Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister in Baden-Württemberg redet engagiert (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller - Montage: SWR)

Nach Weltklimakonferenz in Glasgow

BW-Verkehrsminister Hermann: Hoffnung auf schnelles Ende des Verbrennungsmotors

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Spätestens 2040 ist für Verbrenner Schluss - so wurde es auf der Weltklimakonferenz beschlossen. Doch Deutschland macht nicht mit. Verkehrsminister Hermann setzt auf die Ampel.

Der Ausstieg aus der Technik des Verbrennungsmotors wurde auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vereinbart. Deutschland hat sich der Initiative nicht angeschlossen. Darüber hat SWR2 Aktuell-Moderator Pascal Lechler mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gesprochen.

SWR2 Aktuell: Deutschland ist nicht dabei. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte das schon im Vorfeld angedeutet. Glauben Sie, dass die neue Regierung, der dann wohl auch die Grünen angehören, dieser Vereinbarung von Glasgow noch beitreten wird?

Winfried Hermann: Ich habe die große Hoffnung, dass das Votum von Bundesminister Scheuer geändert wird. Der Anspruch der neuen Regierung steht bereits im Sondierungspapier. Man will bis 2035 - analog zu den Plänen der EU - aus dem fossilen Verbrenner aussteigen.

Scheuer denkt daran, die Verbrenner mit synthetischen Brennstoffen zu füttern. Ist das keine gute Idee?

Prinzipiell ist es schon möglich, dass man mit erneuerbaren Kraftstoffen auch Verbrennungsmotoren füttert. Aber wir sind nicht in der Situation, dass wir Energie im Überfluss haben. Erneuerbare Kraftstoffe kosten sehr viel Energie bei der Herstellung. Es ist ungefähr das Sechsfache an Energie, was man mit Antrieben auf der Basis von Elektro-Batterien verbraucht.

Deswegen ist es zur Zeit und in den nächsten Jahren keine gute Idee, Energie auf diese umständliche Form in Autos zu verbrennen. Wir brauchen diese Art von erneuerbaren Kraftstoffen vor allem beim Flugbetrieb, in großen Schiffen oder vielleicht auch in Lkws, aber eben nicht im Pkw-Bereich. Entscheidend ist, dass sich jetzt eine Reihe von Ländern, Regionen und Städte entschieden haben, den Weg zu gehen und aus dem Verbrenner auszusteigen, und dass große Automobilhersteller dabei sind: mit Daimler auch ein großes Unternehmen aus Baden-Württemberg. Das hat mich sehr gefreut.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass daraus die Idee entsteht, dass die neue Bundesregierung zusammen mit der Automobilwirtschaft den Verbrenner-Ausstieg konzipiert und beschließt. Es gab vor rund 20 Jahren einen Ausstieg aus der Atomenergie. Die damalige (rot-grüne; Anm. d. Red.) Koalition hat den Beschluss zusammen mit der Energiewirtschaft gefasst und dann gesetzlich festgelegt. Das war am Ende sehr erfolgreich, auch wenn es kurzzeitig von der Union aufgehalten wurde.

Wenn alle elektrisch fahren wollen: Schaffen wir das überhaupt bis 2035 - auch mit Ladestationen, wenn das in diesem Tempo weitergeht?

Das große Problem ist, dass der Verkehrssektor riesige Mengen von Energie verbraucht. Das liegt laut Statistik daran, dass das Verkehrssystem sehr ineffizient ist, weil sehr viel Verkehr mit einem großen Fahrzeug für eine Person bestritten wird und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die sind viel effizienter, weil mehr Menschen mit vergleichbarer Energie transportiert werden können.

Deswegen brauchen wir in der Verkehrswende die Antriebs- und Mobilitätswende, also einen anderen Mix der Verkehrsträger. Wir müssen schauen, dass wir mit der begrenzt vorhandenen Energie möglichst sparsam umgehen. Deswegen geht die Automobilindustrie den Weg der batterieelektrischen Fahrzeuge.

Ich persönlich - aber da bin ich anderer Meinung als die meisten Grünen - glaube, dass erneuerbare Kraftstoffe als Beimischung für Verbrennungsmotoren genutzt werden können. Damit kann der Bestand, den es für eine Übergangszeit noch gibt, umwelt- und klimafreundlicher gemacht werden. Man kann die Autos nicht einfach verschrotten.

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