STAND

Die CDU in Baden-Württemberg hat ihre Landesliste für die Bundestagswahl aufgestellt. Landeschef Strobl nahm bei seiner Rede Grünen-Kandidatin Baerbock ins Visier.

Gut drei Monate vor der Bundestagswahl hat die baden-württembergische CDU Wolfgang Schäuble zum Spitzenkandidaten gekürt. Der 78-jährige Bundestagspräsident erhielt am Samstag bei einer digitalen Landesvertreterversammlung in Stuttgart 159 Ja-Stimmen. 22 Delegierte stimmten mit Nein, fünf enthielten sich. Der frühere Bundesfinanz- und Innenminister, der seit fast 50 Jahren im Bundestag sitzt, führt damit erwartungsgemäß die Landesliste der Landes-CDU an. Er hatte keinen Gegenkandidaten. Schäuble sitzt seit 1972 für den Wahlkreis Offenburg im Bundestag. Er ist bereits zum neunten Mal Spitzenkandidat der CDU Baden-Württemberg.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble kandidiert für den ersten Listenplatz der CDU Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa /Kay Nietfeld)
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble aus Offenburg ist seit fast 50 Jahren Mitglied des Bundestags. picture alliance/dpa /Kay Nietfeld

Schäuble: Schuldenpolitik darf so nicht weitergehen

"Ich habe mich bereit erklärt, wieder für den Bundestag zu kandidieren, weil ich denke, dass ich mit der langen Erfahrung, die ich habe und mit dem Vertrauen, das ich in Teilen der Bevölkerung auch habe, in diesen Zeiten großer, schneller Umbrüche und Veränderungen für unser Land, aber auch für unsere Partei einen stabilisierenden Beitrag leisten kann", sagte Schäuble. In seiner Rede betonte er, dass die milliardenschweren Corona-Hilfspakete richtig gewesen seien - doch die Schuldenpolitik dürfe so nicht weitergehen. Wer glaube, "dass Geld überhaupt keine Rolle mehr spielt, der wird sich täuschen". Damit Deutschland nach der Pandemie besser werden könne, brauche es nicht noch mehr Staat und Regulierung.

Zudem sei der Klimawandel eine große Herausforderung. "Wir müssen schneller und energischer noch mehr dagegen tun, um die Welt einigermaßen bewohnbar zu halten", so Schäuble. Im Wahlkampf gelte: "Unsere Mitbewerber sind nicht unsere Feinde." Allerdings müsse man sich klar gegen Parteien vom rechten und linken Rand abgrenzen, sagte er.

Video herunterladen (1,2 MB | MP4)

Kaum Überraschungen an der Spitze - Kampfkandidatur um 7. Platz

Auf Rang zwei der Liste kam die Tübinger Abgeordnete Annette Widmann-Mauz, die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung. Die 54-jährige Bundesvorsitzende der Frauen-Union erhielt jedoch ein deutlich schwächeres Ergebnis: Nur 115 Delegierte stimmten für sie, 59 mit Nein, fünf Enthaltungen. Auch Widmann-Mauz hatte keinen Gegenbewerber. Stärker als Schäuble und Widmann-Mauz schnitt dagegen Unionsfraktionsvize Andreas Jung aus Konstanz ab. Der Umweltexperte konnte sich 164 Ja-Stimmen sichern, nur zwölf Delegierte stimmten mit Nein, drei enthielten sich. Er besetzt damit Rang drei der Landesliste.

Auf Rang vier platzierte sich der 42-jährige Steffen Bilger aus Ludwigsburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Zudem konnte sich der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann gegen Manfred Zaiß bei einer Kampfkandidatur um Listenplatz sieben durchsetzen. Der Stuttgarter CDU-Kreischef Kaufmann erhielt 146 Stimmen, Zaiß nur 31. Kaufmann zeigte sich optimistisch, das Direktmandat gegen den früheren Grünen-Chef Cem Özdemir verteidigen zu können.

