Ein Klassenzimmer mit offenem Fenster (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Guido Kirchner)

Land Baden-Württemberg will Kommunen unterstützen

Luftfilter an Schulen: Unterstützung vom Land, Kritik von Verdi und GEW

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Helfen Luftfilter in Schulen gegen die Ausbreitung des Coronavirus? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Jetzt will Baden-Württemberg die Schulen bei der Anschaffung unterstützen.

Die baden-württembergische Landesregierung will den Schulen im Rahmen eines Förderprogramms 60 Millionen Euro für Luftfilter zur Verfügung stellen. Das bekräftigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Regierungspressekonferenz am Dienstag. Ihm zufolge sollen die mobilen Lüftungsanlagen und CO2-Ampeln vorrangig in Räumen zum Einsatz kommen, die nicht belüftet werden können. Die Ausstattung von Schulen sei zwar kommunale Aufgabe, aber mit dem Förderprogramm wolle man die Kommunen bei der Anschaffung unterstützen.

Kretschmann: "Die Luftfilter entscheiden nicht über Schulöffnungen"

Aber die Geräte müssen auch sinnvoll einsetzbar sein, so Kretschmann. Es dürften keine Geräte angeschafft werden, die zum Beispiel zu laut sind und daher gar nicht erst benutzt werden. "Dazu habe ich das Umweltministerium beauftragt, dass es die Geräte noch mal scannt, die auf dem Markt sind", sagte der Ministerpräsident. So wolle man den Kommunen Empfehlungen geben, welche Geräte geeignet sind. Die Luftfilter seien für die Klassenzimmer von Schülern der 1. bis 6. Klasse gedacht, weil diese bisher noch keine Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen.

Baden-Württemberg

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Kretschmann warnte davor, zu glauben, von den Filteranlagen hinge die Entscheidung ab, ob Schulen nach den Sommerferien wieder schließen müssen wegen der gefährlichen Delta-Variante. "Das wird nach Lage der Dinge nicht der Fall sein." Um eine mögliche Einschleppung von Virusvarianten durch Urlaubsreisen zu verhindern, gebe es in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien eine Maskenpflicht in den Schulen.

Kosten für Lüftungsgeräte werden auf 120 Millionen Euro geschätzt

"Neben den bestehenden Bausteinen wie regelmäßiges Testen, Masken, den eingeübten Hygiene- und Schutzmaßnahmen und gezieltem Impfen schlägt die Landesregierung den Kommunen als Schulträger heute ein Förderprogramm von 60 Millionen Euro vor", so Kretschmann am Montag. Damit übernehme das Land die Hälfte der Kosten für die Anschaffung mobiler Lüftungsanlagen und CO2-Ampeln.

In Baden-Württemberg gibt es mehr als 67.000 Klassenzimmer. Die SPD schätzt die Kosten für die Ausrüstung auf etwa 120 Millionen Euro. Hinzu kämen noch die etwa 9.300 Kitas im Land. Kretschmann warnte allerdings, die Luftfilter ersetzten das Lüften nicht. Auch das Impfen bleibe unerlässlich: "Jede und jeder Geimpfte bringt uns voran und hilft solidarisch gegen eine vierte Welle."

Lange und kontroverse Diskussion um Luftfilter

Politiker und Experten sorgen sich, dass die besonders ansteckende Delta-Variante des Virus im Herbst dazu führen könnte, dass Schulen und Kitas wieder geschlossen werden müssen. Um die Frage, inwiefern mobile Lüftungsanlagen in Schulen gegen die Ausbreitung des Coronavirus helfen, wird seit Monaten gestritten. Die Bildungsgewerkschaft GEW und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dringen bereits seit längerer Zeit darauf, die Klassenzimmer in Baden-Württemberg mit Luftfiltern auszustatten und auch die Kitas und die Schulkindbetreuung nicht zu vergessen.

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Der Städtetag Baden-Württemberg ist dagegen der Meinung, mobile Lüftungsanlagen könnten die Pandemie nicht bekämpfen. Eine von der Stadt Stuttgart in Auftrag gegebene Untersuchung bestätige, dass klassisches Lüften am wirksamsten für den Luftaustausch sei. Mobile Luftfilter seien dagegen nur sinnvoll, wenn aus baulichen Gründen kein wirksames Stoßlüften möglich ist.

Einige Länder wie Bayern, Berlin oder Hessen sind in Sachen Luftfilter weiter als Baden-Württemberg. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vergangene Woche angekündigt, der Freistaat werde den Kommunen 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten.

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