembergischen CDU. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

CDU-Landesparteitag in Mannheim

Strobl mit deutlichen Verlusten als Landeschef der CDU wiedergewählt

STAND

Die CDU Baden-Württemberg hat in Mannheim ihren bisherigen Vorsitzenden Thomas Strobl mit 66,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Das sind deutlich weniger als vor zwei Jahren.

Für Strobl ist es das zweitschlechteste Ergebnis in seiner Zeit als CDU-Landeschef. Schlechter schnitt er lediglich bei seiner ersten Wahl zum Landesvorsitzenden vor zehn Jahren ab, damals mit einem Gegenkandidaten. Am Samstag kam in Strobls Ergebnis nach schlechten Ergebnissen bei der Landtags- und Bundestagswahl auch der Unmut vieler Delegierter der CDU zum Ausdruck. Bei der letzten Wahl vor zwei Jahren hatte Strobl noch 83,3 Prozent der Delegierten-Stimmen bekommen.

Strobl: "Ein ehrliches Ergebnis"

"Das ist ein ehrliches Ergebnis", bilanzierte Strobl nach der Verkündung der Auszählung. "Das ist natürlich auch der schwierigen Lage geschuldet, in der sich die CDU derzeit befindet", sagte der CDU-Politiker. Er sei Demokrat und nehme als solcher das Wahlergebnis "mit Demut" an.

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Strobl rief seine Partei auf dem Landesparteitag zur Geschlossenheit auf. Er warb dafür, die Partei inhaltlich zu erneuern und neue Köpfe zu präsentieren. Es sei aber ein Irrtum zu glauben, damit werde alles wieder gut, so Strobl weiter. Die CDU müsse vor allem klären, für welche Inhalte sie in Zukunft stehe - und sie müsse neue Mitglieder gewinnen. Im Interview mit dem SWR sprach Strobl von einem "stabilisierenden Parteitag" in einer schwierigen Lage, in der sich die CDU gerade befinde.

Das ganze Interview mit Thomas Strobl sehen Sie hier:

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Keine Aussprache über Lage der Partei

Eine Aussprache über die Lage der CDU blieb auf dem Parteitag aus. Eine Kommission wird sich damit beschäftigen, welche Lehren die CDU Baden-Württemberg für die Zukunft ziehen soll.

74,9 Prozent der Stimmen für CDU-Generalsekretärin Huber

Die Delegierten wählten in Mannheim auch die Landtagsabgeordnete Isabell Huber zur Generalsekretärin der baden-württembergischen CDU. Bislang war die 34-Jährige kommissarisch im Amt. Neu unter den stellvertretenden Landesvorsitzenden ist die Landrätin von Sigmaringen, Stefanie Bürkle.

Auf diese CDU habe er "richtig Bock", hatte Strobl zuvor in seiner Bewerbungsrede zum Landesvorsitz erklärt. Dabei ging er jedoch auch auf die Stimmenverluste bei der Landtagswahl ein und rechnete mit den Unionsmitgliedern ab, die nach der Bundestagswahl Details aus den Vorsondierungsgesprächen mit den Grünen durchgestochen hätten. Das habe eine kleine, aber durchaus realistische Chance verschenkt, an der Regierungsbildung unter Beteiligung der CDU im Bund mitzuwirken, so Strobl. "Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich diese Egoshooterei, diese Selbstdarstellerei, diese ewige Durchstecherei satt habe", sagte Strobl unter Applaus.

Zuletzt auch Rufe nach einem Rückzug Strobls

Zugleich gibt es nach den historisch schwachen Ergebnissen bei Landtags- und Bundestagswahl auch in der baden-württembergischen CDU heftige Kritik an der Führung und den Ruf nach personeller Erneuerung. Zuletzt kamen aus Teilen der CDU - vor allem in Südbaden - Rufe nach einem Rückzug von Landeschef Strobl.

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CDU-Mitglieder wollen mitreden

"Wir haben jetzt eine offen diskutierende Partei", sagte der 61-jährige Strobl. Und das sei auch gut so. Dem müsse nun nachgekommen werden. Es müsse sich etwas ändern, damit die Partei in die Erfolgsspur zurückkehre, bei Inhalt und Personal. Aber am Ende des Tages sei er nach wie vor "leidenschaftlich motiviert".