Wegen Lebenslauf: CDU-Landeschef attackiert Baerbock

Vor der Abstimmung hatte der baden-württembergische CDU-Landeschef und Bundesvize Thomas Strobl in einer Rede die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, scharf kritisiert. Sie unterlaufe ihre eigenen hohen moralischen Ansprüche, sagte Strobl bei der digitalen Landesvertreterversammlung seiner Partei am Samstag. Es sei schon beachtlich, dass Baerbock vergessen habe, Sonderzahlungen zu melden und ihren Lebenslauf nachbessern musste.

Strobl betonte mit Genugtuung, dass neueste Umfragen zeigten, "dass die Bäume für die Grünen auch nicht in den Himmel wachsen". Baerbock liege in der Frage nach einer Direktwahl der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers klar hinter dem Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet und auch hinter dem SPD-Bewerber Olaf Scholz. "So ändern sich die Zeiten", sagte Strobl.

CDU hofft auf 38 Direktmandate aus BW

Trotz der Schlappe bei der Landtagswahl Mitte März, bei der die baden-württembergische CDU nur 24 Prozent erringen konnte, habe man den Anspruch, klar stärkste Kraft zu werden und alle 38 Direktmandate zu gewinnen, sagte Landesparteichef Strobl. Damit kämen alle Erstkandidatinnen und -kandidaten zum Zuge. Allerdings könnten vor allem Universitätsstädte wie etwa Freiburg, Heidelberg und Tübingen an die erstarkten Grünen fallen. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte die CDU im Land 34,4 Prozent der Zweitstimmen gewonnen, die Grünen kamen auf 13,5 Prozent. Niemand solle die CDU Baden-Württemberg abschreiben, so Strobl.

"Armin Laschet soll mit der Kraft des Südens Bundeskanzler werden", sagte er und kündigte an, dass in diesem Jahr der bundesweite Auftakt zur Bundestagswahl am 21. August im Europapark Rust in Baden-Württemberg stattfinde. "Ohne die Südwest-CDU geht nix." Die Baden-Württembergische CDU ist bundesweit der zweitgrößte Landesverband.

Wegen Corona-Pandemie digitales Treffen

Insgesamt haben sich 60 CDU-Mitglieder zur Wahl für die Landesliste zur Bundestagswahl zur Verfügung gestellt. Das Treffen fand wegen Corona-Beschränkungen größtenteils online statt, nur die engste Führungsspitze traf sich in der Stuttgarter Messe.

BW-Reaktionen auf Landtagswahl im Osten Strobl sieht Ergebnis in Sachsen-Anhalt als "Rückenwind" für Bundestagswahl

Die CDU ist der große Gewinner der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Für die Parteifreunde in Stuttgart ein Grund zum Jubel. Auch die AfD in Baden-Württemberg sieht eine Trendumkehr.  mehr...

Stuttgart

Parteien setzen Zusammenarbeit fort Grün-Schwarz macht in Baden-Württemberg weiter: Welches Signal hat das für den Bund?

Acht Wochen nach der Landtagswahl haben Grüne und CDU in Baden-Württemberg auf getrennten Parteitagen dem Koalitionsvertrag für eine Neuauflage ihrer Koalition zugestimmt. Kommen die Parteien nach der Bundestagswahl auch im Bund zusammen?  mehr...

Baden-Württemberg

Bisheriger Amtsinhaber will Minister werden CDU in Baden-Württemberg wählt Manuel Hagel zum Fraktionschef

Es ist ein prestigeträchtiger Posten: Dem bisherige CDU-Fraktionschef dürfte in der nächsten Wahlperiode unter Grün-Schwarz eine wichtige Rolle zukommen. Der Neue ist ein 33-Jähriger aus Oberschwaben.  mehr...

Baden-Württemberg

Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg

Aktuelle Informationen, Nachrichten, Hintergründe, Parteien und Kandidaten zur Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg.  mehr...

STAND
AUTOR/IN