Für Regionalverkehr auf Stuttgarter Netzen

Wegen S21: BW kauft 130 neue Doppelstockzüge

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Baden-Württemberg bestellt für eine Rekordsumme von zweieinhalb Milliarden Euro neue Regionalverkehrszüge. Das hängt mit dem künftigen Stuttgarter Tiefbahnhof zusammen.

Es ist eine gewaltige Anschaffung: 130 neue Doppelstockzüge für rund zweieinhalb Milliarden Euro. Vom Land Baden-Württemberg beim Hersteller Alstom in Auftrag gegeben, inklusive eines Wartungsvertrags. Die Züge sollen im Regionalverkehr auf den Stuttgarter Netzen eingesetzt werden, also auf Verbindungen, die durch den künftigen Tiefbahnhof in Stuttgart führen. Er wird im Rahmen des Großprojekts Stuttgart 21 (S21) gebaut.

Baden-Württemberg als Vorreiter

Auf die Bestellung ist auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) stolz: "Kein anderes Bundesland hat bisher einen Einzelauftrag dieser Größenordnung für die Bestellung von Regionalzügen erteilt", sagte er am Montag in Stuttgart. Alstom hält demnach die Züge über 30 Jahre hinweg instand. Das europaweite Vergabeverfahren ist bereits beendet, so Hermann.

So sollen die neuen Doppelstockzüge aussehen.  (Foto: Pressestelle, Verkehrsministerium Baden-Württemberg)
So sollen laut Verkehrsministerium die neuen Doppelstockzüge aussehen. Zwei Doppelstock-Steuerwagen und zwei einstöckige Triebwagen mit insgesamt 380 Sitzplätzen.

Wie Alstom in Saint-Ouen bei Paris berichtete, handelt es sich auch für den Hersteller um den bisher größten Auftrag in Deutschland. Die Bestellung sei ein "starkes Signal" für die Zukunft der Mobilität in dem Land. Es gebe eine Option, bis zu 100 zusätzliche Züge zu ordern.

Auslieferung beginnt in drei Jahren

Die Züge von Alstom sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern erreichen und somit auch Fahrzeiten verkürzen. "Diese Züge sind Sprinter im Nahverkehr. Damit wollen wir viele zusätzliche Fahrgäste gewinnen", sagte Hermann. Die neuen Züge sollen unter anderem mit WLAN, Klimaanlagen und Fahrradplätzen ausgestattet sein. In drei Jahren ist die Auslieferung der ersten Exemplare geplant. Sie sollen auf den Strecken nach Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Schwäbisch-Hall, Aalen, Friedrichshafen/Lindau, Tübingen, Horb/Rottweil und Ulm eingesetzt werden. Sie gehören dann einer landeseigenen Gesellschaft und werden an die Bahnunternehmen vermietet. Bezahlt werden sie aus Bundeszuschüssen.

Die noch recht neuen Regionalzüge, die jetzt auf den Stuttgarter Netzen unterwegs sind, sollen in Zukunft in anderen Landesteilen zum Einsatz kommen.

Ein einstöckiger Nahverkehrszug steht auf dem Vorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow)
Die noch recht neuen einstöckigen Regionalzüge sollen, wenn die Doppelstockzüge ab 2025 ausgeliefert werden, in anderen Landesteilen zum Einsatz kommen.

Züge bieten im neuen Tiefbahnhof Vorteile

Geplant ist, dass im neuen Stuttgarter Hauptbahnhof Gleise von Regionalzügen auch doppelt belegt werden. Die neuen Doppelstockzüge ermöglichen daher, auf gleicher Länge die Kapazität zu erhöhen. Die Bahn erklärte dem SWR: "Im künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof ist jede der acht Bahnsteigkanten über 400 Meter lang. Dort können an derselben Bahnsteigkante zwei Doppeltraktionen hintereinander halten." Die Doppelstockzüge würden mit ihrer größeren Kapazität daher der "deutlich erhöhten Nachfrageprognosen im Zuge der angestrebten Mobilitätswende" gerecht werden. Stuttgart 21 mit dem neuen Tiefbahnhof soll voraussichtlich 2025 in Betrieb gehen.

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SWR