Vorbericht zum CDU-Parteitag, SWR Aktuell, 12. November 2021:

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"Auch für mich ist das nicht immer ein Spaziergang in der aufgeheizten Stimmung, das nehme ich auch sehr ernst."

Landeschef Strobl steht unter Druck

Bei Bezirksparteitagen hatte es zuletzt viel Kritik gegeben. Strobl hält zwar am Landesvorsitz fest, beim CDU-Bundesparteitag im Januar will er aber nicht mehr für den stellvertretenden Bundesvorsitz kandidieren, den er seit zehn Jahren innehat.

Unterschiedliche Stimmen bei den CDU-Senioren

Einige Parteimitglieder hätten sich gewünscht, dass Strobl seinen Platz räumt. Doch das sehen nicht alle so. Die Meinungen gehen bunt durcheinander, wie Anfang der Woche beim Landestag der Senioren-Union in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen). Da gab es außer Kritik auch Lob für Strobl. So erklärte Christian Andreas Strube, CDU Tauberbischofsheim: "Er ist schon sehr lange da und vielleicht wäre ein Wechsel auch nicht schlecht, um tatsächlich mal zu erneuern." Eberhard Niethammer, CDU Südbaden, stimmte zumindest teilweise zu: "Irgendwann muss mal was Neues kommen, aber nicht im Augenblick."

Waltraut Freusch von der CDU Sigmaringen meinte dagegen mit Blick auf die Wahl zum Parteivorsitz: "Also ich hoffe der Herr Strobl, weil ich ihn sehr schätze und weil ich der Meinung bin, dass er wirklich gute Arbeit macht. Und ich hoffe, dass er das alles einstecken kann, was er so zu hören bekommt."

CDU-Minister in BW stellen sich hinter Strobl

Strobl, Innenminister von Baden-Württemberg, garantiere Stabilität in der grün-schwarzen Landesregierung - sagen die CDU-Ministerinnen und -Minister in der Landesregierung. Strobls Unterstützer verweisen darauf, dass unter seiner Führung Jüngere und Frauen in Verantwortung gekommen seien, wie die 34-jährige Isabell Huber, Stefanie Bürkle oder Bauministerin Nicole Razavi. Und: Strobl fördert Manuel Hagel, 33, Fraktionschef im Landtag und Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Alb-Donau-Ulm, einer der größten Kreisverbände der CDU in Baden-Württemberg.

Unterstützung für Strobl gab es auch in seiner Heimat Heilbronn-Franken. Dort begrüßt man seine Wiederwahl als Zeichen von Kontinuität in schwierigen Zeiten.

Fraktionschef Hagel lobt Strobl

"Mannheim ist vor allem eine Chance" hatte Manuel Hagel in Interviews mit der "Rhein-Neckar-Zeitung" Heidelberg und den "Badischen Neuesten Nachrichten" aus Karlsruhe gesagt - und sich hinter Strobl gestellt.

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"Wir müssen uns neu entscheiden, spielen wir im Team Aufbruch oder im Team Abbruch. Ich werbe für Aufbruch."

Fraktionschef Hagel erklärte: "Thomas Strobl hat in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen. Das ist aller Ehren wert. An dem Versuch, Wahlergebnisse zum politischen Schönheitswettbewerb auszurufen, werde ich mich deshalb nicht beteiligen." Er werbe für Gelassenheit, so Hagel.

Rückendeckung aus der Jungen Union

Manuel Hagel kommt an in der Partei, drängt aber nicht an die Spitze. Er braucht Zeit, um die Landtagsfraktion neu zu organisieren. Vieles deutet darauf hin, dass es hinter den Kulissen Absprachen gibt und Hagel in zwei Jahren den CDU-Landesvorsitz übernehmen könnte. Auch das ist ein Grund dafür, dass Strobl selbst aus der Jungen Union Rückendeckung erhält.

Strobl führt den bundesweit zweitgrößten CDU-Landesverband seit zehn Jahren. Er ist nicht nur Innenminister, sondern auch Vize-Regierungschef in der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg. Der Heilbronner gilt als Vertrauter des grünen Regierungschefs Winfried Kretschmann, mit dem er trotz der Niederlage der CDU im Frühjahr eine Wiederauflage von Grün-Schwarz aushandelte.

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