Die Stühle in einem Klassenzimmer sind hochgestellt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Anhaltend hohe Corona-Zahlen

Gymnasiallehrer in BW: Schulschließungen dürfen kein Tabuthema sein

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Baden-Württemberg will die Schulen trotz vieler Corona-Fälle im Land offen halten. Der Philologenverband fordert dagegen, Schulschließungen nicht mehr auszuschließen.

In der Debatte über Verbote und Einschränkungen wegen der anhaltend hohen Corona-Zahlen sollten aus Sicht der Lehrkräfte an baden-württembergischen Gymnasien auch Schulschließungen nicht mehr ausgeschlossen werden.

"Schulschließungen dürfen kein Tabu mehr sein"

"Jede Überlegung zur Sicherung des Schulbetriebs muss jetzt auf den Tisch", forderte der Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Ralf Scholl, am Donnerstag. "Auch Schulschließungen dürfen angesichts der Corona-Infektionslage kein Tabu mehr sein."

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 9.000 Gymnasiallehrerinnen und -lehrer in Baden-Württemberg. Das Kultusministerium versuche allerdings, die Schulen auf Biegen und Brechen bis zu den Weihnachtsferien offen zu halten, sagte Scholl. Das sei sträflicher Leichtsinn. "Man hat den Zeitpunkt für sanftere Maßnahmen längst verpasst und scheut die Verantwortung für die jetzt notwendigen, harten Maßnahmen", kritisierte Scholl weiter.

GEW gegen Schulschließungen

Dagegen appelliert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an die Politik, mögliche Schulschließungen als letztes in Erwägung zu ziehen. "Dass Massenveranstaltungen stattfinden und Schulen geschlossen werden, das geht nicht", sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Maike Finnern der Deutschen Presse-Agentur. "Aber wenn wir sehen, dass die Einschränkungen über Absagen oder eine Reduzierung von Massenveranstaltungen nicht reichen, dann kann es in einzelnen Bereichen sein, dass man darüber nachdenken muss, Schulen für ein, zwei Wochen in den Distanzunterricht zu schicken." An vielen Schulen im Land würden bereits Vorbereitungen für einen Wechsel in den Fernunterricht laufen, so die Verantwortlichen via Twitter.

Land will Schulen so lange wie möglich offen halten

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will Schulen offen halten und den Präsenzunterricht nach eigenen Angaben so lange aufrecht erhalten "wie nur irgendwie vertretbar und möglich". Das hatten zuletzt auch die Landkreise und der Städtetag gefordert. Man habe gesehen, dass die Corona-Lockdowns mit Fernunterricht bei vielen Kindern und Jugendlichen "erhebliche Schäden" verursacht hätten, so Kretschmann. Er verwies insbesondere auf Kinder und Jugendliche aus bildungsferneren Schichten.

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SWR